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Haarausfall Warum wir Haare verlieren

Die häufigste Form des Haarverlustes ist der genetisch bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie). Er betrifft etwa die Hälfte aller Männer und circa zehn bis 20 Prozent der Frauen.

Von: Holger Kiesel

Stand: 02.07.2019

graue Haare, kahle Stellen | Bild: colourbox.com

Am zweithäufigsten tritt der kreisrunde Haarausfall auf (Alopecia areata). Hier handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Haarwurzeln 'gelähmt', aber nicht zerstört werden. Deshalb können die Haare, die hier oft sehr rasch fleckenweise ausfallen, auch durchaus wieder nachwachsen. Heilungsmöglichkeiten gibt es hier allerdings kaum. Meist bleibt nur der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe.

Seltenere Gründe für Haarausfall

Eine dritte Form ist diffuser Haarausfall, der verschiedenste Ursachen haben kann, wie z.B. Eisenmangel, eine Schilddrüsen-Funktionsstörung, eine Syphilis-Infektion oder Hautkrankheiten wie die sogenannte 'Knötchenflechte' (lichen ruber). Seltener sind genetische Störungen, die die Haarstruktur schädigen oder das Haarwachstum ganz verhindern oder Pilzinfektionen, etwa durch Kleintiere wie junge Katzen oder Meerschweinchen (vor allem bei Kindern).

Prävention bei Haarausfall

Es gibt kaum Möglichkeiten, Haarausfall präventiv entgegenzuwirken. Ausnahme: Frauen sollten auf eine ausreichende Eisenzufuhr über die Ernährung achten. Ein Zusammenhang zwischen Stress und Haarausfall ist bislang nur eine Hypothese.

Therapie bei Haarausfall

Es gibt einige wenige therapeutische Methoden, die bei Glatzenbildung bzw. Haarlichtung aufgrund von erblich bedingtem Haarausfall tatsächlich helfen können. Als erstes ist hier minoxidilhaltiges Haarwasser zu nennen. Minoxidil weitet die Blutgefäße und verbessert dadurch die Nährstoffversorgung der Haare, was den Haarverlust bremst. Gegen Glatzenbildung beim Mann gibt es noch die 'Glatzenpille' Finasterid. Allerdings gibt es hier durch den Begriff Post-Finasterid-Syndrom zunehmend Verunsicherung. Bei Frauen mit zu viel männlichen Hormonen, können so genannte 'antiandrogene Pillen' die die ungünstige Testosteron-Wirkung hemmen.

Wichtig:

Es handelt sich jeweils nur um Symptomtherapien. Die genetischen Ursachen für Haarausfall können nicht geändert werden.

Andere Erkrankungen der Haare

Erkrankungen der Haare basieren meist auf Schädigungen in der Haarwurzel, auch Störungen der Haarstruktur. Eine seltene Anomalie der Haarschäfte ist beispielsweise das sogenannte 'Struwwelpeter-Syndrom'. Hier hat der Haarfaden eine Art Furche, so dass das Haar kaum frisiert werden kann, sobald es etwas länger ist. Mangelerscheinungen an Vitaminen oder Mineralstoffen kommen bei uns fast nie vor, können aber in seltenen Fällen zu sprödem, glanzlosem und brüchigem Haar führen.

Das Geschäft mit den Haarwuchsmitteln

Die Werbung preist mittlerweile Dutzende vermeintlicher Wundermittel gegen Haarausfall an. Praktisch bei keinem dieser Wässerchen und Tinkturen, oder auch Prozeduren, ist eine Wirkung wissenschaftlich überzeugend nachgewiesen worden.

"Fast alle Behauptungen, die Wirksamkeit dieser Mittel sei in einem Labor 'dermatologisch getestet' worden, beruhen meiner Ansicht nach auf unzureichenden Untersuchungsverfahren! Relativ neu und teuer, aber ebenfalls nur fraglich wirksam sind Therapien mit 'Platelet Rich Plasma', Mesotherapie oder so genannten Haar-Stammzellen."

Prof. Hans Wolff, Leiter der Haarsprechstunde am Hautklinikum der LMU München.


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