B5 aktuell - Programm


0

Neues vom Buchmarkt "August" von Peter Richter

Mit seinem 2015 erschienenen Roman "89/90" schaffte es der in Dresden geborene Autor Peter Richter, der lange als Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in New York gelebt hat, auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis. Jetzt ist im Hanser Verlag sein neuer Roman erschienen, "August". Sabine Zaplin stellt das Buch vor.

Von: Sabine Zaplin

Stand: 01.06.2021

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Die Aufgabe von Literatur ist es, unter anderem, darauf hinzuweisen, dass es auch anders hätte kommen können …"

Zitat Peter Richter

Das sagte der Schriftsteller vor sechs Jahren in einem Gespräch mit Denis Scheck über seinen damals erschienenen Roman "89/90". Darin ging es um eine Gruppe Jugendlicher im Dresdner Sommer kurz vor der deutschen Wiedervereinigung und darum, wie alles anders hätte werden können und wie anders es dann tatsächlich wurde. Jetzt ist, bei Hanser, der neue Roman von Peter Richter herausgekommen. "August", heißt er - und auch hier spielt der Autor virtuos mit Parallelen, anders verlaufenden Wegen und der These, dass kein Handeln auf dieser Welt wirklich je alternativlos sein muss.

Stefanie und Richard

Die Geschichte handelt von zwei Paaren, die sich seit ihren wilden jungen Jahren im Berlin der Nach-Wendezeit kennen und die inzwischen mit ihren noch kleinen Kindern in New York leben. Da ist Richard, der früher in Berlin mit wasserstoffgefärbten Haaren nichts ausgelassen hat und jetzt in Amerika sein Geld mit Immobilien verdient. Er ist verheiratet mit Stefanie, seiner großen Liebe, die sich von der angehenden Schauspielerin zunächst in eine immer gesundheitsbewusster werdende Bioladen-Kundin verwandelt hat und von dort in ein Wesen, das im Restaurant bei der Bestellung nicht nur die Herkunft der verwendeten Lebensmittel hinterfragt, sondern auch die Art der Zubereitung.

"Sommern" in den Hamptons

Richard und Stefanie haben ein Sommerhaus auf Long Island, in den Hamptons. Und um der alten Freundschaft willen hat Richard seinem alten Kumpel Alec und dessen Frau Vera den Vorschlag gemacht, gemeinsam den August dort zu verbringen und in den Hamptons "zu sommern", wie Vera es nennt.

Vera und Alec

Vera ist Ärztin, stammt aus dem sächsischen Hinterland, hat schon Berlin als ein Versprechen von Freiheit betrachtet und ihren dort eroberten amerikanischen Freund Alec als den Weg dorthin. Nun ist sie es, die in New York das Familieneinkommen verdient, während Alec sich Schriftsteller nennt, aber schon sehr lange an den Vorbereitungen für ein Buch arbeitet, dessen Anfang nun - im August auf Long Island - entstehen soll.

Kleine Irritationen

Das gemeinsame "Sommern" beginnt zunächst wie ein langes Ausatmen, langsames Ankommen, viel Zeit am Pool und am Strand, Lobster Rolls und Jazz. Doch schon in dieses Akklimatisieren mischen sich kleine Irritationen: die Alarmanlage, die sich nicht ausschalten lässt; die aufdringliche alte Nachbarin; die erschreckend junge Lobster-Verkäuferin, die Richard gleich als Kindermädchen engagiert; und schließlich Stefanies früherer Yoga-Lehrer, der mit seltsamen Heilversprechen immer näher an die vier Erwachsenen, ihre Kinder und das Kindermädchen heranrückt.

Zerplatzte Hoffnungen

Nach und nach heizt sich die Atmosphäre zwischen den Menschen auf wie die Mittagshitze über dem Pool - bis am Ende die Hoffnungen und Ideale, all das, was mal als verbindlich betrachtet wurde, zerplatzen. Das in den Pool geworfene Handy, das auf dem Grund neben dem schon aufgeblähten Buch landet, erzählt von den alten und neuen Orientierungen, die allesamt in die falsche Richtung geführt haben.

Viele Wege führen zum Glück

Peter Richter erzählt von diesem August mit klugem Humor und scharfem Blick auf gegenwärtige Diskurse wie "cultural appropriation" - wenn beispielsweise alte weiße Männer das Wissen versunkener Naturvölker zu lehren behaupten. Doch zum Glück führen viele Wege - falsch ist nur, einen einzigen als alleinseligmachend zu propagieren. Hier berührt sich Peter Richters neuer Roman, "August", mit der Geschichte von "89/90" und der Frage, wie verlässlich sogenannte Erkenntnisse sind.

"Das was bemerkenswerterweise Frau Merkel ja heute behauptet, es gäbe keine Alternative, dass das nicht stimmt, das weiß sie ja am besten. Es gibt immer Alternativen…"

Zitat Peter Richter

Peter Richters Roman "August" ist bei Hanser Verlag erschienen.


0