B5 aktuell - Programm


1

Album-Tipp der Woche "Ode To Joy" und "Up And Rolling"

Bei manchen Bands sind die besten Alben diejenigen, auf denen sie ihr angestammtes Genre verlassen, die eigenen Grenzen überschreiten, musikalisches Neuland erkunden. Andere Bands sind immer dann am besten, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen. Beispiele für Letzteres sind die neuen Alben der beiden US-Bands Wilco und North Mississippi Allstars. Bernhard Jugel stellt sie vor.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 08.10.2019

Illustration: CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Wilco: Ode To Joy

Das neue Wilco-Album klingt über weite Strecken wie Klang gewordenes Understatement. Frontmann Jeff Tweedy singt häufig mit gedämpfter Stimme, Schlagzeuger Glen Kotche spielt ein nach vorn gemischtes, rhythmisch reduziertes Rumpelschlagzeug, Gitarren und Bass pluckern meistens im Hintergrund. Aber gerade durch diese Reduziertheit kommt die Schwermut, die Sehnsucht, der Weltschmerz der Songs erst richtig zur Geltung. Und wenn Wilco dann mal aufdreht, wirkt das doppelt intensiv.

"Ode To Joy" heißt die neue, beim bandeigenen Label dBpm Records erschienene Wilco-Scheibe. Eine "Ode an die Freude" im Sinne Beethovens sind die elf neuen Songs der Band aus Chicago sicher nicht, eher ein ziemlich düsteres Gefühlskaleidoskop mit Themen wie Vergänglichkeit und Tod, oder Liebe als einzigem Hoffnungsschimmer. Vielleicht wird "Ode To Joy" einst als Wilcos Folk-Album in die Bandgeschichte eingehen – ziemlich unspektakulär, aber gerade deswegen groß!

North Mississippi Allstars: Up And Rolling

Genau wie Wilco haben sich auch die North Mississippi Allstars auf ihrem neuen Album in Richtung Tradition orientiert. Allerdings bedeutet das bei ihnen, die Musik ihrer Jugend noch einmal aufleben zu lassen. Auslöser waren einige im Booklet abgebildete Fotos, die die Szene der sogenannten Hill Country Music in den 1990er dokumentieren. Von der verabschieden sich die North Mississippi Allstars auf ihrem Album mit einer gehörigen Portion Funkyness. 

Den Kern der North Mississippi Allstars bilden seit über 20 Jahren die Brüder Cody und Luther Dickinson – der eine spielt Schlagzeug, der andere Gitarre, beide singen. Diesmal außerdem fest bei der Band: Carl Dufresne am Bass und die Sängerinnen Sharde Thomas und Sharisse Norman. Und dann gibt es noch zahlreiche Gäste – mal spielt Duane Allman ein Gitarrensolo, mal tritt Blueser Cedric Burnside vors Mikro oder Soulstar Mavis Staples, die einen Gospelsong ihres Vaters singt.

Southern Rock, Funk und große Portionen Blues und Gospel treffen in der Musik der North Mississippi Allstars aufeinander – Musik, die niemanden stillsitzen lässt. "Up And Rolling" heißt das neue Album, das bei New West Records erschienen ist.


1