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Antidiskriminierung im Netz "Hallo ich bin Meta - ich bin ein Chatbot und helfe"

Wer Diskriminierung erfährt, weiß oft nicht, wie er oder sie sich wehren soll und hat Hemmungen, sich bei einer Beratungsstelle Hilfe zu holen. Das will Said Haider mit "Meta", dem ersten Online- Beratungs-Chatbot gegen Diskriminierung und Rassismus ändern.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 25.03.2021 14:02 Uhr

Schriftzug "Gegen Rassismus in den Köpfen | Bild: picture-alliance/dpa

"Wir haben gesagt, wenn es keiner macht, dann machen wir es eben. Weil wir Betroffene sind und Freunde haben, die betroffen sind und wahrscheinlich mal Kinder haben werden, die betroffen sein werden."

Said Haider, Meta

Mit Diskriminierung und Alltagsrassismus kennt sich Said Haider, der Erfinder des ersten Online-Antidiskriminierungs-Chatbot, aus. Der 36-jährige Jurist ist Mitglied der YouTube-Comedy Gruppe "Datteltäter". Eigene Erfahrungen, sowie die seiner Follower hätten ihm vor allem eines gezeigt: Diskriminierung ist und bleibt eine gesellschaftliche Herausforderung. Betroffen davon seien nicht nur People of Colour, schwarze, muslimische oder queere Menschen, sondern auch Frauen und Menschen mit Behinderung, sagt Said Haider.

"Die Mehrheit der Betroffenen kennen ihre Rechte nicht. Sich in Situationen, wo man Diskriminierung erfährt, eine Lösung zu suchen ohne seine Rechte zu kennen, ist quasi unmöglich."

Said Haider

Für jeden zugänglich, anonym, jederzeit verfügbar und kostenlos

Der 36-jährige Jurist begann nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Warum nicht einen Online-Chatbot für die Antidiskriminierungsberatung nutzen? Ähnlich dem Roboter-Programm, das etwa große Firmen für ihren Kundenservice einsetzen. Ein Chatbot ist für jeden zugänglich, anonym, jederzeit verfügbar und auch kostenlos. So war die Idee zu "Meta" geboren.

"Das Charmante an Meta ist, dass du mit einem ganz normalen Gespräch anfängst. Du kannst deinen Namen sagen, oder nicht. Meta kann dir helfen, deine Rechte zu klären, eine Beratungsstelle zu finden oder einfach nur einen Vorfall zu melden."

Said Haider

Viel zu wenige Beratungsstellen

Oft sei es für Betroffene schwierig an Informationen heranzukommen. Da könne ein Online-Chatbot hilfreich sein. Ein persönliches Gespräch mit einem menschlichen Berater könne der Chatbot auf dem Computer aber noch nicht ersetzen, sagt Mitinitiatorin Meryem Can, die als ITlerin die technische Leitung von "Meta" übernommen hat

"Wir möchten auf gar keinen Fall die Funktion von Beratungsstellen aushebeln, sondern wir möchten 'Meta' einfach nur als Brücke zu diesen Beratungsstellen sehen. Das heißt, dass man sich durch 'Meta' direkt an eine Beratungsstelle wenden kann."

Meryem Can, technische Leitung 'Meta'

Fakt sei aber, dass es viel zu wenige Beratungsstellen gebe, sagt die 31-Jährige. Das bestätigt auch die neue Studie der Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit "Claim", die nicht nur beklagt, dass es keine flächendeckenden Anlaufstellen, sondern auch zu wenig qualifizierte Fachkräfte für bestimmte Formen von Diskriminierung und Rassismus gibt:

"Wir haben festgestellt, dass es kaum Stellen gibt, die auf antimuslimischen Rassismus ausgerichtet sind (…) Viele Betroffene sind auf sich alleine gestellt und wissen nicht an wen sie sich wenden können."

Rima Hanano, Claim

Bei "Meta" könnten Ratsuchende auch rund um die Uhr Orientierung erhalten und an Anlaufstellen verwiesen werden. Durch seine einfache und anonymisierte Anwendung sei ein Chatbot auch für Menschen zugänglich, die Hemmungen oder wenig Vertrauen in Behörden haben. Denn Diskriminierung sei häufig mit Ohnmachtsgefühlen verbunden, sagt Rima Hanano.

Bedarf ermitteln

Erst einmal sei es wichtig zu wissen, wie viele Menschen betroffen sind, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, sagt Said Haider. Dass der Bedarf hoch sei, zeige die Nachfrage nach seinem Chatbot-Angebot. Mehr als 500 Personen haben in den ersten drei Wochen "Meta" genutzt. Und es könnten durchaus noch mehr werden, wenn das Programm bei den Zielgruppen bekannter wird. Um das zu bewerkstelligen könnte sich Meryem Can vorstellen, "Meta auf diversen Webseiten einzubinden.

Über finanzielle Unterstützung würde sich das "Meta"-Team freuen. Zwar hat die Frankfurter "Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft" die Entwicklung der ersten Stufe des Chatbots ermöglicht, seitdem aber arbeitet das Team ehrenamtlich. Mit zusätzlichen finanziellen Mitteln könnte man die Kapazitäten des Chatbots ausbauen und so durch die Verbindung von Technologie mit sozialem Impact die Online-Antidiskriminierungsarbeit noch weiter ins digitale Zeitalter führen, sagt Said Haider. Denn noch arbeite "Meta" mit einem Click-basierten System. Zukünftig aber soll das Programm mittels künstlicher Intelligenz über Spracherkennung funktionieren und so auf jedes Anliegen individuell regieren können.

"Das Ziel ist, dass wir irgendwann mit 'Meta' einen deutschlandweiten Bericht geben, der das Diskriminierungsklima darstellt, weil wir können nicht für Beratungsstellen argumentieren, wenn wir nicht wissen, wie groß das Problem ist."

Said Haider


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