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Bündnis gegen Rassismus "Kein Schlussstrich - 5 Jahre NSU-Prozess"

Das Ende im NSU- Prozess bedeutet für das "Bündnis gegen Naziterror und Rassismus" nicht das Ende der Auseinandersetzung mit dem NSU. Darauf soll Kampagne "Kein Schlussstrich" am Tag der Urteilsverkündung aufmerksam machen.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 29.06.2018

Logo: Kein Schlussstrich 5 Jahre NSU-Prozess | Bild: Bündnis gegen Naziterror und Rassismus München

Das Münchner „Bündnis gegen Naziterror und Rassismus“  will gegen die Nichtaufarbeitung des NSU- Terrors mobilisieren. Zusammen mit mehreren Initiativen und Einzelpersonen aus dem ganzen Bundesgebiet ruft die Kampagne zu Demonstrationen und Aktionen während der Urteilsverkündung im NSU Prozess auf.

"An der Urteilsverkündung werden wir eine Bühne in der Sandstraße, Ecke Nymphenburger haben, wo Reden gehalten werden, musikalische Beiträge, wo auch Betroffene wahrscheinlich von der Keupstraße sprechen. Und am Abend wird dann um 18 Uhr die Großdemonstration durch München ziehen, wo wir auch bundesweite Beteiligung erwarten."

Patrycja Kowalska, Sprecherin des 'Bündnisses gegen Naziterror und Rassismus'

Patrycja Kowalska

Mit dabei sind Gruppierungen wie "NSU Watch", die den Prozess am Oberlandesgericht München von Anfang an beobachteten, aber auch das Tribunal "NSU Komplex auflösen" und die "Initiative 6. April", die sich für die Betroffenen des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße einsetzt. Für das Münchener Bündnis ist klar: Der NSU Terror wurde nicht richtig aufgearbeitet. Denn die Bundesanwaltschaft beschränke sich nach wie vor auf das Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe und ignoriere so die Netzwerkstruktur des NSU, sagt Patrycja Kowalska.

Mehr offene Fragen als Antworten

Ohne rechtsextreme Strukturen wie etwa den Thüringer Heimatschutz um V-Mann Tino Brandt, Organisationen wie "Blood & Honour" und lokale Kameradschaften wäre der NSU nicht möglich gewesen, da ist sich das Münchner Bündnis sicher. Unabhängig vom Prozessausgang gebe es mehr offene Fragen als Antworten, sagt Patrycja Kowalska. Etwa die Rolle des Verfassungsschutzes im NSU Komplex.

Eine gesellschafltiche sowie eine juristische Aufklärung des NSU Komplexes sei nötig, fordert  die Kampagne "Kein Schlussstrich". Darüberhinaus ein Nachdenken über Rassismus generell. Denn Rassismus finde sich auch jenseits der Neonaziszene und der neuen Rechten wie AFD und Pegida. Rassismus ziehe sich durch die ganze Gesellschaft, so die Kampagne. Das zeige sich auch an den Ermittlungen in den NSU-Morden. Immer wieder seien Hinterbliebene der Opfer als Migranten selbst ins Visier der Ermittler geraten, sagt Patrycja Kowalska. Sie hofft, dass "Kein Schlussstrich" mit seinen Aktionen am Tag der Urteilsverkündung und darüberhinaus sowohl eine Entschädigung der Hinterbliebenenen der NSU-Opfer als auch eine Würdigung ihrer Sicht auf die Ereignisse erreichen kann.


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