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Ausbildung in Coronazeiten Wege in den Beruf für Geflüchtete

Die Schwierigkeiten vor denen geflüchtete Menschen stehen, um erfolgreich eine Ausbildung in Deutschland zu absolvieren, sind beachtlich. Der Verband IN Via begleitet mit seinem Programm WIB, junge Geflüchtete erfolgreich auf ihren Wegen in den Beruf.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 24.07.2020

Kurs im E-Schweißen | Bild: picture-alliance/dpa

Als ich nach Deutschland kam, habe ich zwei Jahre die Berufsschule besucht und dann die Mittelschule abgeschlossen. Es gibt bis jetzt kein Problem, aber jetzt will ich selbständig sein." Amleset Redae

Die 20- jährige Amleset Redae, die vor fünf Jahren allein aus Eritrea nach Deutschland kam, will endlich eigenständig leben, einen Beruf haben und eine eigene Wohnung. Auf ihrem Weg zum Ziel hilft ihr seit drei Jahren IN VIA in München. Der katholische Verband für Sozialarbeit unterstützt mit seinem Programm "Wege in den Beruf (WIB) junge Geflüchtete ab 16 Jahren durch Beratung und Begleitung bei der Berufsausbildung.

"Das Programm ist von der Stadt gefördert, weil man gesagt hat, das ist wichtig, dass die jungen Leute, die jetzt zu uns nach Deutschland gekommen sind, sich hier gut zurechtfinden, dass sie einen Beruf erlernen können und hier ihr eigenes Leben aufbauen."

Franziska Hannen

Ordensschwester Franziska Hannen berät beim WIB-Programm die Berufseinsteiger. Derzeit sind es 75 junge Geflüchtete, die daran teilnehmen. Viele andere stehen noch auf der Warteliste. 

Nachdem ein Ausbildungsplatz gefunden ist, beginnt die Betreuung durch IN VIA. Durch Kurse und Lernförderung etwa unterstützen Ehrenamtliche die Auszubildenden sich in der Berufsschule und im Betrieb zurecht zu finden. In Corona-Zeiten ist das besonders wichtig. Die Herausforderungen seien für junge Geflüchtete ohnehin groß: Unzureichende Sprachkenntnisse etwa, fehlende Fachbegriffe oder auch der bayerische Dialekt im Arbeitsalltag können Hürden sein. Dazu komme der hohe Erwartungsdruck der Familie im Herkunftsland, eine oft schwierige finanzielle Situation oder die Angst vor einer Abschiebung.

"Wenn zum Beispiel eine Ausbildung drei Jahre dauert und die Anfangsmotivation ist vorbei, dann gibt es oft noch mal so ein Tief und da ist es dann ganz wichtig, dass auch wir da sind."

Franziska Hannen

Oftmals sei es eine Mischung aus verschiedenen Risikofaktoren, die zu einer vorzeitigen Beendigung der Ausbildung bei jungen Geflüchteten führe. Dem versucht das WIB Konzept entgegenzuwirken: Durch Unterstützung und Beratung sowohl der Auszubildenden als auch der Ausbildungsbetriebe. Das Konzept scheint aufzugehen.

"Wir haben eine Erfolgsquote die erstaunlich hoch ist, die liegt jetzt bei 95 Prozent von denen, die wir begleiten, die dann auch den Abschluss schaffen (…) Viele sind auch schon weitergegangen und arbeiten jetzt irgendwie als Anlagemechaniker oder als Krankenpfleger."

Franziska Hannen

Die Wirtschaft brauche diese Leute mehr denn je, betont Schwester Franziska. Viele Geflüchtete machen Ausbildungen in Berufen mit einem hohen Fachkräftebedarf. Ein großer Teil von ihnen ist im systemrelevanten Pflegebereich tätig, oder im Handwerk, wo seit Jahren ebenfalls viele Lehrstellen unbesetzt bleiben. Dennoch können geduldete Flüchtlinge trotz einer Ausbildung in einem systemrelevanten Beruf jederzeit abgeschoben werden. Das bereitet nicht nur den Geflüchteten, sondern auch den ausbildenden Betrieben Sorgen. Deshalb berät IN VIA die Geflüchteten auch in asylrechtlichen Fragen. Darüber hinaus bekommen sie Informationen über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten vor und während der Ausbildung, und werden bei Behördenschriftverkehr oder auch bei der Wohnungssuche unterstützt.

"Wir kooperieren jetzt auch mit der WOGENO, der Wohnbaugenossenschaft, damit wir dann auch weitreichendere Perspektiven bieten können und sie dann auch ein selbständiges Wohnen in einer anderen Umgebung lernen, wo das Miteinander auch mit Deutschen in einer nachbarschaftlichen Form möglich wird."

Franziska Hannen

Da viele unter posttraumatischen Symptomen durch Erfahrungen vor und während der Flucht leiden, sei dieses Miteinander besonders wichtig, so Schwester Franziska. Deshalb werden auch Gruppen-, und Freizeitaktivitäten angeboten.

"Wir schauen einfach was wir tun können, damit es gut weitergeht. So ein bisschen Familie oder dieses Zugehörigkeitsgefühl ist, glaub ich ganz entscheidend, dass ich da nicht so verloren bin in dieser großen Stadt."

Franziska Hannen

 


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