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Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer Keine Willkommenskultur mehr?

Der politische Ton in der Flüchtlingsdebatte wird zunehmend rauer. Die CSU beispielsweise äußert sich regelmäßig in scharfen Worten wie unlängst Andreas Scheuer. Er prangerte an, dass gut integrierte Senegalsen nicht mehr so einfach abgeschoben werden können. Wie wirkt sich das auf Menschen aus, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren, und was bedeutet es für ihre Arbeit?

Stand: 23.09.2016

Gelebte Willkommenskultur, die manchmal gar keiner Worte bedarf | Bild: BR

Die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer wird immer schwerer - durch die deutsche Politik, sagt Birgit Epp aus Fürstenfeldbruck.

Im Asylhelferkreis Fürstenfeldbruck engagieren sich gut 70 Ehrenamtliche. Sie sind angesichts der aktuellen politischen Debatte zum Thema Flüchtlingspolitik geknickt. Die Verschärfung der Asylgesetze gehe nicht nur zu Lasten der Flüchtlinge, sondern auch zu Lasten der Helferkreise. Zum Beispiel, wenn Asylbewerber aus so genannten sicheren Herkunftsländern keine Detuschkurse mehr bekommen, dann unterrichten die Ehrenamtlichen sie. Andere Flüchtlinge dürfen nicht mehr arbeiten, dabei hatten sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag, hätten in Deutschland Steuern gezahlt und jetzt warten sie auf ihre Abschiebung und der deutsche Staat muss sie unterhalten. Und auch die Motivation der ehrenamtlichen Helfer leidet stark durch den Gegenwind aus der Politik.

"Ich finde die Debatte richtig frustrierend, weil die Arbeit für uns immer schwerer wird. Die Flüchtlinge bekommen auch mit, dass sie hier nicht mehr willkommen sind."

Birgit Epp, Asylhelferkreis Fürstenfeldbruck

Es verlassen immer mehr Ehrenamtliche den Asylhelferkreis Fürstenfeldbruck. Sie sind frustriert.

"Es ist so schlimm, dass man fast überhaupt keine Lust mehr verspürt, die Arbeit fortzusetzen. Ich frag mich oft, warum dieses C noch in dem Parteinamen drin steht. Es hat nichts mit christlichem Denken zu tun. Die wollen Wähler von der AfD bekommen und deshalb wird der Ton immer rassistischer. Man muss schon befürchten, dass wir Helfer auch bald attackiert werden."

Helmut Heinz, Asylhelferkreis Fürstenfeldbruck

Trotz der oft rassistischen Hetze sei allerdings die Stimmung unter den Helfern insgesamt noch gut. Andere Helfer wie bei der Caritas München sehen eher die bürokratischen Hürden als Problem denn die fremdenfeindlichen Töne aus der Politik. Allerdings unterstützen Sprüche wie die von Andreas Scheuer sie auch nicht.

"Die Aussagen von Andreas Scheuer beinhalten ja, jemand, der gute Integrationsarbeit leistet, der schadet eigentlich."

Marina Lessig, Münchner Caritas


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