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Münchner Uiguren Wir wollen nicht vergessen werden

Rund 1300 Uiguren leben in Deutschland, 700 von ihnen in München. Hier gründeten sie 1991 die erste Exil-Organisation, um die eigene Kultur zu bewahren und auf ihre Unterdrückung und Verfolgung aufmerksam zu machen.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 25.01.2019

Demonstartion der Uiguren | Bild: Asgar Can

Immer wieder gibt es Demonstationen der Uiguren in München. Das muslimische Turkvolk mit eigener Sprache und eigener Schrift wird massiv unterdrückt. Seit vor zwei Jahren in China offiziell eine "Sinisierung" des Islams angeordnet wurde, haben die staatlichen Repressalien gegen die muslimischen Uiguren noch zugenommen. Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich derzeit rund eine Million uigurische Muslime in politischen Umerziehungslagern in Xinxjiang. Die Uiguren in der Diaspora gehen von einer weitaus höheren Zahl aus.

In München, der größten uigurischen Gemeinde außerhalb Chinas, sind die Nerven angespannt.

"Es ist ein großes Drama, weil die Eltern von unseren Gemeindemitgliedern da sind. Sie haben seit Jahren keinen Kontakt, wenn sie anrufen, geht niemand ran oder es wird irgendwie verhindert oder abgehört. Durch Zufall erfahren sie, dass ihre Eltern nicht mehr leben oder verschleppt worden sind."

Asgar Can, Vorsitzender der 'Uigurischen Gemeinde'

Rund eine Million uigurische Muslime in politischen Umerziehungslagern

Seit 1949, als die Volksrepublik China die Heimat der Uiguren Ostturkestan annektierte und in Xinjiang umbenannte, habe China systematisch versucht, die Kultur der Uiguren zu zerstören, beklagt Asgar Can. Man dürfe etwa seinen Kindern keinen muslimischen Namen, wie Mohammed oder Husein geben, die uigurische Sprache weder sprechen noch schreiben, und vor allem seine Religion nicht ausüben. Sanktionen, die viele Uiguren seit Jahrzehnten veranlassen, ihr Heimatland zu verlassen. Auch Asgar Can. Er ist in der Stadt Gulja in Xinjiang geboren.

"Wir sind mit meinen Eltern 1961 nach Afghanistan geflüchtet, dann 1967 in die Türkei gekommen und 1978 bin ich zum Studieren nach Deutschland gekommen."

Asgar Can

Rund 700 Uiguren leben mittlerweile in München. Hier gründeten sie 1991 die erste Exil-Organisation. Auch der "Uigurische Weltkongress", der seit 2004 Uiguren aus 25 Ländern vernetzt, hat seinen Hauptsitz in der bayerischen Landeshauptstadt.

"Wir versuchen natürlich uns anzupassen, ohne unserer Identität zu verlieren, weil das für uns wichtig ist. Wir versuchen möglichst unsere Sprache nicht zu vergessen. Am Wochende gibt es zum Beispiel uigurische Sprachkurse, das machen unsere Mitglieder ehrenamtlich. Wir sind eine kleine Gemeinde, aber auch sehr sehr gut  integriert."

Asgar Can

Zu muslimischen Festen, wie dem Zucker-, Opfer- oder Nouruzfest schauen auch schon mal Vertreter der Stadt und der Parteien vorbei, so Asgar Can. Von den Chinesen allerdings werde die Exil-Organisation als terroristisch eingestuft.

"Man versucht natürlich durch friedliche Mittel Widerstand zu leisten und das machen wir auch im Ausland. Wir haben immer wieder Kundgebungen, Demonstrationen, Veranstaltungen. Unsere Arbeit im Ausland wird auch sehr stark von chinesischen Auslandsvertretungen beobachtet."

Asgar Can

Als Anfang April letzten Jahres ein Münchner Uigure unrechtmäßig nach China abgeschoben wurde, schlugen die Wellen in der Gemeinde hoch. Daraufhin überarbeitete das Bundesamt die sogenannten Herkunftsländer-Leitsätze über die Volksrepublik China. Ende August beschloss die Bundesregierung, auf die Abschiebung von Uiguren bis auf weiteres zu verzichten. Das sei ein großer Erfolg gewesen, freut sich Asgar Can. Sein größter Wunsch ist:

"Dass wir unsere Aktivitäten, dass wir unseren Widerstand weiter ohne Einschränkungen machen können und dass auch die deutsche Regierung bei jedem Gespräch mit China mehr Druck ausübt, dass die Rechte der anderen Nationen dort auch wirklich respektiert werden."

Asgar Can


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