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Mobile Kräutergärten für Kinder Lauter kleine grüne Daumen

Die Schulen sind wieder offen, ganz normal ist der Alltag für Kinder aber noch nicht. Das Projekt "Mobile Kräutergärten für Kids" vom Verein ICOYA bietet Kindern die Möglichkeit, in der Freizeit das Gärtnern auszuprobieren.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 24.06.2020

Anas bemalte Kräuterkiste. | Bild: Daniel Koblofsky / IKOYA

Als ein Kurier vor ein paar Wochen ein großes Paket bei Yasir und Mohammed ablieferte, war die Freude groß. Denn jetzt hatten die beiden Brüder, 9 und 11 Jahre alt, alles, was sie brauchten, um sich selber einen kleinen Kräutergarten zu bauen: ein paar Holzbretter, ein wenig Blumenerde und ein paar Bio-Kräuter Setzlinge. Yasir und Mohammed, die vor ein paar Jahren mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland gekommen sind, legten sofort los.

"Wir haben die Kisten richtig bunt angemalt, drin haben wir Tiere gemalt und draussen haben wir verschiedene Farben, rot, grün, alle Farben, und dann haben wir das Kästchen fertig gehabt."

Yasir und Mohammed

Ausgedacht hat sich das Projekt der gemeinnützige Verein „International Connection Of Young Artist“, ICOYA, der damit Kindern und Jugendlichen in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und sozialer Distanz die Möglichkeit geben wollte, gemeinsam an einem Projekt teilzunehmen.

"Es haben sich irre viele Kinder gemeldet, und wir haben jetzt noch über zwanzig Leute auf der Warteliste."

Gerda Kindelán Roché, Projektleiterin

Generell richtet sich das Projekt an alle Kinder Jungendliche. Besonders berücksichtigt werden jedoch Interessierte aus Kinderheimen, Einrichtungen der Jugendhilfe oder Flüchtlingsunterkünften. Denn das Ziel von ICOYA ist es, vor allem denjenigen Kunst, Bildung, Politik und Kultur zugänglich machen, die in unserer Gesellschaft keinen Platz finden, sagt Gerda Kindelán Roché. Schon seit 15 Jahren veranstaltet ICOYA künstlerische Projekte zur gesellschaftlichen Integration von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, Migranten und Geflüchteten. Wichtig sei es dem Verein, so Kindelán Roché, dabei Kinder aus allen sozialen Schichten und Schularten zu mischen:

"Wir wollen eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützen kann. Auch unsere Gymnasialkids lernen noch mal unglaublich viel von den Kids, die jetzt, sagen wir mal so, die Mittelschule oder andere Schulen besuchen. Es haben sich tolle Freundschaften entwickelt, die fanden das total spannend, auch grade mit Multikulti zusammen zu kommen, mal ganz andere Dinge kennen zu lernen. Da hat sich wirklich eine ganz tolle Synergie ergeben."

Gerda Kindelán Roché, Projektleiterin

Da es während des Corona-Lockdowns für die Kindern und Jugendlichen nicht möglich war, sich in den sonst von ICOYA angebotenen Straßenkunst Camps, Graffiti Workshops oder Kochkursen kollektiv auszutoben, entwickelte der Verein die Idee des mobilen Kräutergartens. Die Anleitung, wie man den Kasten zusammenschraubt, die Pflanzen einpflanzt und pflegt können die Kindern in dafür eigens gestaltete YouTube Tutorials erfahren. Per Fotostory können die Kinder ihre Fortschritte dokumentieren und diese in den sozialen Netzwerken mit ihren Freunden und allen anderen ICOYA-Gärtnern teilen. Die schönsten Kästen werden am Ende Projekts prämiert. Die Preise reichen von einem Kochkurs bis zu einem Ausflug in eine Biogärtnerei. Einen Online Kochkurs soll es aber vorab schon geben:

"Da zeigen wir den Kids, was sie mit den Kräutern machen können. Und fragen sie: Habt ihr auch Ideen? Habt ihr auch Rezepte aus eurer Heimat? Das ist uns ganz wichtig. Deshalb haben wir auch die unterschiedlichen Kräuter gewählt: Koriander und Minze ist zum Beispiel dabei, aber auch Schnittlauch und Petersilie."

Gerda Kindelán Roché, Projektleiterin

Yasir und Mohammed wissen schon, was sie mir ihren Kräutern machen werden: Im Salat essen, "oder einfach so, schmeckt eh besser", sagen sie.

Weil das Projekt so erfolgreich war, plant ICOYA im nächsten Jahr ein großes Beet im öffentlichen Raum anzumieten. Dort können die Kinder nicht nur Kräuter, sondern auch Tomaten oder Zucchini anpflanzen.


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