B5 aktuell - Programm


0

Ausstellungstipps "Die Stadt ohne" und "Der NSU-Komplex"

Hendrik Heinze stellt Ihnen zwei Ausstellungen vor, darunter "Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge" in München. Die Ausstellungstipps - montags um 13.25 Uhr und um 19.25 Uhr als Wiederholung auf B5 aktuell.

Von: Hendrik Heinze

Stand: 04.11.2019

Illustration: Ausstellungstipps | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge" in München

"Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 – das war von mir nicht so bestellt – Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden."

Zitat Horst Seehofer

Ein feixender Horst Seehofer, so wurde das zumindest wahrgenommen. 69 Menschen werden in Ungewissheit und Leid zurückgeschickt, und der Minister macht seine Scherze. Sein Interview zeigt jetzt die Münchner Ausstellung "Die Stadt ohne", Untertitel: "Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge". Die Schau im NS-Dokuzentrum spürt den Mechanismen nach, mit denen Angehörige von Minderheiten diffamiert und ausgegrenzt werden, und dann, wenn die Hemmschwellen weit genug abgesenkt sind, womöglich auch verjagt und ermordet.

Menschenfeindlichkeit in solchem Ausmaß wirft die Schau Seehofer natürlich nicht vor - will an seinem Beispiel aber sichtbar machen, wie das Mitempfinden mit Geflüchteten abgenommen hat. Und das zeige sich ja nicht nur am Innenminister, sagt Kuratorin Barbara Staudinger, sondern zum Beispiel an den Medien, an den sozialen Medien ganz stark. Man kann daran arbeiten, dass Empathie verschwindet. Wenn man nicht mehr über Menschen redet, sondern mit Zahlen arbeitet, mit Flutmetaphern arbeitet – dann wird menschliches Leid auf eine abstrakte Ebene geholt."

Die Münchner Ausstellung zeigt Ausschnitte aus dem Film "die Stadt ohne Juden" von 1924, sie zeigt Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab", und sie präsentiert auch das menschenverachtende Nazi-Brettspiel "Pogromly" der NSU-Terroristen um Beate Zschäpe. "Die Stadt ohne" – noch bis Sonntag im NS-Dokumentationszentrum München.

"Das Labyrinth. Eine Ausstellung zum NSU-Komplex" im KunstKulturQuartier Nürnberg

"Der Präsident des Militärischen Abschirmdienstes, Gramm, bezeichnete den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke als echte Zäsur. Sie zeige, dass es wieder einen Nährboden gebe, auf dem Rechtsextremismus und Antisemitismus wachsen könnten."

So war es zu hören am Dienstag, vor knapp einer Woche also hier auf B5 aktuell. Vielleicht sollte dem Geheimdienstchef jemand von den zehn Mordopfern des NSU erzählen. Die neue Qualität des Rechtsterrorismus, die gab es womöglich schon vor 19 Jahren, als das Neonazi-Trio vom NSU in Nürnberg den Blumenhändler Enver Simsek ermordete. Die erste Tat, der dann noch weitere folgten. Wer sich, Geheimdienstmitarbeiter oder nicht, noch einmal mit dieser Ungeheuerlichkeit NSU beschäftigen will, kann das in Nürnberg tun, in der Ausstellung "Das Labyrinth". "Juristisch mag ja ein Urteil gesprochen worden sein", sagt Kurator Matthias Dachwald, "aber ein großes Unbehagen bleibt trotzdem. Es gibt einfach viel zu viel Fragen, die im gesamten NSU-Komplex offen geblieben sind."

Die Ausstellung versucht, die Geschehnisse erneut zu beleuchten. Mit Arbeiten der Malerin Katharina Kohl, die Zeugen porträtierte, um ihnen so näherzukommen. und mit einer Tatortrekonstruktion der Gruppe „Forensic Architecture“ zum neunten NSU-Mord in einem Internetcafé Kassel. Kunst im Dienst der Aufklärung.

"Das ist eine Videoinstallation von etwa 20 Minuten, wo wirklich präzise aufgearbeitet wird, was Minute für Minute in diesem Internetcafé möglicherweise geschehen ist", sagt Dachwald. "Jetzt ist 'Forensic Architecture' nicht jemand, der sagt: "Und so genau war es", sondern: Die Fakten führen dahin!"

"Das Labyrinth. Eine Ausstellung zum NSU-Komplex" - Zu sehen bis zum 17.11. im Kunsthaus im Nürnberger KunstKulturquartier.


0