B5 aktuell - Programm


0

Ausstellungstipps "Erinnerungsort Badehaus" und mehr

Joana Ortmann stellt Ihnen drei Ausstellungen vor, darunter "Erinnerungsort Badehaus" in Wolfratshausen. Die Ausstellungstipps - montags um 13.25 Uhr und um 19.25 Uhr als Wiederholung auf B5 aktuell.

Von: Joana Ortmann

Stand: 02.12.2019

Illustration: Ausstellungstipps | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Erinnerungsort Badehaus" in Wolfratshausen

Föhrenwald war eine Arbeitersiedlung in der NS-Zeit, im Wolfratshauser Stadtteil Waldram. Viel steht davon nicht mehr, aber ein markantes Gebäude ist heute ein Erinnerungsort: Das Badehaus. Ein Ort der Überlagerungen: Unterkunft für deutsche Kriegsdienst-Verpflichtete, die in der Geretsrieder Munitionsfabrik schufteten, und für ausländische Zwangsarbeiter. Nach dem Krieg: Sammellager für jüdische Displaced Persons. Dann Siedlung für katholische Heimatvertriebene - und seit einem Jahr eben Erinnerungsort, dank einer Initiative Freiwilliger. Nun haben Osteuropa-Studierende aus München und Regensburg dem Badehaus eine weitere Dimension gegeben: Audioguides, selbst entwickelt.

"Es gibt sehr viel Zeitzeuginnen-Interviews aus verschiedenen Zeiten, die wir auch teilweise in die Audioguides aufgenommen haben, und da kann man sich dann je nach dem, was einem interessiert, bestimmte Aspekte auswählen und vertiefen."

Lena Ecknigk

Die Audioguides ergänzen die dortige Dauerausstellung bestens und machen den Rundgang im "Erinnerungsort Badehaus" im Wolfratshauser Stadtteil Waldram doppelt sehens- und hörenswert.

"Gegen den Strich: Chicago Calling" im Kunsthaus Kaufbeuren

Das Kunsthaus Kaufbeuren zeigt schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit sogenannte Outsider-Art, Außenseiter Kunst, diesmal aus den USA. Outsider-Art ist ein Sammelbegriff für Kunst jenseits etablierter Schulen und Strömungen. Kunst von Laien, Kindern, Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung. Es gibt berühmte Beispiele, die es in die großen Museen der Welt geschafft haben - und all jene Arbeiten, die erst noch entdeckt werden müssen, wie in Kaufbeuren. Wichtige Merkmale der Outsider-Künstler: Sie arbeiten meist nicht daraufhin, ihre Werke auch auszustellen. Sie schöpfen aus sich selbst heraus und für sich. Sie schaffen keine Bezüge der Kunstgeschichte oder zu anderen Künstlern. Ihre Bilder, Skulpturen, Installationen sind ihre Überlebensstrategie, ihr Widerstand gegen gängige Ideale, gegen ihre Ausgrenzung aus der Gesellschaft - und ermöglichen so mal einen anderen Blick in die Welt.

"Gegen den Strich: Chicago Calling - Amerikanische Außenseiterkunst", zu sehen im Kunsthaus Kaufbeuren bis zum 26. Januar.

Lee Krasner in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt

Ein erfrischender Perspektiven-Wechsel auch in Frankfurt: Rückblickend betrachtet scheint der amerikanische "Abstrakte Expressionismus" eine Kunst der Männer gewesen zu sein – mit Ikonen wie Willem de Kooning, Barnett Newman oder Jackson Pollock. Mit Letzterem war eine Künstlerin verheiratet, die derzeit in der Schirn Kunsthalle ihren großen, überfälligen, sehr verdienten Auftritt hat: Lee Krasner. Zwar entwickelte sie nie das eine Markenzeichen wie ihr Ehemann mit den getropften Bildern, den Drip-Paintings, aber die 1984 verstorbene Künstlerin hat viel Überraschendes zu bieten und war weitaus vielseitiger, sagt Kuratorin Ilka Voermann.

"Sie war in den New Yorker Kreisen extrem bekannt, sie war gut vernetzt, war bei den wichtigsten Ausstellungen dabei. Und sie gehört zu denjenigen Künstlern aus dieser Generation, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg abstrakt gearbeitet haben."

Kuratorin Ilka Voermann

In Frankfurt ist das Gesamtwerk der Amerikanerin zu sehen. Selbstporträts, Akte, monumentale, expressive "Farbduschen". Lee Krasner, Schirn Kunsthalle, bis 12. Januar.


0