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Refugees@Sub Anlaufstelle für schwule Geflüchtete in München

In vielen Ländern ist Homosexualität verboten, weshalb viele Schwule nach Deutschland fliehen. Doch auch in Deutschland sind sie Anfeindungen und Homophobie ausgesetzt. Hier hilft die Münchner Initiative "Refugees@Sub".

Von: Roswitha Buchner

Stand: 11.07.2019

Demo von Mitgliedern | Bild: Queer*Yourope

Als er vor zwei Jahren aus seiner Heimat Uganda floh, hatte der 27-jährige William bereits einen langen Leidensweg hinter sich. Von Bewohnern seines Dorfes verhöhnt, verprügelt, lebensgefährlich verletzt und anschließend von der Polizei gefoltert, entkam der junge Mann nur knapp dem Tod und konnte fliehen. Sein Verbrechen? William ist schwul. In Uganda steht auf Homosexualität zwar nicht die Todesstrafe wie in einigen anderen Ländern, jedoch ist Homophobie stark in der Gesellschaft verankert, sagt William.

"Wir leben in einer Gesellschaft mit Menschen, die gefährlicher sind, als der Staat. Sie können schlagen, töten, brennen, alles. Irgendwas kann passieren."

William

Auch nach zwei Jahren  fällt es William schwer über das, was ihm angetan wurde, zu sprechen. Im schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum SUB in München hat er Gleichgesinnte gefunden. In den Räumen des Zentrums wurde 2015 die Initiative "Refugees@Sub" gegründet, um schwulen Flüchtlingen den Einstieg in München zu erleichtern. Ein Pate dieser Initiative steht William seit Mitte letzten Jahres zur Seite. Mit seinem Mentor kann der 27-Jährige offen reden. In den Gemeinschaftsunterünften werden schwule Männer oft bedroht oder verfolgt, sagt Thomas Michael von "Refugees@Sub"

Geschützte Unterkünfte

Zusammen mit der Stadt München habe sich die Initiative deshalb auch um geschützte Unterkünfte fürs schwule Geflüchtete bemüht. 17 Plätze hat der Münchner Stadtrat im Januar letzten Jahres bewilligt. Zehn stehen mittlerweile zur Verfügung. Zu wenig sagt Thomas Michel. Denn der Bedarf sei weitaus größer. Der 55-Jährige ist selbst bei "Refugees@Sub" als Mentor tätig. Zusammen mit rund 30 anderen ehrenamtlichen Paten unterstützt er die Geflüchteten bei Behördengängen, beim Erlernen der deutschen Sprache und bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Das Wichtigste sei aber die Begleitung im Asylverfahren.

"Und dabei insbesondere die Vorbereitung auf die Anhörung. Wir erleben zwar, dass es im BamF viele aufgeschlossene Mitarbeiter gibt, wir erleben aber auch, dass es Mitarbeiter gibt, die bisher mit Schwulsein keine Berührung hatten und sich deswegen schwer tun. Aber noch viel mehr, dass es unter den Übersetzern viele gibt, die aus Ländern wie die Geflüchteten selbst kommen, in denen Schwulsein unter Strafe steht und die auch das noch nicht verinnerlicht haben, dass sie jetzt hier in Deutschland sind, wo das nicht so ist."

Thomas Michael von 'Refugees@Sub'

Schwerwiegende Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung sei zwar ein Asylgrund in Deutschland, sagt Thomas Michel, aber nur wenn die Homosexualität glaubhaft dargestellt werde. Dass es vielen Flüchtlingen anfangs schwer falle, offen zu ihrer Sexualität zu stehen, könne das Asylverfahren entscheidend behindern. Kopfzerbrechen bereitet den Mentoren auch:

"Dass es in Bayern kaum mehr möglich ist für Geflüchtete eine Arbeitserlaubnis zu bekommen und ich kann nur für unser Projekt sprechen, da ist allen Geflüchteten extrem wichtig zu arbeiten. Sie sind mit dem Wunsch hergekommen, sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Dass ihnen genau dieses Recht in Bayern verwehrt wird im Gegensatz zu andern Bundesländern, ist speziell bitter bei einigen von unseren Geflüchteten, die Ausbildungsverträge angeboten bekommen haben."

Thomas Michael von 'Refugees@Sub'

William hat zum Glück eine Arbeitserlaubnis bekommen. Er wird demnächst eine Ausbildung als Elektroniker bei der Deutschen Bahn beginnen. Sein Asylgesuch wurde allerdings abgelehnt. Gegen den Bescheid hat William Berufung eingelegt. Denn ein Zurück gibt es für ihn nicht. Er will hierbleiben – in Sicherheit.  

Um Menschen wie William zu helfen, braucht der Verein dringend Unterstützung, sagt Thomas Michel. Denn immer mehr schwule Geflüchtete finden den Weg zu "Refugees@Sub".

"Deswegen sind wir auch sehr bemüht, weitere Mentoren zu finden, die sich unserer Gruppe anschließen und wir haben inzwischen auch mit Gruppen wie dem 'Bayerischen Flüchtlingsrat' oder 'Arrival Aid' ein Training entwickelt, mit dem wir dann Mentoren helfen in die Rolle hineinzufinden. Aber es gibt inzwischen auch im Rahmen des Cafes viele Geflüchtete, die einfach nur hierher kommen und schon froh sind, dass sie wenigstens einmal im Monat unter ihresgleichen sein können um sich auszutauschen."

Thomas Michael von 'Refugees@Sub'


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