B5 aktuell - Das interkulturelle Magazin


11

Ein neuer Fall für Kommissar Pascha Su Turhan: "Tödliche Auszeit"

In seinem siebten Roman der deutsch-türkischen Krimireihe um "Kommissar Pascha" macht Su Turhan die Münchner Sicherheitskonferenz zum spannenden Hintergrund seines neuen Kriminalfalles.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 22.05.2020

Su Turhan | Bild: Regina Recht

Eigentlich hatte Kommissar Zeki Demirbilek, alias Kommissar Pascha, ganz andere Pläne, er träumte davon, in seiner Heimatstadt Istanbul eine Auszeit zu nehmen.

"Er hat schon sein Ticket nach Istanbul in der Sakkotasche, will zurück nach Istanbul um eigentlich ein Sabbatical zu nehmen, und vor allen Dingen das Herz seiner Exfrau Selma zurück zu erobern (…) just da passiert eben diese Entführungsgeschichte."

Su Turhan

Entführt wird ein Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz, ein Waffenentwickler. Gleichzeitig verschwindet die Nichte einer niederbayerischen Polizeikollegin von Zeki Demirbilek. Die Entführung des Mannes und das Verschwinden der jungen Frau haben einige Berührungspunkte. Schritt für Schritt findet Kommissar Pascha mit seinem Team heraus, wie alles zusammenhängt. Humorvoll spielt Su Turhan mit den gängigen Klischees. Anhand seines bärbeißigen Kommissars kommentiert und konterkariert er die hiesige Einwanderungsgesellschaft in all ihren Facetten.  

"Zeki Demirbilek ist eben ein Münchner mit türkischen Wurzeln, Istanbuler Wurzeln wenn man so will, er ist Teil dieser Gesellschaft, dieser Soziokultur, er ist durch und durch Münchner aber gleichzeitig durch und durch anders wie jeder Münchner."

Su Turhan

Denn er fastet wochenlang, wenn Ramadan ist und träumt dabei von Weißbier und Schweinsbraten. Sich zwischen Obstler und Raki zu entscheiden fällt ihm schwer und er kann mühelos zwischen drei Sprachen, Bayrisch, Hochdeutsch und Türkisch wechseln. Als 12-Jähriger mit seinen Eltern nach Deutschland gezogen, ist Zeki Demirbilek längst in der bayerischen Kultur angekommen. Wie auch sein Schöpfer Su Turhan, den es im Zuge des Anwerbeabkommens als Zweijährigen ins niederbayerische Straubing verschlug. Den Zwiespalt, ein bisschen türkisch und ein bisschen bayerisch zugleich zu sein, kennt er genauso gut wie seine Romanfigur.

"Ich glaub diese Vielfalt, die ist wichtig für jede Stadt, für jede Gemeinde, weltweit. Dieses Zusammengewürfelte von Menschen verschiedener Herkünfte und auch deren Geschichten, die wir Kulturschaffende erzählen, das ist Teil unserer Gesellschaft und das darf nicht verloren gehen oder kaputtgemacht werden von irgendwelchen Menschen, die anders denken."

Su Turhan

Dass das Thema Rassismus heute wieder allgegenwärtig ist, mache ihm schon Sorgen, sagt der Münchner Autor. Gerade in so schwierigen Zeiten wie der Coronakrise sei doch Zusammenhalt eigentlich das oberste Gebot, sagt Su Turhan. Denn das Virus trifft uns alle gleich. Viele bangen um ihre Existenz. Einige wissen nicht, ob es für sie eine Zeit nach Corona geben wird. Vor allem im Kulturbereich sieht es düster aus.   

"Viele Kollegen und ich auch natürlich, sind da eingesperrt, unserer Verdienstmöglichketen beraubt, ja ganz klar warum, weil es geht um unsere Gesundheit, aber die Situation trifft uns schon sehr hart."

Su Turhan

Doch so schnell gibt der 53- Jährige nicht auf. Nachdem sämtliche Lesungen bis Herbst womöglich ins Wasser fallen, plant er neue Formate. Sieben Abende lang will er im Videochat aus jedem seiner sieben Kommissar Pascha-Bände die ersten Kapitel lesen und sich dann mit seinem Publikum darüber austauschen. Und dabei vielleicht auch schon Stoff für den achten Band sammeln. Denn Geschichten zum deutsch-türkischen Zusammenleben, gebe es nach wie vor zuhauf, so der Autor.


11