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Album-Tipp der Woche "Unschuld und Verwüstung" von Barbara Morgenstern

2018 war ein gutes Jahr für Popmusik, weil Hiphop- und Rockmusik noch Kontroversen ausgelöst haben. Neben den Hassles um den Auftritt von Feine Sahne Fischfilet wurden aber auch außerordentliche, deutschsprachige Alben veröffentlicht. Markus Mayer über die Band Die Nerven und die Berliner Songschreiberin Barbara Morgenstern.

Von: Markus Mayer

Stand: 08.01.2019

Illustration: CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Unschuld und Verwüstung" von Barbara Morgenstern

Sie kommt aus Hagen, dem Tor zum Sauerland, so wie die Humpe-Schwestern Inga und Annette oder auch Nena, die mit den 99 Luftballons. Irgendetwas muss besonders sein an diesem Ort, der derartig viele überdurchschnittliche Pop-Sänger/-innen hervorgebracht hat. Barbara Morgenstern jedenfalls hat sich mit Jazz beschäftigt, was man ihrer Musik anmerkt, sie leitet außerdem ein Chor in Berlin, in der Großstadt, in der sie seit über 25 Jahren lebt. Unschuld & Verwüstung, ihrem neuen Studio-Album hört man die raffinierte Harmonik und die Vielstimmigkeit deutlich an.     

Morgensterns Texte hatten immer L’art pour l’art-Charakter, waren mehr assoziative Klanggebilde als streng gemeinte Sprache. Auf dem neunten Studio-Album geht es um den Erwartungsdruck, der auf Individuen wie Künstlern lastet. Nicht jede ihrer Formulierungen ist ganz geglückt, und trotzdem kann es diese LP mit Nichts Muss aufnehmen, dem zweiten Album von 2003. Ja, es ist, sozusagen, das Antagon zu diesem subtilen Meisterwerk. Beibehalten hat Morgenstern, ihre Klangtexturen auf allen möglichen Tasteninstrumenten zu erfinden, auf Keyboards und Klavieren, Synthesizern und alten Orgeln. Auf Unschuld und Verwüstung jedenfalls verwebt sie all‘ die Tonlinien und Stimmen gekonnt zu schwebenden, wundersam schimmernden Klang-Gespinsten.   

Nach Babypause und Tourneen für das Goethe-Institut kehrt Morgenstern auf ihrem neuen Album zu alter Größe zurück. Erschienen bei Staatsakt/Indigo.

"Fake" von Die Nerven

Und noch ein paar Wahlberliner. Die Band mit dem witzig, doppelbödigen Namen Die Nerven hat in Stuttgart begonnen, seit einigen Jahren aber wohnen der Gitarrist und der Bassist an der Spree, während der Schlagzeuger die Stellung hält in der Hauptstadt von Baden-Württemberg. Ihr viertes Album heißt nach Fluidum, Fun und Out nun Fake.    

Krachiger Indie-Rock und stilsicher inszenierte Balladen mit unpeinlichen Texten. Damit überzeugen die Nerven auch auf dem jüngsten Opus Magnum wieder. Coole Rockmusik mit Hirn – was will man mehr? Erschienen ist "Fake" bei Glitterhouse.  

"Mea Culpa" von Bilderbuch

Bilderbuch behaupten ihre herausragende Stellung zwischen Supermax und Falco, zwischen Funk à la Prince und Afro-Beats auf austriakisch. Gottseidank gibt es diese Jungs, die dem dünnlippigen Protestantismus bundesrepublikanischer Rockbands mit Schmäh und herrlich unseriösem Witz begegnen. Mea Culpa, ihr neuester Hattrick, ist bei Maschin Records/Universal herausgekommen.


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