B5 aktuell - Programm


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Ausstellungstipps Kunst aus Herz und Hirn

Joana Ortmann stellt Ihnen drei Ausstellungen vor, darunter "Warum ist das Atom so groß" in München. Die Ausstellungstipps - montags um 13.25 Uhr und um 19.25 Uhr als Wiederholung auf B5 aktuell.

Von: Joana Ortmann

Stand: 03.06.2019

Illustration: Ausstellungstipps | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Das genaue Hinschauen": Miriam Cahn im Kunsthaus Bregenz

Als Kind wollte sie Picasso werden, also wurde die Schweizerin Miriam Cahn Künstlerin – heute ist sie eine der wichtigsten ihrer Generation. Angefangen hat sie mit Kreidezeichnungen in schwarz-weiß, dann machte sie sich in den 1980ern vor allem als Malerin und Performerin einen Namen. Als Frau tat sie sich im internationalen Macho-Kunst-Zirkus nicht immer leicht, doch sie ließ sich nicht abhalten. Ihre Spezialität: "Das genaue Hinschauen", so heißt auch ihre aktuelle Ausstellung in Bregenz, die mit Kohle, Öl und Pastell den Blick auf die Geschlechter- und Machtverhältnisse lenkt.

"Eine Kampfansage! Ganz direkt, dass die Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind. Es ist die Hälfte der Bevölkerung. Da rege ich mich mit 70 natürlich wahnsinnig auf."

Zitat Künstlerin Miriam Cahn

Kunst, die aus einem kämpferisch-feministischen Ansatz kommt, aber existenzielle Fragen verhandelt. In Cahns glühenden Ölbildern ballt sich alles, was Menschen miteinander tun und was sie einander antun. Es sind Momentaufnahmen zu den Themen Gewalt, Liebe, Schönheit, Zerbrechlichkeit der Natur. Wie konkret politisch oder wie allgemeingültig man diese Bilder interpretiert, liegt im Blick des Betrachters. Miriam Cahn bis 30. Juni im Kunsthaus Bregenz.

"fray": Sebastian Kuhn im Museum Lothar Fischer in Neumarkt

Dass Museumsbesucher ihren eigenen Weg durch seine Arbeiten finden, möchte auch der schwäbische Installationskünstler Sebastian Kuhn auch, nur ist das bei ihm wortwörtlich gemeint. Seine raumfüllenden Skulpturen sind rätselhaft, oft verleihen schon die Titel der Fantasie Flügel, z.B. wenn da steht: "Tumbling Down the Rabbit Hole". Das Kaninchen-Loch hinunter taumeln. Das hört sich nach einem psychedelischen Trip an oder nach der berühmten Geschichte von Lewis Carroll, in der Alice in eine Kaninchenhöhle fällt und ins Wunderland gerät. Kuhn überspringt mit seiner Skulptur die Höhle, man findet sich sogleich in einem höchst verwirrenden Labyrinth aus Türen wieder, von denen aus sich immer neue Perspektiven zeigen. Seine aktuelle Ausstellung in Neumarkt in der Oberpfalz heißt "fray", Kampf oder Schlägerei. Manche seiner Objekte aus Stahlrohr, Holzplatten, Acrylglas, Spiegeln, Kabeln und Neonröhren wirken so, als hätten sie durchaus eine solche hinter sich. Dabei ist Kuhn einfach nur einer, der die Grenzen der Plastik erkunden, dabei bestimmten Fragen nachgehen und Spaß haben will. Der Besucher im Museum Lothar Fischer garantiert auch - bis 16. Juni in Neumarkt.

"Warum ist das Atom so groß": Lothringer 13 in München

Und zuletzt gut 75 Jahre zurück: 2. Dezember 1942. Ein markantes Datum. Der Beginn des Atomzeitalters. Enrico Fermi, der Mann, der die Atome spaltete, schaltete unseren Planeten nukleartechnisch an. Seitdem generieren die nur schwer vorstellbaren, winzigen Atome eine Flut an Bildern und Geschichten. Sie stehen für Kräfte, die nicht kontrollierbar sind, befeuern die menschliche Hybris und bestimmen die politische Debatte. "Propaganda, Totschweigen und die 'Größte Anzunehmende Unsicherheit', bestimmen den Umgang mit der Atom-Technik" – sagt der Münchner Kurator Daniel Bürkner.

"Das hatte schon immer was Geisterhaftes, was Mysteriöses, dass wir die Kerntechnologie an sich nicht verstehen, aber die Faszination, dass im Atom unendliche Energie schlummert, hat auch was Mythologisches."

Zitat Kurator Daniel Bürkner.

Eine künstlerische Annäherung an das Atomzeitalter - bis zum 9. Juni in der Lothringer 13 in München.


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