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Neues vom Buchmarkt Historische Romane: Bach und Faustus

Neben dem Krimi sind es wohl die historischen Romane, die auf dem Buchmarkt überdurchschnittlich präsent sind. Ob es nun das Interesse der Leser an geschichtlichen Ereignissen und deren gut verständliche Darstellung ist, was dafür sorgt, oder einfach das Bedürfnis nach Geschichten aus einer anderen Zeit, sei dahingestellt. Unter den Schriftstellern gibt es längst Namen, die als Garant für einen Erfolgsroman historischer Färbung gelten; Oliver Pötzsch zählt ebenso zu diesen wie Ralf Günther. Von beiden sind in diesem Herbst neue historische Romane erschienen. Sabine Zaplin stellt beide vor.

Von: Sabine Zaplin

Stand: 05.12.2018

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Als Bach nach Dresden kam" von Ralf Günther

Was interessiert einen Schriftsteller daran, einen historischen Stoff in Romanform zu erzählen? Ist es die eigene Vorliebe für bestimmte Epochen der Geschichte? Liegt es daran, dass im Wort "Geschichte" schon der Reiz der Erzählung begründet liegt? In jedem Fall muss es wohl auch das Vergnügen an der Vorstellung sein, wie die Geschichte wohl verlaufen wäre, hätte es hier und da ein paar kleine andere Weichenstellungen gegeben. Zumindest bei Ralf Günthers Erzählung mit dem Titel "Als Bach nach Dresden kam" muss dies eine kleine Rolle gespielt haben. Günther erzählt darin von einem sogenannten Tastenduell.

"Ein Wettkampf musste her, ein Duell der Giganten, eine öffentliche Konkurrenz der größten lebenden Tastenvirtuosen, um das Feuer nur richtig zu entfachen. Dies war der Plan, den er seinem Herrscher unterbreiten würde. Er wusste schon jetzt um die Begeisterung Augusts, der das Spektakel liebte. Und ein Spektakel, das schwor sich Volumier, würde er ihm bereiten!"

Zitat aus Als Bach nach Dresden kam

Wir befinden uns im Herbst des Jahres 1717. Volumier, Direktor der französischen Hofkapelle Augusts des Starken in Dresden hat Grund zu der Annahme, dass sein Thron wackelt. August schickt ihn, den skandalumwitterten Musiker Louis Marchand nach Dresden zu holen. Um seine Vertreibung zu verhindern, plant Volumier, den bereits jetzt schon prominenten Johann Sebastian Bach zu einem Orgelduell gegen Marchand einzuladen. Die beiden Stars würden einander im Wettstreit aufreiben und übrig bliebe dann er, Volumier - das Mittelmaß. Es gelingt ihm, seinen Herrscher für die Idee des Tastenduells zu begeistern.

"Volumier atmete auf, als er durch das Georgentor vor das Schloss trat. Die mächtige Augustusbrücke, eine der schönsten aller Zeiten, spannte vor ihm eine breite steinerne Passage hinüber auf die andere Seite der Elbe. Wie auf einer Bühne schritt man über den Fluss - vor sensationeller Kulisse."

Zitat aus Als Bach nach Dresden kam

Die Stadt Dresden spielt eine mindestens ebenbürtige Rolle in dieser Geschichte um den Wettstreit zwischen Bach und Marchand, der so tatsächlich gar nicht stattgefunden hat. Doch Ralf Günther erzählt - wie schon in seiner zuletzt erschienenen Novelle "Die Badende von Moritzburg" - sehr farbig und mit einem gesunden Respekt vor den tatsächlichen historischen Umständen, so dass man seiner Phantasie vom Orgelkrieg der großen Musiker nur allzu bereitwillig folgen mag. Eine Geschichte für Musikliebhaber, für Bach-Fans und für alle, die auch beim Lesen gerne einmal zurückblicken. "Als Bach nach Dresden kam" von Ralf Günther ist bei Kindler erschienen.

"Der Spielmann" von Oliver Pötzsch

Während Günthers Erzählung in einem schmalen Bändchen Platz findet, greift Oliver Pötzsch in die Vollen und gönnt sich wie seinen Lesern fast 800 Seiten, um die Geschichte des Johann Georg Faustus auszubreiten. Im Stil eines Abenteuer- und Vagabundenromans erzählt er seine ganz eigene Version der historischen Faust-Geschichte: ein Gauklermärchen, eine Erzählung von Magiern, Spielleuten und fahrenden Künstlern, angesiedelt an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Oliver Pötzsch ist mit seiner Serie um die "Henkerstochter" ein lang anhaltender Bestseller-Erfolg gelungen. Der neue Roman mit dem Titel "Der Spielmann", erschienen bei List, steht den Henkerstochter-Geschichten an Spannung in nichts nach. Darüberhinaus gelingt es Pötzsch, mit sehr viel Liebe zu kleinsten Details ein großformatiges Panorama vom Alltag jener Zeit zu schildern - zumindest so, wie er sich diesen nach ausgiebiger Recherche vorstellen kann. "Der Spielmann" von Oliver Pötzsch, die Geschichte des Johann Georg Faustus, bietet Lesefutter genug für lange Winterabende.


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