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Schutz vor Gewalt und Rassismus Zwei Jahre Beratungsstelle "Before"

Sechs Beraterinnen hören Menschen zu, die sich ausgeschlossen, beleidigt, bedroht fühlen. Seit zwei Jahren klären die Mitarbeiterinnen der Münchner Beratungsstelle 'Before' auf und helfen.

Von: Dagmara Dzierzan

Stand: 09.03.2018

Plakat von Demonstration | Bild: picture-alliance/dpa

Rabia saß mit ihrer Mutter in der Münchner U-Bahn, nach einem Arbeitstag als Auszubildende zur Zahnarzthelferin. Plötzlich begann ein Mann, die Mutter mit schmutzigen Servietten zu bewerfen, die beiden Frauen aus Tschetschenien massiv zu beleidigen. Niemand beachtete die drei Fahrgäste, auch dann nicht, als er die 17-Jährige zweimal ins Gesicht schlug. Erst, als sie die Notbremse gezogen hatte, half ein junger Mann den Angreifer festzuhalten, bis die Polizei eintraf:

"Es tut einfach weh, wenn man beschimpft wird, vor allen Leuten, und keiner setzt sich für dich ein, sagt ein einziges Wort, alle wollen keine Probleme und so, es ist einfach schwer."

Rabia, Opfer

Rabia konnte nach dem tätlichen Überfall kaum mehr essen und schlafen, hat sogar ihre Ausbildung unterbrochen, weil sie sich nicht mehr auf die Straße traute. Die Familie wandte sich an die Beratungsstelle Before, die den beiden Frauen nach dem Schock in der U-Bahn zur Seite stand. Die Beraterin, Christine Umpfenbach, hat erstmal versucht, das Opfer zu beruhigen

"Die Person zu stabilisieren, d.h. dass sie erst mal wieder irgendwie in den Alltag zurück finden kann. In diesem Fall wäre das ganz wichtig zu schauen, wie kommt sie von A nach B, und da bieten wir dann an, dass wir sie bei den ersten Fahrten begleiten."

Christine Umpfenbach

Schock nach langer Flucht

Rabia gehört zu den ersten Diskriminierungsopfern, die von Before unterstützt wurden. Seit den zwei Jahren der Gründung von Before ist die Zahl der Hilfesuchenden deutlich gestiegen. Darunter sind viele Frauen, die wegen ihres Kopftuchs angegriffen werden, so wie Rabia und ihre Mutter. Persönlich beschimpft, erst recht angegriffen zu werden, ist für jeden ein Schock. Umso mehr allerdings, wenn Menschen nach langer Flucht in Deutschland Sicherheit zu finden hoffen. Die Before-Mitarbeiter betreuen auch  die Opfer massiver Gewalt, bei der Menschen ums Leben kamen, sagt Damian Groten vom Ressort Öffentlichkeitsarbeit bei Before.

"Wichtig ist es erst mal, die Betroffenen darauf hinzuweisen, was rechtliche Möglichkeiten sind, und sie dann, wenn sie sich entschieden haben, wie sie vorgehen möchten, dabei zu unterstützen, etwa eine Anzeige zu stellen."

Damian Groten, Before

Hilfreich sei oft auch die Konfrontation mit den Verursachern der Diskriminierung in Anwesenheit der Beraterinnen, gerade im beruflichen Umfeld. Bei der jungen Tschetschenin Rabia hat der Täter sich zwar entschuldigt, doch ihr Leben hat sich seither verändert. Sie kann sich nicht mehr so unbeschwert draußen auf der Straße bewegen. 


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