B5 aktuell - Das interkulturelle Magazin


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Grenzenlose Vielfalt Die Kulturtipps der Woche

11. Internationales Menschenrechtsfilmfestival Nürnberg // Buchtipp "Die Vikinger" // Jüdisches Museum Augsburg - Rosch Haschana Fest //

Von: Roswitha Buchner

Stand: 27.09.2019

Ein schwarzer Junge in Samt und Brokat posiert in einem Wiener Salon des 18 Jahrhunderts. | Bild: Markus Schleinzer / Film AG

Um Einsamkeit und Entwurzelung geht es im Film „Angelo“, der kommende Woche auf dem 11. Internationalen Menschenrechtsfilmfestival Nürnberg zu sehen ist. Anfang des 18. Jahrhunderts wird eine Gruppe junger Sklaven von Afrika nach Europa verschleppt. Unter ihnen ist auch der 10-jährige Angelo, der sogleich von einer Wiener Comtesse zum Studienobjekt erwählt wird. Nachdem sie ihn einer umfassenden sprachlichen und musischen Ausbildung unterzogen hat, macht Angelo als Kammerdiener seinen Weg in die Wiener Gesellschaft. Dort wird er als europäisierter Exot herumgereicht von Adelshaus zu Adelhaus, bis ihm letztendlich klar wird, dass er trotz Bildung und Christianisierung dort  immer ein Fremdling bleiben wird .

Der zweite Spielfilm des österreichischen Regisseurs Markus Schleinzer basiert auf wahren Begebenheiten. Angelo Soliman, der im Jahr 1721 geboren wurde, gilt als eine der rätselhaftesten Figuren der Wiener Stadtgeschichte. Innerlich zerrissen zwischen Identitätssuche und Fremdzuschreibungen vereinsamt und verstummt Angelo innerhalb der engen höfischen Gesellschaft immer mehr. „Angelo“ ist ein politischer Film sagt Regisseur Markus Schleinzer:

"Weil er sich mit Themen und Begriffen auseinandersetzt, die es immer schon gegeben hat und die zu jeder Zeit unterschiedlich wichtig oder unterschiedlich stark oder schwach diskutiert wurden. Ich glaube, dass Themen wie Heimat, Migration, das Anderssein, das Andersartige , das gab´s zu jeder Zeit."

Markus Schleinzer, Regisseur

„Angelo“ kommt am 9. November in die deutschen Kinos. Vorab ist der Film am Donnerstag den 3. Oktober im kommkino und am Samstag, den 5. Oktober im kinoeins in Nürnberg zu sehen.

Deutschlands ältestes Filmfest zum Thema Menschenrechte

Das 11. internationale Menschenrechtsfilmfestival Nürnberg findert vom 2. bis zum 9. statt und ist Deutschlands größtes und ältestes Filmfest zum Thema Menschenrechte. Dieses Jahr liegt der Programmschwerpunkt auf queere Geflüchtete. So zeigt es etwa Enrico Masis Film „Shelter - Farewell to Eden“, der die Flucht des schwulen Pepsis nachzeichnet. Wegen seiner sexuellen Orientierung von der muslimischen Moro Sekte verfolgt, muss er sein Heimatland, die Philippinnen, verlassen und flieht über Libyen nach Europa. „Shelter – farewell to Eden“ ist am Samstag, den  05.Oktober im kommkino und am  06.Oktober im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg zu sehen.

Mit den Themen Flucht und Migration  befasst sich auch das „Breaking Borders – FluchtFilmFestival“ in Augsburg, das vom 4. bis zum 13.Oktober an verschiedenen Spielstätten stattfindet.

Jüdisches Museum Augsburg

Am Sonntag, den 29.9., begrüßen Juden in aller Welt das Neue Jahr mit dem zweitägigen Fest Rosch Haschana. Das Jüdische Museum Augsburg Schwaben zeigt aus diesem Anlass ab Donnerstag, den 3. Oktober eine Installation zu den Traditionen und Hintergründen des Fests und wie es in Augsburg und der Region gefeiert wurde und wird. Gestaltet haben die Installation Schülerinnen und Schülern der Hans-Adlhoch-Schule, die sich bei einem Workshop im Museum mit Rosch Haschana beschäftigt haben.

Buchtipp: "Die Wikinger"

Jeder meint sie zu kennen, die Wikinger. Wie ein Sturm fegten sie über das mittelalterliche Europa, brachten auf ihren Drachenschiffen Unheil und Verderben, plünderten und fürchteten weder Tod noch Teufel. Doch ganz so barbarisch war das legendäre Nordvolk offensichtlich nicht. Im gerade erschienen Buch „Die Wikinger“ räumt der Archäologe und Mediävist Matthias Toplak gemeinsam mit zahlreichen anderen Wikingerexperten gründlich mit diesem Mythos auf.

Basierend auf archäologischen und genetischen Forschungen des bereits verstorbenen Forschers Joern Staecker zeichnen die Wissenschaftler ein von der gängigen Vorstellung abweichendes Bild der tatsächlichen Lebenswirklichkeit der Wikinger. So sind etwa die Frauen in vielerlei Hinsicht gleichberechtigt gewesen, auch die sehr einseitige Vorstellung von den rabiaten Plünderern entkräftet Matthias Toplak. Die Wikinger seien  auch Händler und manchmal sogar Entdecker gewesen:

"Sie haben Amerika entdeckt, das war um das Jahr 1000 herum, durch einen Mann namens Leif Erikson und sind dann auf diesen offenen Booten von Grönland aus weiter nach Neufundland gesegelt."

Matthias Toplak, Archäologe und Mediävist

Wie die Wikinger es schafften, so rasend schnell zu expandieren gibt auch  heute noch Rätsel auf. Ihr Aktionsradius reichte von Skandinavien an die Ostküste Kanadas, über Großbritannien, Norddeutschland bis nach Russland. Religionskonflikte, Ressourcenkämpfe und Fragen nach Zugehörigkeit und Identität blieben da natürlich nicht aus, so Matthias Toplak. Themen, die uns auch heute wieder im Zusammenhang mit Mobilität und Migration beschäftigen. Das farbenprächtig illustrierte Buch „Die Wikinger“ ist im  Propyläen-Verlag erschienen und kostet 32 Euro.


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