B5 aktuell - Programm


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Ausstellungstipps Achtung, Turbulenzen!

Joana Ortmann stellt Ihnen drei Ausstellungen vor, darunter "Mona Hatoum" in München. Die Ausstellungstipps - montags um 13.25 Uhr und um 19.25 Uhr als Wiederholung auf B5 aktuell.

Von: Joana Ortmann

Stand: 12.08.2019

Illustration: Ausstellungstipps | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Turbulence: Mona Hatoum in der Alexander Tutsek-Stiftung München

Wer die Welt von Mona Hatoum betritt, kann sich auf nichts mehr verlassen. Küchen stehen unter Starkstrom, Betten haben Lattenroste aus scharfem Draht, Kinderschaukeln messerscharfe Kanten. Dabei sind ihre Installation, Skulpturen und Objekte zuerst äußerst anziehend in ihrem perfekten Design. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die wirkliche Dimension. Die berühmte palästinensisch-britische Künstlerin ist derzeit in einer Gruppenausstellung in der Alexander Tutsek-Stiftung in München vertreten und betont beim Rundgang ihren offenen Ansatz:

"Ich will nichts Spezifisches sagen. Ich erschaffe vielmehr eine Umgebung, in der Menschen agieren können, und diese Umgebung wirft hoffentlich ein paar Fragen bei den Leuten auf, über die Sicherheit der Welt zum Beispiel, ob sie sich instabil oder desorientiert fühlen. Einige meiner Arbeiten provozieren solche Gefühle und dann schlussfolgern Sie vielleicht, dass die Arbeit um die Welt geht. Dabei geht es nicht zwingend um politische Situationen. Ich möchte es lieber sehr allgemein halten, so dass die persönlichen Erfahrungen der Leute einfließen können."

Künstlerin Mona Hatoum

Mona Hatoum in der Alexander Tutsek-Stiftung München - zu sehen noch bis Ende August.

Natur und Drama: Josef Wopfner im Georg Schäfer Museum Schweinfurt

Während es bei Mona Hatoum oft um die Gewalt geht, die vom Menschen ausgeht, konzentrierte sich Josef Wopfner auf die Macht der Natur: Er war ein Maler, der das Drama liebte, das sich in Landschaften abspielt. Spektakulär beleuchtete Berge, der aufgewühlte Chiemsee, ein Fischer, der kurz vor dem Gewitter sein Boot in Sicherheit bringt. Idylle und Gefahr. Mit Josef Wopfner hat das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt einen Künstler der Münchner Schule ins Rampenlicht gerückt, der das Schicksal der Unbekanntheit zu Unrecht mit den meisten der Chiemsee-Maler teilt – auch darüber klärt die Sonderausstellung auf.

"Dieses Verdikt, das sich auf die gesamte Münchner Schule der zweiten Hälfte des 19. Jh. erstreckt, gilt es aufzubrechen. Die Moderne hat leider in das Horn geblasen, das diese Maler in die Ecke der Heimat-Tümelei stellt, und so sind es heute noch wenige Kollegen, die es wagen diese Künstler auszustellen."

Museumsdirektor Wolf Eiermann

Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt aber zeigt sie, allen voran den Landschaftsmaler Josef Wopfner, bis 1. September.

Tonnenschwere Menschen: Thomas Schütte im Kunsthaus Bregenz

Wer den deutschen Bildhauer Thomas Schütte für ein Projekt gewinnt, muss wissen: er bekommt ein Überraschungspaket. Als Schütte z.B. 2008 im Auftrag der Sparkasse Oldenburg eine Skulptur anfertigen sollte, modellierte er einen riesigen Mann aus Bronze, eine Wünschelrute in der Hand, die Füße im Schlamm versinkend – zur Erinnerung: es war der Höhepunkt der Bankenkrise. Solche kolossalen Antihelden liebt Schütte, 64 Jahre alt, einer der wichtigsten deutschen Bildhauer der Gegenwart. Für seine große Retrospektive im Kunsthaus Bregenz hat er wieder auf sein Motiv der "Männer im Matsch" zurückgegriffen. 6 Meter groß sind die beiden Exemplare dort, genauso wie der seltsame riesige Bronze-Drache, der da vor dem Eingang sitzt, grün schillernd, mit dampfenden Nüstern.

"Die Kinder haben da viel Spaß dran. Was es ist, weiß ich allerdings nicht. Ich kann nicht sagen, ob es der Hausdrache oder der Wachhund oder die dumme Kuh ist."

Künstler Thomas Schütte

Und auch wenn sich Schüttes Humor vielleicht nicht jedem erschließt, wird es den meisten großen Spaß machen, seinen tonnenschweren Menschen – und Tieren! – einen Besuch abzustatten. Kunsthaus Bregenz - bis 6. Oktober.


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