B5 aktuell - Das interkulturelle Magazin


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Migrationsmuseum, Film und Literatur Grenzenlose Vielfalt

Viruelles Migrationsmuseum geht online // Buchtipp "König, Krim und Kasatschok" von Nikita Afanasjew // "Persona non grata" in den deutschen Kinos //

Von: Julia Smilga

Stand: 25.05.2018

Virtuelles Migrationsmuseum

München, Hauptbahnhof: Sonderzüge für Gastarbeiter

Eine Stadtlandschaft, in die man eintauchen und die Geschichte der Zuwanderer ab 1945 bis heute erleben kann. Das neue Virtuelle Migrationsmuseum erinnert an ein Computerspiel. Doch hinter der dreidimensionalen Objekten stecken reale Menschen und Schicksale. Hinter dem virtuellen Migrationsmuseum steht der Kölner Verein Domid, Dokumentationszentrum und Museum über Migrantengeschichte in Deutschland, das im Jahr 1990 gegründet wurde. Die Sammlung des Vereins zählt etwa 150 000 Exponate: Alltagsgegenstände, Briefe, Fotos, Dokumente. Ein Teil davon wurde für das Virtuelle Museum in 3D-Technik digitalisiert, knapp 50 Interviews mit Zeitzeugen wurden extra für das Projekt geführt. Am 28. Mai 2018 geht das Virtuelle Migrationsmuseum online.: virtuelles-migrationsmuseum.org

"Persona non grata"

Poster "Persona non grata" | Bild: Cellin Gluck

Poster "Persona non grata"

Litauen, 1940: Der Diplomat Chiune Sugihara wird kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ins litauische Kaunas beordert, um dort ein japanisches Konsulat zu eröffnen. Es geht um die zukünftige Allianz mit den Deutschen. Der Diplomat wird Zeuge, wie täglich immer mehr Juden aus Polen über die Grenzen strömen. Doch Litauen wird ihnen zur Falle, denn ein Konsulat nach dem anderen schließt. Chiune Sugihara weiß, was diesen Menschen beim Einmarsch der Deutschen droht. Er ignoriert die strikten Verbote seiner Vorgesetzen und vergibt unermüdlich Transit-Visa für Japan. Der japanische Konsul, dessen Heimatland selbst Verbündeter Deutschlands ist, rettet damit etwa 6000 Juden das Leben. Dabei gefährdet er sich selbst.
Die wahre Geschichte des japanischen Oskar Schindler, der als einziger Japaner in Israel als "Gerechter unter den Völkern" ausgezeichnet wurde, hat 2015 ein polnisch-japanisches Team verfilmt.
Am 31. Mai 2018 kommt der Film "Persona non grata" in die deutschen Kinos.

Nikita Afanasjew: "König, Krim und Kasatschok"

Nikita Afanasjew

Das erste Sachbuch des Journalisten Nikita Afanasjew ist ein Roadmovie und Spurensuche in der russischen Heimat zugleich. Afanasjew, der Anfang der 1990er Jahre als Zehnjähriger mit seinen Eltern aus der Stadt Tscheljabinsk nach Deutschland auswandert, versteht die plötzliche Putinliebe seines Vaters nicht.

Um zu verstehen, was im heutigen Russland passiert, was die Menschen dort wirklich denken, reiste Afanasjew zwei Monate lang durch seine Heimat: von Moskau über Kasan nach Tscheljabinsk und weiter nach Sibirien und auch auf die Krim. Er trifft ukrainische Journalisten und überzeugte Stalinisten, russische Hooligans und Polizisten, die sich selbst vor der Polizei verstecken müssen. "König, Krim und Kasatschok" ist ein persönliches und zugleich aktuelles Portrait eines Landes voller Widersprüche.

"Ich habe auf jeden Fall verstanden, was diese russische Weite ausmacht, weil ich sie physisch durchfahren habe. Dass einerseits die Menschen sehr stark auf sich selbst gestellt sind, andererseits auch diese Tradition haben, dass der starke Staat für sie sorgt (...) Und ich habe auf jeden Fall verstanden, wie sehr Russland nach innen ganz anders funktioniert, als nach außen."

Nikita Afanasjew


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