B5 aktuell - Das interkulturelle Magazin


21

"students4refugees" Unterstützung für geflüchtete Studenten

Der Münchner Informatikstudent Sinksar Ghebremedhin kümmert sich mit seinem Verein um Flüchtlinge, die in ihrem Heimatland studiert haben, hierzulande aber noch nicht Fuß fassen können.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 27.04.2018

Symbolbild: Studierende im Hörsaal | Bild: BR/Max Hofstetter

"Ich weiß nicht, ob ich hier bleiben kann, oder wie lang kann ich bleiben...darf ich hier weiterstudieren oder eine Ausbildung machen?"

Shahzad

Das endlose Warten auf den Asylbescheid belastet Shahzad. Der 22-jährige Pakistani möchte endlich sein Leben in die Hand nehmen, neu anfangen. Vor zwei Jahren floh der Medizinstudent nach Deutschland. Im Gepäck die Hoffnung, hier sein Studium beenden zu können. Doch das war schwieriger als gedacht. Mittlerweile ist es Asylbewerbern zwar möglich unabhängig vom Asylbescheid ein Studium aufzunehmen, doch müssen Abitur und andere Prüfungen aus dem Heimatland zunächst offiziell anerkannt werden. Und natürlich sollte man die deutsche Sprache ausreichend beherrschen. Alles Hürden, die sich vor Shahzad wie ein Berg auftürmten. Bis er die "students4refugees" kennenlernte.

Geflüchteten den Zugang zur Bildung erleichtern

Sinksar Ghebremedhin (l.) und Shahzad

Vier Abende die Woche büffelt Shahzad jetzt Deutsch. Unterrichtet wird er von Deutsch als Fremdsprache-Studenten der Ludwig Maximilians Universität, die sich bei "students4refugees" engagieren. Der Münchner Informatik-Student Sinksar Ghebremedhin hat den Verein 2014 zusammen mit einem Kommilitonen gegründet. Mit dem Ziel: Geflüchteten den Zugang zur Bildung zu erleichtern und ihnen dadurch die Chance zu geben hier Fuß zu fassen.

"Für mich ist Schule immer sehr wichtig gewesen, auch zu lernen und das auch dann weiter zu geben (...) Geld das kommt und geht, aber die Bildung ist einfach immer da."

Sinksar Ghebremedhin

Sinksar Ghebremedhin weiß wovon er spricht. Seine Eltern kamen selbst in den 1980er Jahren als Flüchtlinge aus Eritrea nach Deutschland. Seine Mutter hätte immer gerne eine Schule besucht, sagt der 27-jährige Student. Es sei ihr aber nicht erlaubt worden. Deshalb habe sie nie lesen und schreiben gelernt. Das habe sie ihr ganzes Leben lang belastet. Ihr größter Wunsch sei immer gewesen, dass es Ihrem Sohn einmal besser gehe.

"Das prägt in der Kindheit, wenn jemand einem immer wieder sagt: 'Lerne doch, damit du später mehr hast und sei fleißig!' Und das macht man dann natürlich auch, wenn man weiß, was das bedeutet, wenn man dann nicht gelernt hat."

Sinksar Ghebremedhin

Kurs

Mit "students4refugees" will Sinksar Ghebremedhin Geflüchteten eine erste Orientierung auf dem Weg zum Studium geben. Und zugleich eine Perspektive eröffnen. Neben den kostenlosen Deutschkursen, bietet der Verein auch ein Mentoren-Programm an. Studierende aller Fachrichtungen können sich darin engagieren, indem sie beispielsweise mit den Flüchtlingen Konversation üben, Veranstaltungen besuchen oder Ausflüge mit ihnen unternehmen. Ein erfolgreiches Konzept, das auch öffentlich Wirkung zeigte.

"Peu a peu ist es auch passiert, dass die ganzen Universitäten nachgezogen haben, Kurse auch extra für Flüchtlinge gemacht haben oder Programme. Da gibt es an der LMU das Hinführungsprogramm, dass man Flüchtlinge schon mit dem B1 Level für Deutsch aufnimmt und man ein Schnupperstudium machen kann."

Sinksar Ghebremedhin

students4refugees

Gesicherte Zahlen wie viele Flüchtlinge letztendlich tatsächlich eine Studienzulassung erhalten, gibt es bislang noch nicht. Laut einer Studie des Stifterverbandes und der Unternehmensberatung McKinsey werden im Jahr 2020 mindestens 40 000 Flüchtlinge an deutschen Hochschulen eingeschrieben sein. Sinksar Ghebremedhin will auf jeden Fall alles tun, dass möglichst viele den Weg in die Universitäten finden. Das könnte dem Fachkräftemangel vorbeugen und zugleich einen positiven gesellschaftlichen Effekt haben:

"Wenn jetzt die Flüchtlinge, die bei uns Deutsch lernen und auch später dann studieren wollen, wenn die einen Bildungsweg hinter sich haben, dann haben deren Kinder natürlich bessere Möglichkeiten und dann entsteht nicht wieder so eine Unterschicht."

Sinksar Ghebremedhin

Für sein Engagement wurde Sinksar Ghebremedhin Anfang April 2018 mit dem Preis "Münchner Lichtblicke" in der Kategorie Einzelperson ausgezeichnet.


21