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Neues vom Buchmarkt "Barbara: Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten" von Wolf Biermann

Am Freitag, 15.03., erscheint ein neues Buch des Liedermachers Wolf Biermann. "Barbara. Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten" nennt es der 82-Jährige. Knut Cordsen hat mit Wolf Biermann darüber gesprochen.

Von: Knut Cordsen

Stand: 13.03.2019

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Zu seinem 80. Geburtstag hat Wolf Biermann vor drei Jahren eine Autobiographie vorgelegt, die man einen Deutschland-Roman ganz eigener Art nennen kann. Diesen fulminanten Erinnerungen lässt der Liedermacher nun einen Band mit ebenfalls autobiographischen Texten folgen, in denen er im lässigen Parlando vor allem Erlebnisse der 1960er Revue passieren lässt. Wolf Biermann nennt sie Novellen.

"Eine Novelle ist kein Roman, sondern das, was Goethe eine 'unerhörte Begebenheit' nennt. Eine verrückte, besonders irre kleine Geschichte, an der die Welt zur Erscheinung kommt. Ich habe 18 solche Novellen gebündelt und habe mir den Titel 'Barbara' ausgedacht. Das ist ein Frauenname, der Sie nur neugierig machen soll, sie könnte auch Luise heißen oder sonst wie. Aber dann kommt dieser Untertitel 'Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten'. Und damit will ich Sie natürlich neugierig machen und verführen, das zu lesen."

Zitat Wolf Biermann

Gleich in der ersten Geschichte zitiert Biermann Shakespeares berühmtes Wort aus dem "Othello": "Making the beast with two backs". Das Tier mit zwei Rücken machen, des Barden Wort für Sex. Die DDR war für Biermann in jungen Jahren nichts anderes als die "Deutsche Demokratische Rumkriegerei", er selbst: ein "Weiber-Leiber-Zeitvertreiber", ein "chaud-lapin", ein heißer Rammler, der keinen "rüden Ritt" scheute. Ist es sabbernde erotische Renommierlust, die Biermann hier reitet, wenn er von seinen "Raubtiernummern" z.B. mit der "beißwütigen Barbara" auf der Rückbank seines VW Käfer berichtet? Oder von seinen erfolgreichen Bemühungen, andere Frauen "ins Lotterbett zu zotteln", sie wie "Pfirsiche" zu "pflücken"?

"Ach wissen Sie, das ist Nachäfferei, wenn Sie es genau wissen wollen. Ich wollte doch wie Brecht werden. Ich schrieb meine Gedichte und Lieder natürlich in Anlehnung an den Meister aller Meister in diesem Jahrhundert - Bertolt Brecht - und diese ganzen Leute. Auch der Lion Feuchtwanger. Ich kenne tausend Geschichten darüber natürlich. Das waren Leute, die ja fast krankhaft den Ehrgeiz hatten, die ganze Menschheit flachzulegen. Ich brauchte mein halbes Leben immerhin, bis es mir 1983 - mit Hölderlins Worten - in der Hälfte meines Lebens dämmerte, dass ich die Unendlichkeit der Möglichkeiten in dem, was Brecht das 'Spiel der Geschlechter' nennt, finden muss in einem einzigen Menschenexemplar, in einer Frau. Ich merkte, dass ich das brauche, damit ich mich im Streit der Welt, also im politischen Streit überhaupt, behaupten kann. Damit ich nicht schlapp mache und nicht feige werde und nicht kaputt gehe. Und da begriff ich immer deutlicher, dass die Liebe, der Sex - das Privateste vom Privaten, was keinen Menschen etwas angeht - zugleich etwas unglaublich Politisches ist. In dem Sinne, dass ich ja fast komisch dazu verurteilt bin, in der Liebe glücklich zu sein mit einem Menschen, damit ich im Streit mit der Menschheit als Ganzes - in der Politik - bestehen kann."

Zitat Wolf Biermann

So mitreißend wie im Gespräch ist der Erzähler Wolf Biermann auch in seinen neuen Geschichten. In denen geht es auch um alte Freunde wie den Schauspieler Manfred Krug, um Biermanns Hadern mit denen, die, anders als er, am "kommunistischen Kinderglauben" festhielten – für ihn "linksalternaive Westmenschen". Oft erzählt Biermann von den Entstehungsgeschichten seiner Balladen und Pasquille. Man liest das gern und mit Gewinn: Wolf Biermanns Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten erscheinen unter dem Titel "Barbara" für 20 Euro bei Ullstein.      


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