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Projekt "Beruflich anerkannt?!" Talentscouts für Flüchtlinge

Das Projekt "Beruflich anerkannt?!" der AGABY ist im März 2016 erweitert worden – mit Talentscouts, die die Flüchtlinge gezielt individuell beraten und bei der Arbeitssuche helfen. Jetzt wurde Bilanz gezogen.

Von: Eleonore Birkenstock

Stand: 15.12.2017

Flüchtlingsberatung | Bild: picture-alliance/dpa

Abd Alkrem Alsalem ist 33 Jahre alt. Vor zwei Jahren kam er aus Syrien nach Deutschland. In Aleppo hat er Pharmazie studiert. Zuletzt hat er in Rakka als Apotheker gearbeitet. Bei dem Weg zur Anerkennung seines Abschlusses bekommt er Unterstützung von Ludwig Simek, einem von vier Talentscouts des Projekts "Beruflich anerkannt?!" in Bayern. Simek berät in Niederbayern und in der Oberpfalz Zuwanderer und ist dafür in den Städten als auch in ländlichen Gebieten unterwegs. Besonders auf dem Land fehlt es an guter Beratung.

"Ich glaube, dass viele Menschen über das Anerkennungsverfahren gar nicht Bescheid wissen. Auch bei den Jobcenter oder bei den Ehrenamtlichen, die nicht daran denken, dass man die Qualifikationen hier anerkennen lassen kann."

Ludwig Simek, Talentscout

Ein langwieriger Weg durch die deutsche Bürokratie

Für die Anerkennung eines Berufs- oder Universitätsabschlusses gibt es unterschiedliche Stellen an verschiedenen Orten: örtliche Handwerkskammern zum Beispiel. Ärzte müssen sich an die Regierung Oberbayern wenden. Das muss man erst einmal wissen. Bei der Anerkennung wird genau geprüft. Die Geflüchteten müssen Unterlagen einreichen, Qualifikationen nachholen oder die Fachsprache lernen. Ein manchmal langwieriger Weg durch die deutsche Bürokratie. Die Talentscouts sollen dabei unterstützen, helfen, beraten.

Die vier bayerischen Talentscouts beraten nicht nur Geflüchtete, sondern auch andere Zuwanderer, darunter Spätaussiedler. Es ist eine Erfahrung aus früheren Zuwanderungswellen, etwa die der Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion: Viele ihrer Berufsabschlüsse wurden nicht anerkannt. Eine Ingenieurin als Putzfrau, das soll es nicht mehr geben. In Bayern arbeiten derzeit 48 000 Menschen mit Fluchthintergrund. 46 000 sind derzeit noch in Sprach- oder Integrationskursen. Was Mitraf Sharifi von AGABY allerdings in Bayern für schwierig hält, ist die restriktive Abschiebepolitik junger Berufsschüler.

Es gibt, was die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt angeht, noch viele Hürden und Hindernisse zu überwinden. Die Integration von Flüchtlingen sei eben kein Sprint, sondern ein Marathonlauf, heißt es immer wieder – auch von Politikern. Bleibt man in diesem sportlichen Bild, muss man sagen: Alle Beteiligten befinden sich gerade mal auf den ersten Kilometern.  


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