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Album-Tipp der Woche Seasick Steve: "Love & Seak"

Der Blues ist sein Metier, der lange, weiße Bart, die Latzhose und das Käppi seine Markenzeichen. Seasick Steve ist ein Spätstarter – mit über 50 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum. Inzwischen tourt er international, belegt mit seinen Alben regelmäßig vordere Hitparadenplätze in Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Bluesmusiker. Im März ist Seasick Steve 69 geworden und hat jetzt mit "Love & Peace" sein zehntes Album veröffentlicht. Für Bernhard Jugel ist es das Album der Woche. 

Von: Bernhard Jugel

Stand: 28.07.2020

Illustration: CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Als ehemaliger Tontechniker, Studiobetreiber und Produzent kennt Seasick Steve alle Tricks und reichert seine Songs neuerdings auch mit Feedback, Hall und Echo an. Aber irgendwann geht's dann immer zurück zum Wesentlichen. Eine simple Gitarrenlinie, ein stampfender Rhythmus und Seasick Steves einprägsamer, leicht heiserer Gesang.

Es gibt nichts, was über einen ordentlichen Boogie geht – das ist eine der Weisheiten, die uns Seasick Steve auf seinem neuen Album vermittelt. Und weil der Boogie, den er dazu auf seiner ziemlich abgenutzten Gitarre schlägt und zupft, tatsächlich nicht von schlechten Eltern ist, glaubt man ihm das auch. Statt Boogie könnte man natürlich auch Blues sagen, aber wenn man genau hinhört, dann merkt man, dass Seasick Steve seinen Blues-Songs immer wieder Funk, Soul oder Southern Rock beimischt und im Titelsong seines Albums tatsächlich das alte Hippie-Motto "Love & Peace" wiederbelebt.

Angesichts des derzeit angespannten Klimas in den USA wirkt dieser alte Slogan überraschend zeitgemäß. Und für Seasick Steve ist er ein Teil seiner Autobiographie, denn 1968, zur Hochzeit der Hippie-Bewegung, hat er in San Francisco im Mekka der Hippies gelebt, im Stadtteil in Haight-Ashbury. Die Rumtreiber-Geschichten, die er sonst aus seiner Vergangenheit erzählt, mögen manchmal übertrieben sein – sicher ist jedenfalls, dass er als junger Mann in der Begleitband von Blueslegende Lightning Hopkins war und später Bands wie Modest Mouse oder Bikini Kill produziert hat. Und dass er als Solokünstler erst Erfolg hatte, nachdem er seiner zweiten Frau in deren Heimat Norwegen gefolgt war.

Seasick Steve watet auch auf seinem neuen Album knietief im Blues, aber mit manchen seiner Songs bricht er auf zu neuen Ufern. Unterstützt wird er dabei von seinem langjährigen Schlagzeuger Dan Magnusson, vom Gitarristen Luther Dickinson von den North Mississippi All Stars und vom Mundharmonikaspieler Malcolm Arison von The BossHoss. Auch wenn einige Songs etwas länglich geraten sind, "Love & Peace", erschienen auf CD, Vinyl und als Download bei Rykodisc, ist dennoch das bis jetzt abwechslungsreichste Bluesalbum des Jahres.


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