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PEN-Zentrum Deutschland 20 Jahre Writers-in-Exile Programm

Zum 20. Jahrestag des Writers-in-Exile Programms erinnert das PEN-Zentrum Deutschland an die prekäre Lage vieler Autorinnen und Autoren auf der ganzen Welt. Mit ihrem Exilprogramm ermöglicht ihnen die Schriftstellervereinigung ein freies Leben und Schaffen in Deutschland.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 19.07.2019

Die Geschäftsstelle des deutschen PEN-Zentrums im Literaturhaus in Darmstadt | Bild: picture-alliance/dpa

Yirgalem Fisseha Mebrahtu wohnt seit sieben Monaten im Münchner Stadtteil Neuhausen. Die Lyrikerin und Journalistin aus Eritrea ist Stipendiatin des Writer- in Exile- Programms des deutschen PEN und eine von derzeit acht Betroffenen, die über den PEN in Deutschland Zuflucht gefunden haben.

"Ich arbeitete fünf Jahre für Bildungsmedien in meinem Land. Doch die Macher wollten sich nicht von jungen Leuten, wie mir, reinreden lassen. Ich war es aber gewohnt, meine Meinung laut und offen zu sagen. Das reicht schon, um in meinem Heimatland eingesperrt zu werden."

Yirgalem Fisseha Mebrahtu

"Ohne Angst schreiben"

Sechs Jahre lang saß die junge Frau in Eritrea im Gefängnis, in Einzelhaft. Ohne Anklage oder Gerichtsverfahren sei sie inhaftiert und auch gefoltert worden, erzählt die 37-Jährige. Dank der Hilfe des PEN sei sie nun in Deutschland. Hier könne sie endlich ohne Angst weiter an ihren Gedichten und Kurzgeschichten schreiben. München habe sie mit offenen Armen aufgenommen, sagt Yirgalem Fisseha. Doch nach wie vor sei vieles neu für sie. Die Sprache, die Kultur, der Lebensstil. Manchmal plage sie auch die Einsamkeit. Um der jungen Frau die Eingewöhnung zu erleichtern, stellt der PEN Betreuer vor Ort.

Die Schriftstellerin und Filmemacherin Vera Botterbusch, die seit vier Jahren für Writers- in- Exile tätig ist, weiß wie es sich anfühlt, alles zurück zu lassen und neu anzufangen. Während des Zweiten Weltkriegs musste die 77-Jährige als Kind mit ihren Eltern aus Schlesien fliehen.

"Natürlich find ich es jetzt besonders wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir uns für die Freiheit des Wortes, für den Widerspruch einsetzen. In einer Zeit, wo bei uns auch wieder der Freiheitsgedanke rückläufig ist und wieder Tendenzen Raum nehmen, die höchstgefährlich sind und an eine äußerst gefährliche Zeit wieder erinnern."

Vera Botterbusch

Das entspreche auch der Charta des PEN, nämlich sich gegen jegliche Unterdrückung der freien Meinungsäußerung und Zensur einzusetzen, so Vera Botterbusch. Das deutsche PEN- Zentrum ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen des Verbandes, der ursprünglich wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg in England gegründet wurde. Angesichts wachsender Verfolgung und Zensur von Schreibenden in aller Welt gründete der PEN 1960 das Komitee Writers-in-Prison. Es prangert öffentlich Inhaftierungen und Ermordungen von Schriftstellern in aller Welt an, um Druck auf die jeweiligen Regierungen auszuüben. Daraus resultierend entstand 1999 Writers-in-Exile.

Neun Wohnungen in Berlin, Darmstadt, Weimar, Nürnberg und München stellt das deutsche PEN Zentrum mittlerweile für politisch verfolgte Autorinnen und Autoren aus aller Welt zur Verfügung. Dort können die Betroffenen zwischen einem und drei Jahren mietfrei wohnen und in Ruhe arbeiten.

Demnächst will Vera Botterbusch, die sich hauptsächlich um die Stipendiaten in Bayern kümmert, eine Lesung für ihre Schützlinge in München organisieren.

"Damit man überhaupt mitbekommt, es gibt diese Menschen hier und es lohnt sich ihnen auch zuzuhören. Ich denke, jemand der mit der Sprache umgeht, der sein Land verlassen muss, der kommt automatisch in eine innere Isolation und das wird wahnsinnig schwer dann wieder einen Punkt zu finden, wo ich Erfahrung aus Wahrnehmungen schöpfen kann, um weiter zu schreiben."

Vera Botterbusch

Das kann Yirgalem Fisseha nur bestätigen. Sie will auf jeden Fall weiterschreiben und endlich ihre gesammelten Gedichte veröffentlichen.


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