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Die ganz besondere Schule Deutsch lernen bei Edeltraud

Edeltraud - der Name klingt alt und deutsch. Genau die richtige Bezeichnung für ein Begegnungszentrum, in dem es um die deutsche Kultur und Sprache geht, möchte man meinen. Es ist eine besondere Schule, in der es um die Sprache beim Essen, Malen, Musizieren, im Yoga-Kurs oder im Kino geht. Mit Zugereisten, Einheimischen, jungen und alten Menschen.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 02.03.2018

Edeltraud | Bild: BR

München Laim. Freitagabend . Konzentrierte Aufmerksamkeit herrscht in den  Räumlichkeiten des Sprach-,  und Kulturzentrums "Edeltraud". Rund zwanzig Deutschlerner aus Italien, Spanien, England, Israel, Amerika, China und der Türkei haben sich hier zum "Meet and Read" versammelt. Heute werden die Känguru- Chroniken von Marc Uwe Kling gelesen, erzählt Jakob Ben Basat.  Der junge Israeli, der seit  eineinhalb Jahren in  München lebt, kommt regelmäßig hierher,  um sein Deutsch zu verbessern. Gerade geht es um den Ausdruck: "Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen." Einige der Teilnehmer nicken wissend. Gemma Ballestriero aus Italien kennt die Wendung nicht, obwohl sie schon  auf dem Gymnasium Deutsch gelernt hat:

"Mein Problem sind die Wörter, ich kenne die Grammatik gut,  aber hier geht es um den Sinn von Wörtern."

Gemma Ballestriero

Low-Budget-Lernangebot

Die 34-jährige ist nach ihrem Jurastudium nach München gekommen, um ihr Deutsch aufzufrischen. Damit habe sie später in Italien bei der Jobsuche bessere Chancen, sagt sie. Der heutige Leseabend hat die Italienerin gerade mal drei Euro gekostet:

"Das Lesen ist schon ein Stück weit wirklich ein 'Low Budget'-Lernangebot mit Wörtererklärungen,  auch mit Grammatikerklärungen und für manche Leute, die kein Geld haben, ist es die einzige Möglichkeit, dass sie überhaupt Unterricht kriegen. Weil nicht alle kriegen ja Integrationskurse , es gibt ja auch Leute aus den EU- Ländern die da oft rausfallen aus dieser Förderung, die aber auch Unterricht brauchen und auch schon hier arbeiten wollen und sich das eben dann selbst finanzieren müssen."

Stephanie Olbrich, Lehrerin

Und  so sei der "German Conversation Club Munich" geboren worden, sagt Olbrich. Im Mai 2017 mit dem Schwerpunkt, die deutsche Sprache zu  lernen, die deutsche Kultur, München kennen zu lernen und das bayerische Umland. Das Konzept ging auf. Der "German Conversation Club" fand immer mehr Zulauf. Bereits im Dezember zählte er 3.200 Mitglieder. So beschloss Stephanie Olbrich schließlich ein kleines interkulturelles Zentrum zu gründen. Die "Edeltraud", benannt nach ihrer Großmutter, bietet neben den Angeboten des "German Conversation Clubs", wie Ausflügen,  Lese-, Spiel-, und Filmabenden auch regulären Deutschunterricht an. Durch diesen finanziere sich das kleine Non-Profit Unternehmen, sagt Stephanie Olbrich. Darüber hinaus stecke aber auch viel unbezahlte ehrenamtliche Arbeit im Projekt. Vor allem aber Herzblut. Das merken auch die Schüler:

"Ich hab einen B1 Plus- Kurs gemacht im November und ich finde den Kurs super und toll und die Lehrerin ist aufrichtig und mit Begeisterung beim Lehren, das ist wichtig, das ist ein wirklich gut Erlebnis."

Julie Strickland, Schülerin

Schüler und Lehrerin beim gemeinsamen Essen.

Für die 47- jährige Engländerin, die vor einem Jahr der Liebe wegen nach Deutschland kam,  ist die  "Edeltraud" eine Art Familie geworden. Sie kommt ins Zentrum nicht nur zum Unterricht oder den  Meetups,  sondern auch zu Ausstellungen oder Konzerten, die hier regelmäßig stattfinden. Angeboten werden auch Deutsch- Konversationskurse anderer Art. Zum Beispiel mit einem  pensionierten Kunstlehrer malen und basteln und sich dabei über Kunst unterhalten oder in Yogastunden die deutschen Bezeichnungen für die Körperteile kennenlernen. Wer Lust  hat, kann auch mit einem Musiklehrer gemeinsam  jammen, oder beim Sonntagsbruch gemütlich mit anderen zusammen die deutschen Zeitungen studieren.

"Für die Leute, die hier neu sind, ist es eine schöne Möglichkeit Leute kennen zu lernen und zwar regelmäßig. Das ist ganz oft so, dass die  Leute, die hier einmal herkommen öfter kommen und zwar auch wenn die hier keine Kurse machen. Die wollen einfach noch mehr Freunde und mehr Kontakte haben auch zu Deutschen."

Stepahnie Olbrich

Demnächst soll es auch eine Kooperation mit dem Alten-,  und Servicezentrum Laim geben, wo Senioren und Deutschlehrer zusammenkommen. Eine "Win Win- Situation" für beide Seiten. Die Senioren bekommen Gesellschaft und können neue Kontakte knüpfen und die Deutschlerner verbessern ihre Sprachkenntnisse.


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