B5 aktuell - Das interkulturelle Magazin


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Lyrik, Film und Musik Grenzenlose Vielfalt

Literarisch- musikalische Veranstaltung "Unsere Felder schreien Verrat" in der Hochschule für Musik und Theater in München // "A Fabrica de Nada" im Kino // Konzert vom "Wortart Ensemble" im Landshuter Salzstadel //

Von: Roswitha Buchner

Stand: 12.10.2018

"Unsere Felder schreien Verrat"

Das Münchner Abkommen beschäftigt die Tschechen bis heute, sagt Autor und Poetry Slammer Jaromir Konecny. Mit der Unterzeichnung dieses Vertrags am 29. September1938 verlor die damalige Tschechoslowakei ihr Vertrauen in die Westmächte. Mit ihrer Unterschrift beugten sich Englands und Frankreichs Regierungschefs Hitlers Forderung nach dem Anschluss des überwiegend deutschsprachigen Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Auch wenn sich der politische Widerstand der damaligen Tschechoslowakei in Grenzen hielt, wurde und wird bis heute die Haltung der westlichen Alliierten als Verat empfunden. Das hat sich auch in der tschechischen Literatur niedergeschlagen.

"Die Glocke gellt, gellt die Glocke Verrat, wessen Hand hat sie geläutet , du süßes Frankreich stolzes Albion, wir haben dich geliebt."

Gedicht aus dem Zyklus 'Torso der Hoffnung' von Frantisek Halas, 1938

Dieses und andere Gedichte jener Zeit werden der Schriftsteller Jaromir Konecny und der Schauspieler Stefan Hunstein in einem Lyrik- Abend zum 80. Jahrestag des Münchner Abkommens zweisprachig vortragen. Am Originalschauplatz der Unterzeichnung, im Kaminzimmer der heutigen Münchner Musikhochschule, dem damaligen Führerbau. Untermalt wird der Abend mit Musik von Leos Janacek, gespielt von Jan Cech am Klavier.

Die literarisch- musikalische Veranstaltung mit dem Titel "Unsere Felder schreien Verrat" findet am 15. Oktober um 20:00 Uhr in der Hochschule für Musik und Theater statt.

"A Fabrica de Nada"

Dem Diktat von oben widersetzen sich auch die Protagonisten des portugiesischen Films "A Fabrica de Nada". In einer Aufzugfabrik im krisengeschüttelten Portugal stellen die Arbeiter und Arbeiterinnen eines Morgens fest, dass alle Maschinen verschwunden sind. Die Führungsebene hat sie über Nacht abbauen und abtransportieren lassen. Zunächst reagieren die Beschäftigen geschockt. Ihnen ist klar, ihre Arbeit ist abgewickelt worden. Und sie sollen ebenso verschwinden wie die Maschinen. Was können sie tun? Sich fügen oder in Aktion treten, vielleicht sogar radikale Maßnahmen ergreifen? Nach langen Diskussionen beschließen sie, ihren Arbeitsplatz zu besetzen. Um den Stillstand und die Melancholie besser zu ertragen, beginnen sie sich langsam tänzerisch durch die leeren Fabrikräume zu bewegen und diese so ganz allmählich in ihren Besitz zu nehmen.

Diese Geschichte solle dazu anregen, über die Rolle der Arbeit im 20. Jahrhundert nachzudenken, sagt Regisseur Pedro Pinho. Denn die neue Situation in der Fabrik eröffnet den Arbeitern und Arbeiterinnen völlig neue überraschende Perspektiven. In melancholischen, teils komischen Szenen zeigt Pedro Pinho in "A Fabrica de Nada" die Skurrilität der Situation. Eine Lösung bietet der Film seinen Protagonisten zwar nicht an, bewahrt sie aber vor dem völligen Verschwinden und und gibt ihnen so ihre Würde zurück.

"A Fabrica de Nada“ ist ab Donnerstag den 18. Oktober im Kino zu sehen.

"Home Sweet Home - Lieder vom Kommen, Gehen und Bleiben"

Melancholisch stimmen auch die Lieder des Wortart Ensembles, die am 19. Oktober in Landshut zu hören sind.

"In dem Programm haben wir uns der Frage gewidmet: Wo find ich einen Platz in der Welt, wo fühl ich mich zuhause. Unser Konzept ist es, Lyrik zu vertonen und wir haben Lyriker unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Generationen zu Wort kommen lassen."

Lena Sundermeyer, Sopranistin 

Lyrische Texte von Rose Ausländer, Bertolt Brecht, Lily Brett, Hilde Domin und Adel Karasholi hat das A Capella-Ensemble für zwei Männer-  und zwei Frauenstimmen arrangiert und mit Einflüssen aus Klassik, Jazz und Pop zu einem ungewöhnlichen Klangerlebnis verwebt. Durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Stimmen der vier Sängerinnen und Sänger entfaltet sich eine ganz eigene Poetik der Sprache. Das Ergebnis sind berührende sehr persönliche Lieder. Von Abschied und Neuanfang, Heimatverlust und Sehnsucht nach Geborgenheit erzählen die Lieder des Wortart Ensembles und nicht zuletzt von der Suche nach einem Platz auf der Welt, den man "Zuhause" nennen kann.

Wortart Ensemble - "Home Sweet Home - Lieder vom Kommen, Gehen und Bleiben" sind am 19. Oktober im Landshuter Salzstadel zu hören.


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