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Empowersprechstunde "Juno - Eine Stimme für Flüchtlingsfrauen"

"JUNO" ist ein Projekt für Fraueninteressen, unterstützt von der Stadt München und vom Bayerischen Inneministerium. Alle Frauen sind herzlich zu den öffentlichen Treffen und Workshops dienstags im Bellevue di Monaco eingeladen.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 09.08.2018

Juno - Eine Stimme für Flüchtlingsfrauen | Bild: Juno - Eine Stimme für Flüchtlingsfrauen

Im Bellevue di Monaco in der Münchner Müllerstraße absolvieren zehn geflüchtete Frauen einen Selbstbehauptungskurs. Organisiert hat ihn die Initiative "JUNO- Eine Stimme für Flüchtlingsfrauen", die durch diverse Aktivitäten geflüchtete Frauen in München stärken und unterstützen will. Die Frauen, die am Workshop teilnehmen, kommen aus Somalia, Sierra Leone, Nigeria oder Ägypten. Viele haben einen traumatischen Fluchtweg hinter sich, allein oder mit kleinen Kindern. Es ist ungewohnt für sie, sich zu wehren oder laut zu schreien. Je länger sie das Schreien üben, umso lauter werden die Frauen. Zum Schluss trauen sie sich, auch körperlich Widerstand zu leisten. Für viele eine ganz neue Erfahrung.

"Ich habe viel gelernt und ich fühle mich wie in einer Familienatmosphäre, und das hilft, wenn man im Ausland ist und Hilfe braucht. Das ist ein Glück für mich."

Saba

Saba kam vor fünfeinhalb Jahren nach Deutschland. Seit einem Jahr besucht die 39-Jährige regelmäßig die Dienstagabend-Treffen im Bellevue di Monaco. Auch Sarah aus Sierra Leone kommt oft in die Müllerstraße.

"Wir haben zusammen gekocht. Ich habe viele Frauen kennengelernt, und wir haben zusammen getanzt, wir haben viel Spaß hier."

Sarah

Geschütztes Freizeit- und Integrationsangebot

Juno - Eine Stimme für Flüchtlingsfrauen

Sarah und Saba genießen die Möglichkeit, sich mit anderen Frauen aus verschiedensten Ländern austauschen zu können und auf diesem Wege auch mit einheimischen Frauen in Kontakt zu kommen. Und genau das sei das Ziel von JUNO, sagt Britta Coy, die das Projekt vor drei Jahren aufgebaut hat: Ein geschütztes Freizeit- und Integrationsangebot für geflüchtete Frauen zu etablieren.

"Weil wir gesehen haben, dass es viele Projekte gibt für Geflüchtete, aber die Frauen sind meistens unterrepräsentiert, weil sie aus kulturellen Gründen nicht mitmachen können, nicht mitmachen dürfen, schlechte Erfahrungen mit Männern, Gewalterfahrungen gemacht haben, sich nicht trauen."

Britta Coy

Neben den offenen Dienstagabend-Treffen, die mittlerweile wöchentlich zwischen 40 und 50 Frauen besuchen, bietet Britta Coy im Rahmen ihres Frauen-Projekts auch bayerisch-internationale Tanztreffen oder Rapworkshops an. Ausflüge, etwa ins Theater, zum Picknicken oder zum Baden an die Seen im Umland stehen ebenfalls auf dem Programm. Viele Frauen wollen zudem einen Schwimm- oder Fahrradkurs machen, sagt Britta Coy.

Empowermentsprechstunde

Britta Coy

Dank einer Gruppe Ehrenamtlicher und der Zusammenarbeit mit vielen Münchner Institutionen kann Britta Coy viele unterschiedliche Aktionen anbieten, die nicht nur Spaß machen, sondern auch Wissenswertes und Nützliches vermitteln. Dazu gehörte etwa der vor kurzem vom Frauengesundheitszentrum abgehaltene Aufklärungsworkshop.
Aufgrund des Freizeitprogramms komme die Hilfestellung bei individuellen Problemen oftmals zu kurz, sagt Britta Coy. Deshalb hat sie kürzlich eine spezielle Empowermentsprechstunde eingerichtet, in der Frauen bei  Familienproblemen beraten und bei der Suche nach einem Deutschkurs, einem Praktikumsplatz oder einer Arbeitsstelle unterstützt werden. Ein wichtiges Anliegen des JUNO-Projekts sei aber auch, geflüchteten Frauen in der Öffentlichkeit eine Stimme zu geben. Davon erhofft sich Britta Coy mehr Aufmerksamkeit, vielleicht auch mehr Schutz für geflüchtete Frauen, besonders im Asylverfahren. Für die Zukunft wünscht sie sich:

"Dass die Politik in Bayern menschlicher wird, dass auf die Menschen geschaut wird, und nicht auf politisches Kalkül. Weil es nochmal ein Unterschied ist, ob ich eine geflüchtete Frau oder einen geflüchteten Mann zurückschicke, selbst wenn Senegal ein sicheres Land ist. Ich kann keine junge Frau in den Senegal zurückschicken. Es ist eine muslimische Gesellschaft, die ist Freiwild und das kann ihr Todesurteil sein."

Britta Coy


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