B5 aktuell - Programm


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Ausstellungstipps Sieben Kisten mit jüdischem Material

Hendrik Heinze stellt Ihnen drei Ausstellungen vor, darunter "Mensch.Land.Flucht" im Alpin-Museum Kempten. Die Ausstellungstipps - montags um 13.25 Uhr und um 20.25 Uhr als Wiederholung auf B5 aktuell.

Von: Hendrik Heinze

Stand: 11.02.2019

Illustration: Ausstellungstipps | Bild: colourbox.com; Montage: BR

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 stürmen SA- und SS-Männer die "Kleine Synagoge" in Würzburg. Sie reißen die Lampen von den Wänden und hacken mit der Axt auf den heiligen Tora-Schrein ein. In diesem November brennen Nazi-Trupps rund 1.400 Synagogen nieder. Und wo sie nicht zerstören, da plündern sie, nehmen sich Tora-Rollen, Rabbinergewänder und Chanukka-Leuchter – sehr zur Freude deutscher Museumsdirektoren. Museen in Aschaffenburg, Mainz, Würzburg, Wien profitieren in dieser Zeit von geraubtem jüdischem Kulturgut.

Im Jahr 2016 schließlich entdeckt das Museum für Franken in Würzburg sieben Kisten in seinem Depot – darin: Ritualgegenstände aus Synagogen in Unterfranken. Etwa ein Drittel davon, das ergeben die Nachforschungen, stammt aus den Raubzügen der Pogromnacht. Im Jüdischen Museum München sind diese Objekte nun zu sehen und ihre Geschichten zu erfahren, sagt Direktor Bernhard Purin. Wer etwa seiner Gemeinde die Weinbecher aus Messing gestiftet hatte, wozu sie dienten, wo sie geraubt wurden.

"Das Besondere für mich ist, dass in einem bayerischen Museum eine so große Zahl jüdischer Ritualgegenstände auftaucht, die vergessen worden sind. Und was für mich aber auch wichtig ist, dass diese Sammlung von etwa 140 Objekten auch ein ganz wichtiges Zeugnis darstellt, wie jüdisches religiöses Leben bis 1938 funktioniert hat in den Synagogen, in diesem Fall Unterfrankens."

Zitat Bernhard Purin

„Sieben Kisten mit jüdischem Material“ – bis zum 1. Mai im Jüdischen Museum München. Ab dem 4. Juni dann im Museum für Franken in Würzburg.

Dort, in Würzburg, kam 1890 eine Frau zur Welt, die zu einer der bedeutendsten Bildhauerinnen des deutschen Expressionismus werden sollte. Emy Roeder, Tochter eines Kaufmanns und schon früh an der Kunst interessiert.

Emy Roeder setzt sich durch, darf zu den Bildhauern und geht ihren Weg. Arbeitet in Berlin und Paris, Florenz und Rom, kennt Schmidt-Rottluff, Heckel und Purrmann. Roeders Thema ist die Suche nach dem Wesen von Mensch und Tier. Ihre Lieblingsmotive sind Frauengestalten, von denen nun im Kulturspeicher Würzburg einige zu sehen sind. Die Ausstellung heißt "Emy Roeder – das Kosmische allen Seins" – ein Titel, den Kuratorin Henrike Holsing erklärt.

"Emy Roeder. Das Kosmische allen Seins" – bis 10. März im Kulturspeicher Würzburg.

Roeder verbrachte die NS-Zeit übrigens im Exil – eine Geflohene.

Von Geflüchteten und anderen Zugezogenen erzählt auch eine Ausstellung im Alpin-Museum Kempten. "Mensch.Land.Flucht" heißt es dort noch bis zum 19. Mai. Nicht jeder, der sich in Kempten zu Hause fühlt, ist auch in Kempten geboren, sagen sich die Ausstellungsmacher aus dem Allgäu, der in Altusried lebende Niederländer Kees van Surksum und Veronika Dünßer-Yagci aus Oberstdorf. In Fotos und Filminterviews zeigen die beiden, wer alles in Kempten lebt.

"Mensch.Land.Flucht“ – bis 19. Mai im Alpin-Museum Kempten.


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