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Projekt der Bundeszentrale für Poltische Bildung "Migrantinnen in die Politik"

Etwas bewegen in der Gesellschaft, mitmischen, sich über das Ehrenamt hinaus engagieren – viele Frauen mit Migrationshintergrund würden das sehr gerne tun, sehen aber wenig Chancen dazu. Das soll sich ändern. Unter dem Titel "Migrantinnen in die Politik" hat die Bundeszentrale für politische Bildung einen Kurs finanziert.

Von: Ulrike Lefherz

Stand: 30.11.2018

Sonja Ango (r.) | Bild: BR, Ulrike Lefherz

In Bayern gibt es 2056 Gemeinden, bisher aber nur 178 Bürgermeisterinnen. In der Politik sind Frauen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Der Frauenanteil in Parlamenten liegt höchstens bei 30 Prozent. Und Menschen mit Migrationshintergrund sind erst recht nicht entsprechend ihres Bevölkerungsanteils in den Parlamenten vertreten, beklagt Reka Lörincz von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Bayern. In Bayern hat inzwischen jeder Fünfte Wurzeln im Ausland.

"Wenn ich mir den Bayerischen Landtag anschaue, da sind von 205 Abgeordneten, fünf mit Migrationshintergrund. Ganz bitter, weil Parlamente Spiegelbild der Gesellschaft sein sollten. Das sind sie auf keinen Fall, egal ob wir Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund uns anschauen."

Reka Lörincz

In der Politik mitzumischen ist für Frauen mit Migrationshintergrund doppelt schwer. Sie müssen die Frauenhürde und Migrantenhürde nehmen. In einer Fortbildung für interessierte Frauen hat Hanane Malki aus Eggenfelden viele Grundlagen-Informationen bekommen. Zum Beispiel, wie das mit dem Wählen genau geht. Hanane Malki stammt aus Marokko, studierte Germanistik und BWL, ist verheiratet mit einem Deutschen. Im niederbayerischen Eggenfelden rief die junge Mutter eine Internetplattform für aktive Frauen ins Leben. Das Kursangebot kam ihr gerade recht. 

"Die CSU hat Nachholbedarf bei den Frauen"

Wie funktioniert das politische System, welche Parlamente sind wofür zuständig, wie verhandelt man mit Männern über 50. All das waren Inhalte des mehrmonatigen Fortbildungskurses für Migrantinnen. Sie lernten, welche Partei wofür steht und wie sie sich bei Migranten-Themen positioniert. Hanane Malki hat sich für die CSU entschieden.

"In der Region wo ich bin, gibt es nur die CSU. Ich habe keinen Bock dass ich auf einer Partei sitze, wo ich das Gefühl habe, die werden nie regieren. Bei mir bleibt es CSU, auch wenn die Grünen ein paar Stimmen gewonnen haben. Ich habe ganz viele Freundinnen aus der CSU und die haben es auch nicht leicht. Das sind auch Frauen."

Hanane Malki

Die CSU habe Nachholbedarf bei den Frauen, sagt sie. Und diejenigen, die in der Politik aktiv sind, haben meistens keinen Beruf nebenbei, sondern sind finanziell über die Ehemänner abgesichert. Hanane Malki ist Betriebswirtin und in Fassadentechnik spezialisiert. Und will bei der Frauenunion Rottal-Inn demnächst Vorsitzende werden. Sonja Ango dagegen tendiert mehr zu den Grünen. Die 34-jährige Münchnerin lebte schon in Togo, in Benin, in Frankreich und Deutschland.

Sonja Ango spricht sechs Sprachen fließend, lernt gerade die siebte, portugiesisch. Sie arbeitet als Übersetzerin in einem Pharma-Unternehmen. Und studiert nebenbei internationales Projektmanagement. Sonja Ango sieht sich später mal in einer Führungsposition. Am Kurs für Migrantinnen hat ihr vor allem das Rhetorik-Seminar gefallen, der persönliche Austausch mit den anderen Frauen, interessante Biographien kennenzulernen. Und die Perspektive, die sich zum Mitmischen auftut.

In Augsburg ist Marija Jehle bereits aktiv geworden. Ihr Vater war Bürgermeister auf einer Insel im Kosovo, die Politik wurde jeweils am Mittagstisch diskutiert. Marija Jehle ist zweite Vorsitzende des Integrationsbeirates. Und war von den Einblicken in die kommunalpolitische Praxis beeindruckt. Ob sie weiteres politisches Engagement neben Vollzeitberuf und Familie in ihrem Leben noch unterbringen kann, ist sich Marija noch nicht so sicher.

Hanane Malki gibt jungen Frauen einen Tipp mit auf den Weg. Augen auf bei der Partnerwahl. Und abklären, wie der Zukünftige zu Hausarbeit und Kinderbetreuung steht. Denn dieses Thema betrifft Frauen, die etwas bewegen wollen, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund.


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