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Entsorgung von Biomüll Dürfen Orangenschalen auf den Kompost?

Winterzeit ist Orangenzeit. Aber dürfen die Schalen auf den Kompost? Die einen sagen "Ja", die anderen sagen: "Auf keinen Fall". Was stimmt denn nun? Tipps von Marianne Scheu-Helgert von der Gartenakademie in Veitshöchheim.

Von: Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 02.02.2017

Geschälte Orange: Dürfen Zitrusschalen auf den Kompost? | Bild: colourbox.com

Bayern 2: Schalen von Orangen und Zitronen auf den Kompost oder in die Biotonne - darf man oder darf man nicht?

Marianne Scheu-Helgert: Man darf. Es ist beides möglich: Sowohl Kompost als auch Biotonne. Die Behandlung von Schalen ist im Rahmen des Erlaubten in Ordnung. Es sind Verfahren, die geprüft sind – auch von der Rückstandssituation her.

Was den eigenen Kompost angeht, ist die Entscheidung, ob man seinen Garten biologisch bewirtschaftet oder nicht. Wer seinen Garten streng biologisch bewirtschaften möchte, der würde Schalen weglassen beziehungsweise würde vielleicht gleich Biozitronen kaufen, die dann auf den Kompost können.

Zur Person

Marianne Scheu-Helgert ist gelernte Zierpflanzengärtnerin und Gartenbauingenieurin. Sie ist Leiterin der Bayerischen Gartenakademie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim und unterrichtet dort auch an der Staatlichen Meister- und Technikerschule für Weinbau und Gartenbau.

Mit anderem gespritzten Obst und Gemüse ist es dann wahrscheinlich ähnlich?

Da ist es ganz genauso. Die Pflanzenschutzmittel, die im Lauf der Kultur eingesetzt werden, auch die einem sehr, sehr strengen Zulassungsverfahren unterworfen, und auch die Art und Weise der Anwendung - wie häufig da angewandt werden darf - all das hat man vorher im Rahmen des Zulassungsverfahrens genau ausgetestet, was da geht und was nicht geht. So dass dann zum Erntezeitpunkt nur noch ganz, ganz geringe Restmengen vorhanden sein dürfen.

Warum zersetzen sich Orangenschalen so schwer im Kompost?

Orangen sind von Natur aus so angelegt, dass sie sehr, sehr lange halten. Eine Orange hält ohne weiteres mehrere Wochen. Sie trocknet dann ein bisschen aus. Von der Biokonstruktion her ist sie auf Langlebigkeit angelegt und enthält Öle. Vom inneren Aufbau her ist sie so gemacht, dass Pilze und Bakterien nicht so gut rankommen. Aber: Sie kommen ran, es dauert nur etwas länger.

Ehe sie auf den Kompost kommen, können Orangenschalen ein bisschen zerkleinert werden, was ohnehin passiert, wenn man die Frucht schält. Wenn am Ende eines normalen Kompostierverfahrens noch Schalenreste übrig sind, gibt man sie einfach auf den nächsten Kompost.

Zersetzt sich im Winter, wenn es alles gefroren ist, überhaupt etwas im Kompost?

Da ist natürlich alles sehr stark verlangsamt. Es ist schon so, dass im Kompost eine höhere Temperatur herrscht als außen - aufgrund dieser mikrobiellen Zersetzungsvorgänge. Wenn es dann aber wie kürzlich minus 15 Grad oder tiefer hat, kann es auch sein, dass unser meist kleiner Komposthaufen innerlich auch durchfriert.

Aber das ist dann so, wie wenn Sie einen Hefeteig in den Kühlschrank stellen, dann klingen die Vorgänge dann einfach ab. Und wenn es dann wieder wärmer wird, dann machen die Mikroorganismen genau dort weiter, wo sie aufgehört haben.

Was darf denn eigentlich auf keinen Fall in den Kompost?

Was ich in meinen eigenen Kompost nicht reintun würde und wo ich auch abrate davon, das ist zum Beispiel Holzasche. Holz auch von Bäumen, die scheinbar unbelastet aus einem sauberen Wald kommen, haben trotzdem über viele Jahrzehnte hinweg Filterfunktion ausgeübt und haben dadurch verschiedene Stoffe angesammelt. Schwermetalle vor allem.

Diese Schwermetalle konzentrieren sich nachher genau in dieser weißen Asche, die da zurückbleibt. Die Schwermetalle bleiben im Kompost, die kommen in den Garten. Wenn der Großvater beispielsweise das schon gemacht hat, dann ist das Cadmium der Asche aus Großvaters Zeiten jetzt immer noch im Garten.

Wie sieht es mit den Plastik- oder Papiertüten aus, in denen man seinen Biomüll sammeln kann? Können die in den Kompost oder in die Biotonne?

Papier ist völlig unproblematisch. Das darf sowohl in den Kompost als auch in die Biotonne. Kunststofffolien selbstverständlich nicht. Weder in den Kompost noch in die Biotonne. Es gibt aber zersetzbare Folien. Die Kompostwerke, wo die Abfälle aus unseren Biotonnen landen, sehen diese Folien jedoch nicht gerne, denn die Zersetzung dieser Folien geht langsamer vonstatten als deren sehr stark optimierte Abbauverfahren.

Und: Man kann auch optisch schlecht unterscheiden, ob es jetzt Kunststoff ist oder zersetzbare Folie. Im eigenen Kompost können wir zersetzbare Folie reinlassen. Wenn irgendwo ein Teil etwa beim Sieben herausschaut, machen wir es so wie mit den Orangenschalen und geben die noch nicht zersetzte Folie in den nächsten Kompost. Und spätestens dann wird man nichts mehr sehen.

Vielen Dank für das Gespräch.


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