B5 aktuell - Programm


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Ausstellungstipps "Kunst und Liebe im Aufbruch" in Lindau und mehr

Julie Metzdorf stellt Ihnen drei aktuelle Ausstellungen vor, darunter "Paula & Otto – Kunst und Liebe im Aufbruch" in Lindau. Die Ausstellungstipps - montags um 13.25 Uhr und um 19.25 Uhr als Wiederholung auf B5 aktuell.

Von: Julie Metzdorf

Stand: 27.07.2020 09:27 Uhr

Illustration: Ausstellungstipps | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Paula & Otto – Kunst und Liebe im Aufbruch" im Kunstmuseum Lindau

Es gibt nicht viele Künstlerpaare, bei denen IHR Name bekannter ist als seiner: Paula Modersohn-Becker aber gehört zu den Pionierinnen der modernen Malerei in Deutschland. Auch ihr Mann Otto war Maler, am Anfang ihrer Beziehung war er der deutlich Bekanntere, doch seine junge Frau Paula übertrumpfte ihn bald. Ihr Mann hatte ihr Talent erkannt und förderte sie in einer Zeit, in der Frauen das Studium an einer Kunstakademie noch verwehrt wurde. Doch nach wenigen Jahren Ehe starb sie mit nur 31 Jahren. Die Stadt Lindau zeigt nun 50 Werke des Malerpaares:

"Paula & Otto – Kunst und Liebe im Aufbruch". Bis 27. September im Kunstmuseum am Inselbahnhof Lindau.

K.H. Hödicke. Eine Retrospektive in der Pinakothek der Moderne in München

"Schöneberger Himmel" heißt eines der Bilder von K.H. Hödicke in der aktuellen Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München: Es zeigt eine fast weiße, etwa rechteckige Fläche. Erst bei genauem Hinschauen fällt auf, dass die schmalen dunklen Ränder des Gemäldes Hausfassaden darstellen, das helle Rechteck in der Mitte ist nichts anderes als der Blick in den Himmel aus einem Hof heraus. Das Bild tanzt gewissermaßen auf zwei Hochzeiten gleichzeitig: Es kombiniert Abstraktion mit der Darstellung eines konkreten Ortes. Und das in den 70ern, einer Zeit, in der gegenständliche Malerei total out war und stattdessen Informel und abstrakter Expressionismus den Ton angaben, sagt der Leiter der Staatlichen Graphischen Sammlung Michael Hering:

"Und das wollten die jungen Maler nicht, die kamen gerade aus dem deutschen Faschismus raus, wo das gesamte Leben oder die gesamte Fantasie reglementiert worden war. Dann gehen sie an die Akademie, und dann gibt es die Weltsprache gegenstandslose Malerei, und das soll die Freiheit sein, die aus Amerika kommt gegenüber dem sozialistischen Realismus, und dagegen rebellieren die, die haben gesagt, wir wollen diese Form der Doktrin nicht."

Zitat von Michael Hering

Andere Arbeiten Hödickes zeigen Schlangenbeschwörerinnen und Blumenvasen, Schneemänner und Schornsteinfeger, eine Pappel, einen weiblichen Akt in Rosa und Grau, oder ihn selbst mit dem neugeborenen Sohn auf dem Arm. Malerei als tiefe emotionale Geste.

"K.H. Hödicke. Eine Retrospektive". Bis 13. September in der Pinakothek der Moderne in München.

"Tüte um Tüte" im Historischen Museum in Bamberg

Die Plastiktüte - leicht, stabil und bunt bedruckt - galt sie lange als ebenso praktisch wie werbewirksam und wurde so schnell DAS Symbol unserer Konsumgesellschaft. Doch leider ist die Plastiktüte nun mal aus Plastik und das Attribut "unverwüstlich" gilt auch noch, wenn sie längst nicht mehr benutzt wird und in kleine Teile zerfetzt im Meer herumschwimmt. Deshalb versucht die Politik, den Plastiktütenverbrauch nun einzudämmen. Und was macht die Tüte? Wandert von der Fußgängerzone ins Museum: Das Historische Museum in Bamberg zeigt in seiner aktuellen Ausstellung 200 der schönsten Exemplare, von der berühmten Aldi-Tüte bis zur extra langen Sonderanfertigung für Stiefel.

"Tüte um Tüte." Bis 25. Oktober im Historischen Museum Bamberg.


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