B5 aktuell - Programm


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Ausstellungstipps "Ernst Ludwig Kirchner - LebensSTATIONEN" und mehr

Hendrik Heinze stellt Ihnen drei aktuelle Ausstellungen vor, darunter "Ernst Ludwig Kirchner - LebensSTATIONEN" in Aschaffenburg. Die Ausstellungstipps - montags um 13.25 Uhr und um 19.25 Uhr als Wiederholung auf B5 aktuell.

Von: Hendrik Heinze

Stand: 12.10.2020

Illustration: Ausstellungstipps | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Hund und Katz - Wolf und Spatz: Tiere in der Rechtsgeschichte" in Rothenburg ob der Tauber

Europas bedeutendstes Rechtskundemuseum, so bezeichnet es sich selbst – und wo liegt es? Genau, im kleinen Rothenburg ob der Tauber. Und wem gerade mal entfallen war, was für ein reicher Kulturstaat dieses Bayern doch ist, der weiß das jetzt wieder. Besagtes Kriminalmuseum Rothenburg zeigt gerade eine Ausstellung zu Tieren in der Rechtsgeschichte. Gehängte Hunde, exkommunizierte Delfine, verurteilte Schweine: Das hat es alles gegeben, sagt Museumsdirektor Markus Hirte – und berichtet dann von einer besonders grausamen, schon von den Römern und bis in die frühe Neuzeit angewandten Todesstrafe: Das Säcken.

"Eine Strafe für Elternmörder, später auch für Kindsmörderinnen. Da wurden sie in einen großen Jutesack gepackt. Samt einem großen Hund, einem Äffchen, einer Schlange und einem Hahn, wie wir es in dieser Vitrine sehen. Alle fünf wurden eingenäht und dann wurden sie lebendig ertränkt. Sie können sich vorstellen, was da nach ein paar Sekunden passiert, wenn fünf Lebewesen um Luft ringen. Dass wir heute diese grauenvollen Leibes- und Lebensstrafen in einem Museum ausstellen und sie nicht in Anwendung haben, liegt unter anderem auch daran, dass wir sehr gute Aufklärungsquoten haben bei der Verbrechensaufklärung. Dass man Verbrechen nicht mehr nur durch Abschreckung zurückdrängen kann und muss, das ist ein großes Verdienst der Entwicklung der letzten Jahrhunderte."

Zitat Markus Hirte, Museumdirektor

Warum unsere Vorfahren genau diese Tiere mit in den Sack steckten, das weiß niemand, auch die Ausstellung nicht. Die weiß dafür aber vieles, vieles andere.

"Hund und Katz - Wolf und Spatz: Tiere in der Rechtsgeschichte" - noch bis Ende 2021 im mittelalterlichen Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber

"Ernst Ludwig Kirchner - LebensSTATIONEN" in Aschaffenburg

Mit unserem zweiten und dritten Tipp bleiben wir in Franken – nach Rothenburg jetzt Aschaffenburg. Der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner kam von hier und in seinem Geburtshaus, das damals direkt am bayerisch-preußischen Grenzbahnhof lag, lässt sich über den berühmten Maler viel erfahren, das meiste sogar von ihm selbst.

"Das erste, was ich im Leben sah, waren die fahrenden Lokomotiven und Züge, sie zeichnete ich, als ich drei Jahre alt war. Vielleicht kommt es daher, dass mich besonders die Beobachtung der Bewegung zum Schaffen anregt. Aus ihr kommt mir das gesteigerte Lebensgefühl, das der Ursprung des künstlerischen Werkes ist."

Zitat Ernst Ludwig Kirchner

Das einstige Geburts- ist nun ein von einem Verein betriebenes Ausstellungshaus, in dem zehn Hörstationen mehr verraten über Kirchners "Lebensstationen", so heißt diese Ausstellung dann auch. Kirchner lebte in Aschaffenburg, Dresden, Berlin, Fehmarn, Davos. Welchen Einfluss jeder dieser Orte auf seinen künstlerischen Werdegang hatte, das lässt sich in der schönen Aschaffenburger Ausstellung jetzt mit viel Gewinn erfahren.

"Ernst Ludwig Kirchner – LebensSTATIONEN" - bis 20. Dezember 2020 im KirchnerHAUS in Aschaffenburg

"German Urban Pop Art - Thomas Baumgärtel" in Schweinfurt

Kirchner war 1925 noch enttäuscht, dass ihm niemand eine Professur anbieten wollte. Inzwischen könnte er wahrscheinlich die ganze Kunsthochschule haben. Wie berühmt einer wirklich geworden ist, das zeigt sich eben oft erst 100 Jahre später. Thomas Baumgärtel ist ein Künstler, der seinen Narren an der Banane gefressen hat und die Dinger seither an Häuserwände sprüht oder in seinen Bildern unterbringt.

"Mit der Banane kämpfe ich für die Freiheit der Kunst. Mit der Banane bin ich um die ganze Welt gezogen und habe mir bestimmt über 10.000 Orte angesehen und dort eine Banane gesprüht, wo der Ort mir gefallen hat."

Zitat Thomas Baumgärtel

Seine Doppelseite in den Annalen der Kunst hat sich Thomas Baumgärtel damit vielleicht schon reserviert, wer will das jetzt schon wissen. Die Kunsthalle Schweinfurt jedenfalls sieht in dem 60-jährigen Kölner einen interessanten Street-Art-Künstler.

"German Urban Pop Art - Thomas Baumgärtel" - bis 8. November 2020 in der Kunsthalle Schweinfurt


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