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Album-Tipp der Woche Bob Mould: "Sunshine Rock"

"Sunshine Pop" heißt ein gutgelauntes, amerikanisches Musik-Genre, das von kalifornischen Bands wie The Mamas & The Papas, den Beach Boys und der 5th Dimension betrieben wurde. Mit dieser Bedeutung spielt der US-Gitarrist und Ex-Hüsker-Dü-Leader Bob Mould auf seinem neunten Studio-Album, das den Namen "Sunshine Rock" trägt. Für Markus Mayer das Album der Woche

Von: Markus Mayer

Stand: 12.02.2019

Illustration: CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Es geht sofort los, ohne Umschweife, in medias res und es bleibt auch so, während der nächsten vier Nummern. Bob Mould, mittlerweile ein Herr von fast 60, mit Stirnglatze und sauber gestutztem Bart, beherrscht ihn immer noch, den höhenlastigen E-Gitarrensound mit absplitternden Klangteilchen, für den Hüsker Dü, die archetypische Hardcore-Band, bekannt war. Seitdem haben tausend und eine Punk-, Gothic- und Emo-Rock-Band, darunter Nirvana und die Pixies, diesen Sound kopiert, aber Bob Mould ist und bleibt eben der Erfinder. Auf dem Klassiker Zen Arcade zeigten Hüsker Dü, was ein fabelhaftes Rock-Trio mit diesem Sound alles hinbekommen kann.

Ein Punkgott mit Streichern

Also anschnallen, Handbremse lösen und ab! Übrigens gehört jetzt auch Bob Mould zu denjenigen, die nach Berlin gezogen sind und es ganz wunderbar finden an der Spree. Erst auf Track fünf schraubt Mould das Tempo zurück und zeigt, dass er sich auch in anderen Geschwindigkeiten verständigen kann, was dem Flow der Platte zugute kommt. Mould war immer einer jener Punkgötter, denen man innere Treue geschworen hatte. Obwohl er seine Solo-Karriere mit Workbook, einem ungewöhnlich feinen, ruhigen Rock-Album begann, lieferte er mehrere, ziemlich mediokre Scheiben ab, was man nicht recht wahrhaben wollte, was aber dennoch der Fall war. Auf "Sunshine Rock" gibt sich der Künstler, der in den letzten Jahren beide Eltern verloren hat sowie seinen einstigen Hüsker-Dü-Partner, den großartigen Grant Hart, betont zuversichtlich. Er setzt sogar ein Streicher-Ensemble aus Prag ein.    

Mittlerweile sieht der fast 60-jährige, wenn er mit schwarzer Stratocaster auf der Bühne steht, wie ein rockender Bankangestellter aus, aber sei’s drum. In seiner Wohnung habe er, bekannte Mould, Post-Its mit positiven Aufforderungen angebracht, um nicht dem Trübsinn zu verfallen. Das ist zwar sehr amerikanisch, aber wenn‘s hilft und derartige Rockmusik dabei rauskommt, soll uns das gefallen.

Nach dem Outing

Bis in die 90-er Jahre hinein hat Mould mit seiner sexuellen Orientierung hinterm Berg gehalten, die Indie-Rock-Szene galt, was Homosexualität anging, als etwas rückständig. Nachdem Mould aber in einer britischen Popzeitschrift geoutet wurde, bekannte er sich frank und frei dazu, ein "Bear" zu sein, ein betont maskuliner Typ, der Männer mit Bärten und Lederklamotten mag.    

Auf "Sunshine Rock" taucht die Vokabel Sunshine gleich in mehreren Songs auf, Mould variiert zudem die Themen des sogenannten Sunshine Pop, kalifornischer Musik aus den 60-er Jahren, die das Klima und die Lockerheit der amerikanischen Westküste verherrlichte. Bisher war Mould nicht als großer Optimist bekannt. Freunde und Bekannte bezeichneten ihn sogar als Miserabilisten, als besonders übellaunigen Typen und Schwarzseher vom Dienst. Auch wenn die Songs dieses Albums absolut ironiefrei daherkommem, mit "Sunshine Rock", soeben auf Merge Records erschienen, legt Bob Mould eines seiner besten Alben seit Jahren vor.


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