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Album-Tipp der Woche "American Head" von The Flaming Lips

Er hat mit Miley Cyrus eine gemeinsame Platte gemacht, das Album "Dark Side Of The Moon" von Pink Floyd und ein weiteres von King Crimson neu interpretiert, Nick Cave, Erika Badu und Henry Rollins als Gastsänger auf seinen Alben gehabt. The Flaming Lips sind mit Beck als Banking Band aufgetreten und haben mehrere Grammys bekommen. Nun erscheint ein weiteres Album dieser außergewöhnlichen Band. Unsere Autorin Sabine Gietzelt hat sich gern überraschen lassen vom neuen Werk der Flaming Lips und stellt Ihnen nun "American Head" vor.

Von: Sabine Gietzelt

Stand: 15.09.2020

Illustration: CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Es ist mal wieder ein Konzeptalbum geworden. Das machen die Flaming Lips ja gerne, aber "American Head" wirkt aufgeräumt und kaum exzentrisch, mit richtigen, nur kurz mal etwas rockigeren, meistens harmonietrunkenen Popsongs, überwiegend am Klang der 70. Jahre orientiert. Man mag sich an den Hit der Lips von 2002 "Yoshimi Battles the Pink Robot" erinnern. Das gleichnamige Album damals war das kommerziell erfolgreichste Album der Flaming Lips und wurde sogar in ein Musical umfunktioniert. Und schon immer war der inzwischen elegant ergraute Wayne Coyne auch großer Fan der Beach Boys. 

Ständige Veränderung

Anfang der 80. Jahre haben sich die Flaming Lips in Oklahoma gegründet und befinden sich seitdem in ständiger musikalischer Veränderung. Eine brachiale, psychedelisch-laute Rockband waren sie anfangs, veröffentlichten instrumentale, experimentelle, collagenartige, teils schwer konsumierbare Extravaganzen, verbunden mit bunten, technisch aufwendigen und spektakelartig aufgezogenen Livekonzerten. Es gab immer wieder Überraschungen.

Opulent produziert

Die Platten der Flaming Lips sind meist opulent produziert, so auch hier. Zusätzlich zum Instrumentarium wie Saiten-, Blas- und elektronischen Instrumenten werden die Möglichkeiten des gesamten Studios genutzt, und auch die Geräusche dieser Welt wie das Muhen von Kühen werden liebevoll eingebaut. Wayne Coyne liebt Tiere und Blumen.  

Fiktiv und biografisch

"American Head" ist das 16. Studioalbum der Flaming Lips. Es klingt deutlich irdischer als andere Flaming Lips Platten, mit denen uns Wayne Coyne immer gern in den Weltraum mitgenommen hat. Diesmal taumeln wir im - nicht immer zarten - Schmelz der Erinnerung zurück in eine Jugend, ihre Erlebnisse, Freuden und Ängste, die Macht der damaligen Drogen und die Musik, die diese Jugend begleitet hat. Inspiriert von einer fiktionalen Geschichte, die sich Wayne Coyne ausgedacht hat, hat er die gemeinsam mit seinem musikalischen Mastermind Steve Drozd umgesetzt. Biografische Anteile hat diese Geschichte jedoch. So wie den Überfall, den Coyne hier besingt.

"American Head" - einfach nur schön

Mit seiner unfassbaren Kreativität, seinem Eigensinn, seinem zittrig schrägen, den Songs immer Melancholie einhauchendem Gesang, führt uns Wayne Coyne mit den Flaming Lips immer wieder überzeugend vor, was Musik alles sein darf. Diesmal einfach nur: schön.

"American Head" von den The Flaming Lips erscheint auf Bella Union.


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