B5 aktuell - Das interkulturelle Magazin


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Film, Ausstellung, Literatur und Musik Grenzenlose Vielfalt

"Termeh" - Iranisches Kulturfest im Münchner Gasteig // Buchvorstellung "Ich bin Özlem" von Dilek Güngör // Ausstellung "Währenddessen an einem anderen Ort" im Tschechischen Zentrum München // Konzert von "Hainides" im Münchner Feierwerk //

Stand: 07.02.2019

"Termeh" - 3. Iranisches Kulturfest

Der iranische Dichter und Übersetzer Hossein Mansouri verdankt seiner Adoptivmutter Forough Farrokhzad sein Leben. Die berühmte iranische Lyrikerin und Filmemacherin machte sich 1962 auf den Weg in ein iranisches Lepra-Ghetto, um einen Film über die Welt der Aussätzigen zu drehen.

"Zähle mir ein paar schöne Dinge auf" fordert der Lehrer im Film "Das Haus ist schwarz" einen kleinen Jungen in der Schule des Lepra Dorfes auf. "Mond, Sonne, Blume, Spiel", antwortet der kleine Junge. Vier Worte, die Hossein Mansouris Leben verändern. Denn die Filmemacherin Forough Farrokhzad entwickelt eine so starke Zuneigung zu dem Kind, dass sie es adoptiert und so aus dem Lepraghetto befreit. Am 13. Februar 2019, dem Todestag von Forough Farrokhzad, die 1967 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam, wird Hossein  Mansouri über seine Erinnerungen sprechen. Bei einem Gedenkabend im Münchner Gasteig, an dem auch der Film "Das Haus ist schwarz" gezeigt wird. Der Abend am 12. Februar bildet den Auftakt zum iranischen Kultur Festival "Termeh", das dieses Jahr zum dritten Mal in München stattfindet. Mit Ausstellungen, Theaterstücken, Filmen und Konzerten will es die große Bandbreite iranischer Kunst hierzulande sichtbarer zu machen.

Das Iranische Kultur Festival "Termeh" findet vom 12. bis 24. Februar im Münchner Gasteig und im Maxim Kino statt.

"Ich bin Özlem"

Wer bestimmt, wer wo dazugehört? Das fragt sich die Autorin und Journalistin Dilek Güngör schon lange. Auch in ihrem neuen Buch "Ich bin Özlem" geht es um das Sichbehaupten in einer Gesellschaft, die stets nach Zugehörigkeit, Identität und Herkunft fragt.

"Mein Roman erzählt von einer Frau, die immer, wenn sie von sich spricht, von der Migrationsgeschichte ihrer Eltern anfängt. Sie glaubt, dass es der genaueste und der chronologisch richtigste Weg sei, über sich zu erzählen, und es kommt der Moment, an dem sie begreift, wie sehr sie sich mit dieser Zuschreibung der anderen, also: Özlem aus der Türkei, identifiziert hat, dass sie von sich selbst gar nicht anders mehr sprechen kann."

Dilek Güngör

1972 als Kind türkischer Eltern in Schwäbisch Gmünd geboren, kennt Dilek Güngör dieses Gefühl, nicht dazu zu gehören nur zu gut. In ihrem Roman beschreibt sie mit frappierender Offenheit, wie sich die Wut bei ihrer Protagonistin Özlem über die ständigen Fremdzuschriebungen langsam Bahn bricht. Die Situation eskaliert bei einem Streit mit Freunden über die richtige Schulwahl der Kinder. Gefühle wie Ausgrenzung, Scham, Neid, Selbstmitleid und gegenseitige Rassismusvorwürfe stehen plötzlich im Raum. Sensibel beschreibt Diek Güngör, wie schwierig es für Özlem ist zu lernen, ihre Geschichte selbst zu erzählen, unabhängig von der Migrationsgeschichte ihrer Eltern.

"Ich bin Özlem" erscheint am 15.Februar 2019 im Verbrecher Verlag

"Währenddessen an einem anderen Ort"

Die meisterhaft gezeichneten Abenteuer des eigenbrötlerischen tschechischen Fahrdienstleiters Alois Nebel mit der dicken Brille aus der gleichnamigen Graphic Novel genießen mittlerweile auch hierzulande Kultstatus. Die unbewältigte Vergangenheit seines Protagonisten, den Zweiten Weltkrieg, die Vertreibung der Deutschen und die sowjetische Besatzung, hat der tschechische Comickünstler Jaromir 99 mit holzschnittartigen Schwarz-weiß-Zeichnungen gekonnt ins Bild gesetzt. Themen, die auch andere Zeichner seines Landes beschäftigen, wie die Ausstellung "Währenddessen an einem anderen Ort" zeigt, die derzeit im Tschechischen Zentrum in München zu sehen ist.

"Wir wollten indirekt an das 100-jährige Jubiläum der Entstehung der damaligen Tschechoslowakei anknüpfen, aus einer anderen Perspektive. Das heißt, der Besucher der Ausstellung bekommt etwas Einblick in die Geschichte der Republik."

Jiri Rosenkranz, Leiter Tschechisches Zentrum München

Der beeindruckende Querschnitt durch 100 Jahre tschechische Comicgeschichte, in dem auch bekannte Figuren wie der jüdische Golem oder der Soldat Schweijk auftauchen, zeigt vor allem eines: Wie sehr historische Themen das künstlerische Schaffen in Tschechien zwischen Freiheit und strikter Zensur prägten.

Die Ausstellung "Währenddessen an einem anderen Ort" ist noch bis 7. März 2019 im Tschechischen Zentrum in München zu sehen.

Hainides

Von Kreta nach Kleinasien in den Orient und wieder zurück auf den Balkan führt die musikalische Reise der griechischen Gruppe Hainides, die am 15. Februar in München zu hören ist. Das achtköpfige Musikkollektiv, das sich 1990 im kretischen Heraklion gründete, vereint mit seiner reich orchestrierten Musikmischung aus Jazz und traditionellen Elementen mit feinsinnigen Texten Orient und Okzident.

Hainides, am 15. Februar 2019 in der Kranhalle im Münchner Feierwerk


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