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Verständigung und Vermittlung Islamberatung in Bayern

Die Eugen-Biser-Stiftung hat zusammen mit dem Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa und der Robert Bosch Stiftung eine Islamberatung in Bayern eingerichtet hat, die bei Konflikten zwischen Kommunen und muslimischen Gemeinschaften vermitteln kann.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 04.01.2019

Koran und Gebetskette | Bild: picture-alliance/dpa

Matthias Kress bekommt als Integrationsbeauftragter der Stadt Schweinfurt oft  auch Anfragen zum Islam und dem Umgang mit muslimischen Lebenswelten. Er freut sich, dass er sich seit dem 1. Januar 2019 an eine kompetente Anlaufstelle für Fragestellungen dieser Art wenden kann. Die kommunale Islamberatung hat die Eugen-Biser-Stiftung initiiert, auf der Basis einer Studie, die bayernweit untersuchte, wie der Austausch zwischen Kommunen und ihren muslimischen Bewohnern funktioniert.

"In dem Kontext hat sich gezeigt, dass wir dort Personen bräuchten, die authentisch, die akzeptiert sind, auf deren Stimme man auch hört."

Haci-Halil Uslucan, Direktor des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung, Universität Duisburg-Essen

Die Studie ergab unter anderem, dass sich sowohl Kommunalverwaltungen als auch Muslime gegenseitig als wenig transparent erleben. Das wiederum führe zu Missverständnissen und Vorbehalten, sagt Matthias Rohe vom Zentrum für Islam und Recht in Europa, das das Projekt bei der Analyse und Konzeption unterstützt. Auf beiden Seiten gebe es viele Fragen.

"Wenn ich irgendwo ein Problem habe, wen muss ich kontaktieren, wo gibts Beratungsstellen, was hab ich schon an eigenen Ressourcen?"

Matthias Rohe

Kostenlos und vertraulich

Das Erlanger Zentrum, das im Sommer eine eigene Studie, "Islam in Bayern", herausgegeben hat, forderte darin bereits eine zentrale Informations- und Beratungsstelle. Umso mehr freut sich Matthias Rohe nun beim neuen Beratungsangebot mitwirken zu können. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich. Sowohl Mitarbeiter von kommunalen wie von Wohlfahrtsinstitutionen, als auch muslimische Organisationen können sich mit ihren Fragen an die drei Berater der Eugen-Biser-Stiftung wenden, erklärt Projektleiter Stefan Zinsmeister.

Auch der bayerische Integrationsminister Joachim Herrmann begrüßt das Projekt. Er erhoffe, sich daraus auch Anregungen aus dem Alltag für das staatliche Handeln. Beispielsweise bei muslimischen Bestattungsriten oder Protesten von besorgten Bürgern gegen einen geplanten Moscheebau. Das bayerische Ministerium wolle auf jeden Fall eng mit der neuen Islamberatung zusammenarbeiten, betont der Minister. Zu einer möglichen Finanzierung des Projekts äußerte er sich jedoch verhalten. Die Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität lasse diese eigentlich nicht zu.

"Wir werden das beobachten, auch wie die Nachfrage seitens der Kommunen zum Beispiel in Bayern ist. Dann wird sich ergeben, wie bewährt sich das, und wollen wir das auf Dauer auch finanzieren?. Da werden wir dann auch sehen, inwieweit der Freistaat Bayern sich auch beteiligen soll."

Joachim Herrmann

Derzeit wird die Beratungsstelle finanziell von der Robert Bosch Stiftung unterstützt. Allerdings nur für einen Zeitraum von drei Jahren. Die Eugen-Biser-Stiftung hofft, dass ihr Projekt auch nach diesem Zeitrahmen fortgeführt wird. Demnächst soll ein Beirat gegründet werden, der sich aus Vertretern der Kommunen sowie muslimischen Organisationen zusammensetzt.

Das freut auch den Penzberger Imam Benjamin Idriz, der sich im "Münchner Forum für Islam" schon lange für einen interreligiösen Dialog einsetzt.

"Diese Stelle wird auch mit Moscheegemeinden kooperieren, das ist meine Hoffnung. Ich verstehe das auch als Brückenbauer zwischen der Mehrheitsgesellschaft, zwischen Kommunen und hoffentlich auch staatlichen Einrichtungen und mit der muslimischen Zivilgesellschaft."

Benjamin Idriz


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