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Album-Tipp der Woche "Na gut dann nicht" von Madsen

Madsen. Der Bandname ist gleichzeitig der Nachname von drei der vier Bandmitglieder, denn sie sind Brüder. Seit 2004 spielt Madsen Indie-Rock mit deutschen Texten, und das sehr erfolgreich: Von sieben Studioalben waren sechs in den Top Ten der deutschen Charts. Kritiker bescheinigen den Texten und manchmal auch der Musik der Band allerdings einen hohen Kitschfaktor. Auf dem neuen Madsen-Album "Na gut dann nicht" ist es damit vorbei. Auf dem Cover prangt groß der Sticker: Achtung Punk! Und Bernhard Jugel findet: Das ist das Album der Woche!

Von: Bernhard Jugel

Stand: 13.10.2020

Illustration: CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Punk als Notfallpatient, für den dringend Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich sind? In den letzten Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, sind Punk und Hardcore tatsächlich zum nostalgischen Nischenphänomen geworden. Madsen ist jetzt angetreten, das zu ändern. Ausgerechnet die Corona-Pandemie war der Auslöser dafür. Sänger Sebastian fand das geplante eigentlich neue Madsen-Album plötzlich belanglos, verschob die Produktion auf den Sankt-Nimmerleins-Tag und stellte mit Freunden, Bandkollegen und Tour-Keyboarderin Lisa Nicklisch in knapp drei Wochen ein Album fertig, das alles hat, was man bei Madsen immer vermisste. Lärmigen Rock, provokante Texte, die punk-typische "Ihr könnt mich alle mal"-Haltung. Ein Corona-Song ist auch dabei.

Ironie ist neu bei Madsen

Noch was ist neu bei Madsen. Was bisher eher das Metier der Ärzte war, kann Madsen jetzt auch: Ironie! Sogar Selbstironie, wenn beispielsweise ein Freund der Band die Grundsatzfrage stellt:

"Leute, ist das euer fucking Ernst: ein Punk-Album? Habt ihr Euch mal die Top Ten der Spotify-Charts angeguckt? Ist da ein fucking Punksong drin? Nein!! Das ist nur Gangster-Rap. Ihr müsst Gangster-Rap machen!"

Zitat eines Freundes von Madsen

Macht Madsen natürlich nicht. Denn Gangster-Rap kommt in der musikalischen DNA der Band nicht vor, Punk aber schon. Unter dem Namen Alice's Gun haben die Musiker Ende der 1990er-Jahre drei Punk-Alben veröffentlicht, damals noch mit englischen Texten. Seit sie Madsen heißen, singen sie deutsch, bisher aber eher wolkige Befindlichkeitslyrik. Auf dem neuen Album dagegen gibt es klare politische Ansagen, zum Beispiel an alle, die einem ungefragt ihre Verschwörungserzählungen aufdrängen.

"Na gut dann nicht"

"Na gut dann nicht" heißt das neue Album von Madsen. Die Band hat sich damit tatsächlich noch einmal neu erfunden. Ob "Na gut dann nicht" nun das beste Punk-Album des Jahres, des Jahrzehnts, des Jahrtausends ist, muss eine spätere Generation entscheiden. Für mich ist es auf jeden Fall das beste Madsen-Album aller Zeiten mit Liedern, die es schaffen, die typische No-Future-Haltung von Punk ironisch zu brechen oder im typischen Punk-Idiom auch mal so was wie Zuversicht zu predigen.

"Na gut dann nicht" von Madsen ist beim Label Arising Empire erschienen.


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