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Album-Tipp der Woche Thao & The Get Down Stay Down: "Temple"

Thao Nguyen heißt die Songwriterin, um die es in unserem heutigen Albumtipp geht. Ihre Familie kommt aus Vietnam. In den frühen 70er Jahren waren ihre Eltern in die USA nach Virginia gekommen. Thao Nguyen ist stark mit ihrer Familie und deren Traditionen verwurzelt, auch wenn sie in den USA geboren wurde und das Leben einer modernen jungen Amerikanerin lebt. Für ihr neues Album musste sie einen schweren emotionalen Konflikt für sich klären. Sabine Gietzelt über Thao & The Get Down Stay Down und das neue Werk "Temple".

Von: Sabine Gietzelt

Stand: 19.05.2020

Illustration: CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Mit einer rauen Gitarre beginnt das neue Album von Thao und ihrer Band The Get Down Stay Down und es wird ein richtiger Ohrwurm daraus. Der Opener ist zugleich der Titelsong. "Temple" frisst sich geradezu ins Hirn, ist aber bei Weitem nicht das einzige Stück, das mit seinem Groove alle Register zieht.

Produziert hat Songwriterin Thao Nguyen ihre Platte zum ersten Mal selbst, wenn auch mit Unterstützung ihres Bandkollegen Adam Thompson, dem Gitarristen und Keyboarder, der auch Co-Autor von fünf Songs ist. Insgesamt sind es zehn. Sie klingen alle dicht und voll, mit Chorsängerin, Synthesizer, fetten Beats und erhabenen Melodien. 

Gemixt hat das Album der mit einem Grammy veredelte Mikaelin "Blue" Bluespruce, der u.a. schon für Solange, Aloe Blacc und Mariah Carey gearbeitet hat. Und so klingt der Sound auf Thao's neuem Album polierter und sauberer als ihre früheren. Aber auch das Songwriting klingt deutlich professioneller.

Bestehen bleibt Thao's Vorliebe für den schnellen und häufigen Wechsel zwischen ihrem hellen Gesang und dem tieferen Sprechgesang, quasi ihrem Markenzeichen.

Es gibt kleine und auch große Pop-kompatible Momente auf dem neuen Thao-Album, mitsing-taugliche Refrains, die sich ins Gedächtnis schlängeln, aber auch sehr freie und unkonventionelle Einlagen.  

Ein einnehmendes, aber auch wechselhaftes Album, ist "Temple" geworden. Oft klingt es leicht, manchmal auch etwas dunkler: Es ist ein Konzeptalbum, durch das sich ein Thema zieht, ein sehr privates. Thao singt: "Es gab gute Männer in meinem Leben, Männer, die mich angehimmelt haben…", ABER… …:    

Thao Nguyen hat Schluss gemacht mit dem Versteckspielen. Sie lässt die Welt nun wissen, dass sie nicht Männer, sondern Frauen liebt. Das ist zwar schon lange nichts Ungewöhnliches mehr, aber in Thao Nguyens vietnamesischer Familie und zum Teil eher konservativer Community doch noch viel schwerer zu offenbaren, ohne in große Konflikte zu kommen. Ein Comingout-Album also. "Temple" erscheint auf Ribbon / Domino.


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