B5 aktuell - Programm


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Ausstellungstipps Mut zur Nähe

Joana Ortmann stellt Ihnen drei Ausstellungen vor, darunter "Radikal analog" im Medizinhistorischen Museum Ingolstadt. Die Ausstellungstipps - montags um 13.25 Uhr und um 20.25 Uhr als Wiederholung auf B5 aktuell.

Von: Joana Ortmann

Stand: 22.10.2018

Illustration: Ausstellungstipps | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Herbert Achternbusch - Das Gespenst" im Kunstbunker Nürnberg

Herbert Achternbusch hat seit den 1960ern ein überbordendes, anarchisches, fast schon wüstes Werk geschaffen - Als Filmemacher, Schriftsteller, Dramatiker und bildender Künstler: Herbert Achternbusch. Material für eine Ausstellung müsste also eigentlich vorhanden sein, dachte sich die Nürnberger Künstlerin Eva Raschpichler. Aber die Zusammenstellung gestaltete sich schwierig. Aus der öffentlichen Wahrnehmung ist Achternbusch so gut wie verschwunden. Seine oft umstrittenen Filme – einst ein regelrechtes Politikum – sind schwer zugänglich, seine Stücke werden selten gespielt, der Maler wird nicht oft gezeigt. Und so nannte Eva Raschpichler ihre Ausstellung im Kunstbunker Nürnberg "Das Gespenst" und hat einige Überraschungen zutage befördert, z.B. Stoffbilder, die Achternbusch in den 1980er Jahren im Kaufhaus Beck in München verkaufte:

"Da hat er diese Stoffdrucke präsentiert in den Räumen, wo jetzt die Dirndl-Abteilung ist, und da war wirklich alles leergefegt und überall war Achternbusch. Diese Stoffbahnen konnte man meterweise kaufen. Er hat übrigens auch Bilder dort verkauft. Mich haben Leute angerufen und erzählt, sie hätten dort persönlich von ihm ein Bild verkauft bekommen."

Zitat von Kuratorin Eva Raschpichler

Diese und weitere Entdeckungen von Eva Raschpichler zum "Gespenst Herbert Achternbusch" kann man bis 2. Dezember im Kunstbunker Nürnberg bewundern.

"Von Angesicht zu Angesicht": Lotte Laserstein im Städel Museum Frankfurt

Gibt's das noch, Entdeckungen in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts? Kaum zu glauben, aber wahr. Das Frankfurter Städel-Museum präsentiert derzeit Gemälde und Zeichnungen von Lotte Laserstein, die während der Weimarer Republik sensible und eindringliche Porträts malte und sich damit abhob von der damals vorherrschenden Spottlust und dem Sarkasmus der sogenannten Neuen Sachlichkeit.

"Ich glaube, das Spannende an Lotte Laserstein ist, dass uns allen auch ein bisschen bewusst wird, was für einen blinden Fleck wir haben in der Betrachtung der Kunstgeschichte. Dass die Kulturlandschaft damals wesentlich facettenreicher war. Laserstein läuft immer abseits der kanonisierten Pfade, sie passt nicht so richtig in die Neue Sachlichkeit, sie passt sowieso schon nicht in die Abstraktion, sie zeigt auch nicht die amüsierfreudige Partylandschaft der Goldenen Zwanziger Jahre."

Zitat von Kuratorin Elena Schroll

Dafür schafft sie Nähe, lässt den Betrachter immer ganz dicht an die von ihr porträtierten Menschen, meist Frauen, ran. Das ist das Spannende an dieser Wiederentdeckung im Städel-Museum Frankfurt: Die Malerin Lotte Laserstein - bis 17. März 2019.

"Radikal analog" im Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt

Noch nie gab es so viele Bilder wie heute - und wahrscheinlich noch nie haben wir uns so wenig Zeit dafür genommen, sie anzuschauen. Dazu ein Gegenangebot des Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt: Eine Ausstellung mit dem Titel "Radikal analog". Eine Einladung zum ganz genauen Hinsehen, sozusagen Auge in Auge mit dem Original. 130 Bilder aus fünf Jahrhunderten. Damit werden erstmals alle Ölgemälde und Aquarelle des Museums gezeigt, das - nach eigenen Angaben - eine der größten medizinhistorischen Sammlungen hierzulande besitzt. Unter den Motiven der nun präsentierten Werke sind z.B. Porträts von Ärzten und ihren Patienten, Studien von Krankheitsbildern und anatomische Stillleben.

Medizingeschichte und Kunst in einer Ausstellung im Medizinhistorischen Museum Ingolstadt - bis Herbst nächsten Jahres.


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