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Neues vom Buchmarkt Johann König/Daniel Schreiber: Blinder Galerist

In diesen Tagen beginnt die ART Basel, eine der größten Kunstmessen der Welt. Mit dabei ist einer der wichtigsten deutschen Galeristen und Händler zeitgenössischer Kunst: Johann König. Der bringt diese Woche seine Autobiographie heraus: "Blinder Galerist".

Von: Knut Cordsen

Stand: 12.06.2019

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Johann König ist gerade mal 37 Jahre alt, und doch hat ihn vor zehn Jahren bereits das britische Magazin Art Review das erste Mal in die Liste der 100 einflussreichsten Personen der zeitgenössischen Kunst aufgenommen. "Eine in vieler Hinsicht fragwürdige Liste" sei das, schreibt Johann König zusammen mit seinem Co-Autor Daniel Schreiber in seinem Buch "Blinder Galerist", und doch darf seine Aufnahme in die berühmte Liste als sicheres Indiz für seinen Status gelten. Er vertritt heute Künstler wie Norbert Bisky, Katharina Grosse, Jorinde Voigt und Erwin Wurm sowie Natascha Sadr Haghighian, die gerade erst den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig gestalten durfte. Namen, von denen er nicht zu träumen wagte, als er 2002 seine erste Galerie gegenüber von der Berliner Volksbühne aufmachte – und fast keiner zur Eröffnung kam. Er sei "völlig zusammengebrochen und habe nur geheult", erinnert sich Johann König rückblickend – sein Buch ist eben auch und vor allem eines darüber, mit schweren Rückschlägen, mit Schicksalsschlägen fertig zu werden. Denn mit 12 Jahren hantiert er in seinem Kinderzimmer mit Munitionskügelchen aus einer Startschusspistole, befreit sie dafür vom üblichen Styropor, woraufhin sie explodieren. Die Explosion zerfetzt ihm die Hände und raubt ihm nahezu das gesamte Augenlicht. Der Junge, in dessen Elternhaushalt Künstler ein und aus gehen – sein Vater ist der legendäre Ausstellungsmacher Kasper König – kann nichts mehr sehen. Der Unfall wird sein Leben bestimmen, zahlreiche Operationen, Hornhauttransplantationen folgen, sogenannte Keratoplastiken, die ihm heute eine Sehfähigkeit von etwa 30 Prozent verleihen. Dieser Unfall wird aber vor allem fortan seinen Überlebenswillen und seinen Ehrgeiz anstacheln. An einer Stelle seines beeindruckenden Memoirs heißt es: "Paradoxerweise ist es wahrscheinlich so, dass meine Sehbehinderung an meinem Erfolg einen nicht unwesentlichen Anteil hatte."  

"Also das eine ist, dass ich schon in sehr jungen Jahren eine Galerie gegründet habe aus einer Not heraus, nichts Anderes machen zu können. Der richtige Weg wäre eigentlich gewesen zu studieren, in die Lehre zu gehen, irgendwo zu arbeiten und darüber dann den Weg hereinzufinden. Ich wollte unbedingt mit Kunst arbeiten und den einzigen Weg, den es gab, war, etwas Eigenes zu machen. Und das habe ich getan auch mit ein bisschen Leichtsinn, aber v.a. aus Not, weil ich nicht woanders hätte anheuern können. Das ist das eine, und das andere ist, dass mir dieses Überwinden meines Unfalls und dieses Einfinden in diese neue Situation mir eine Resilienz verschafft hat, die mir im Berufsleben später zupasskam. Am längsten muss der Künstler durchhalten, aber kurz dahinter kommt schon der Galerist. Man muss unheimlich viel Durchhaltevermögen haben, Geduld und fest daran glauben, dass man das Richtige macht, das hängt damit zusammen."

Zitat Johann König

Johann König, der am Tag vor seiner Abiturprüfung von der Blindenstudienanstalt Marburg nach Kassel zur documenta-Eröffnung reist, weil er sich ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen kann, konnte seit jeher immer nur eines gut, so schreibt er es: "mit Künstlern zusammenarbeiten. Ich wollte etwas zu ihrer Rezeption beitragen, ihre Karrieren mitformen". Das ist ihm gelungen. Er erzählt anschaulich und packend von seinem mühsamen Weg, von Abstürzen, manchmal wortwörtlichen, vom Bahnsteig ins Gleisbett, manchmal von den Alkohol- und Drogenabstürzen auf den Partys der Kunstwelt, die "auf Exzess gebaut ist".  Wenn er einem mit seiner wuchtigen Brille gegenübersitzt in seiner heutigen Dependance, der Kunstkirche St. Agnes in Berlin-Kreuzberg, lächelt einen ein freundlicher Mann an, der der Vater vierer Kinder ist und weiß, was für ein Wagnis es ist, eine Galerie zu gründen. Seine Lebenserzählung ist für junge Menschen, die heute mit dem Gedanken daran liebäugeln, ein Ansporn.

Johann Königs zusammen mit Daniel Schreiber verfasstes Buch "Blinder Galerist" erscheint diese Woche für 24 Euro im Verlag Propyläen, es hat 168 Seiten.  


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