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Zwei Sprachen, eine Message MiX!T - Gebärdensprache und Mundart

Rolf Perrollaz ist gehörlos und gebärdensprachlicher Sänger, Gaston Perroud ist hörend und Mundart-Rapper. Das Besondere: keiner übersetzt den anderen. Sie schreiben ihre Texte gemeinsam - in beiden Sprachen. Ihre Auftritte sind gleichermaßen für Hörende wie Gehörlose.

Von: Steffi Wolf

Stand: 25.10.2019

Rolf und Gaston zeigen gemeinsam die Gebärde ihres Bandnamens "MiX!T" | Bild: BR / Steffi Wolf

Gaston hört auf den Beat, Rolf rappt auf die Vibrationen, die rhythmisch zu spüren sind. Das ergibt dann die besondere Mischung von MiX!T.

Das wissen insbesondere die gehörlosen Fans dieser schweizer Band zu schätzen. Denn aktuell ist ein alter Streit neu entflammt, ob und wie Musik für Gehörlose auf Bühnen dargestellt werden soll. Im Fokus des Streits stehen hörende Musikdolmetscherinnen und Musikdolmetscher, die auf großen Konzerten immer häufiger eingesetzt werden. Das ist doch Inklusion, oder etwa nicht? - so werden die meisten Hörenden denken.

Der große Vorwurf der Gehörlosen an die prominenten Musikdolmetschenden: deren Gebärden zur Musik seien mehr Show als Sprache. Die Grammatik stimme oft nicht - und die Texte seien deshalb schwer oder gar nicht verständlich. Außerdem werde da die Gebärdensprache - die Sprache der Gehörlosen - vermarktet und Inklusion gefeiert, ohne dass ein Gehörloser davon profitiere.

Daher lautet eine der Forderungen der Gehörlosen: Es sollen gehörlose Musikdolmetscher auf die Bühnen.

Bei Gaston und Rolf gibt es darum freilich keine Diskussion.

"Wir zeigen keine Übersetzungen! Ist nicht mein Ziel, dass ich seine Gebärden übersetze oder er meine Worte übersetzt, sondern dass wir etwas Schönes, Künstlerisches schaffen, das in beiden Sprachen ungefähr das gleiche Bild vermittelt und die gleichen Gefühle."

Gaston Perroud

MiX!T: Rolf (links) und Gaston (rechts), Gaston zeigt die Gebärde von "MiX!T"

Genauso gibt es bei MiX!T keine Diskussion um Inklusion. Die passiert bei Gaston und Rolf und deren hörenden Bandmitgliedern automatisch - und nicht, weil sie sich ein inklusives Projekt vorgenommen hätten. Denn gefunden haben sie sich zufällig über eine gemeinsame Bekannte.

Gaston konnte damals schon gebärden, eine Sprache, die er für seinen Beruf im sozialpädagogischen Bereich neu gelernt hat.

"Ich habe vorher schon Gebärdensprachkunst gemacht, Poesie, Visual Vernacular, Erzählungen, Dichtungen, Poetry Slam und ich wollte eine neue Herausforderung und ich hab gewusst: Ich liebe Musik."

Rolf Perrollaz

Rolf hat mehrere Preise auf bekannten Gebärdensprach-Festivals gewonnen. Seine Poesiekünste sind durchaus geschätzt.

Auf den Konzerten von MiX!T werden die Refrains inzwischen vom Publikum begeistert mitgebärdet und mitgesungen. Es ist Musik für die Augen und für die Ohren.

Lesen Sie hier das Manuskript zum Radiobeitrag nach.


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