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Chemie im Fisch Umstrittener Futtermittelzusatz belastet Lachs

Lachs gilt als Delikatesse und gesund obendrein. Doch was passiert, wenn Zuchtlachse mit Fischfutter gefüttert werden, das mit der umstrittenen Chemikalie Ethoxyquin konserviert ist? Fakt ist: Die Chemikalie lässt sich im Fleisch der Fische nachweisen. Und kommt damit auf den Teller der Verbraucher.

Von: Veronika Wagner

Stand: 16.12.2015

Zuchtlachs | Bild: picture-alliance/dpa

Am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg untersuchen Dr. Björn Hardebusch und sein Team regelmäßig Lachs. 65 Proben haben sie bei der letzten Untersuchung analysiert. Und sind dabei immer wieder auf Ethoxyquin gestoßen.

"Als Ergebnis kann man sagen, dass in allen konventionellen Produkten EQ-Rückstände nachweisbar waren. Bis auf fünf Produkte, wo die Gehalte unter der Nachweisgrenze waren. Bei den Bioprodukten haben wir kein EQ nachgewiesen. Oder nur sehr geringe Mengen, unterhalb der Nachweisgrenze."

Dr. Björn Hardebusch, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg

Ethoxyquin in Proben nachweisbar

Ethoxyquin soll dafür sorgen, dass Fischfutter nicht ranzig wird.

Das heißt konkret: Nur Bio-Lachs ist nahezu frei von Ethoxyquin, in fast allen anderen Lachsfilets findet sich der Stoff: Ein sogenanntes Antioxidans, das dafür sorgt, dass das Fischfutter nicht ranzig wird. Auch als Pflanzenschutzmittel wurde Ethoxyquin eingesetzt. Doch innerhalb der EU ist der Stoff seit 2011 als Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen. Als Futtermittel darf er trotzdem weiter verwendet werden. Absurd!

Wirkung auf den Menschen unbekannt

Dr. Björn Hardebusch und sein Team fanden in fast allen konventionellen Produkten EQ-Rückstände.

Für den Toxikologen Prof. Daniel Dietrich von der Universität Konstanz ist klar: Er möchte Ethoxyquin nicht in seinem Körper haben. Auch wenn wegen der geringen Mengen, die wir über ein Stück Lachs aufnehmen, wohl keine direkte Gesundheitsgefahr besteht. Aber - betont Prof. Dietrich: Es gibt keine Daten zu möglichen Auswirkungen von Ethoxyquin auf den menschlichen Organismus.

Und es gibt keine Grenzwerte für Ethoxyquin im Fisch: Für Gemüse, Obst, Nüsse oder Fleisch schon, nicht aber für Fisch. Und so ist es legal, mit Ethoxyquin belasteten Fisch zu verkaufen. Denn der als Pflanzenschutzmittel verbotene Stoff ist als Futtermittel ja erlaubt.

Statement zu norwegischem Zuchtlachs und Ethoxyquin vom 16.12.2015 Format: PDF Größe: 76,57 KB

Industrie hält Ethoxyquin für unbedenklich

Die Fischindustrie selbst sieht keinerlei Gefahr. Der Norwegian Seafood Council schreibt dem Bayerischen Rundfunk, die in norwegischen Aquakulturen produzierten Zuchtlachse würden regelmäßig kontrolliert, auch auf Rückstände von Ethoxyquin. Die dabei festgestellten Werte seien gesundheitlich unbedenklich.

"Norwegischer Zuchtlachs ist gesund. Der Norwegische Wissenschaftliche Ausschuss für Lebensmittelsicherheit analysiert im Auftrag des Gesundheitsministeriums seit zwei Jahren sämtliche Forschungs- und Kontrollergebnisse und ist zu folgendem Ergebnis gekommen: Man kann pro Woche 1 Kilo Zuchtlachs zu sich nehmen ohne irgendeinen negativen gesundheitlichen Effekt zu haben."

Norwegian Seafood Council

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat gerade Futtermittelzusatzstoffe geprüft und  festgestellt: Es fehlen Daten, um für Ethoxyquin eine abschließende Bewertung der Sicherheit für Verbraucher vorzunehmen. Jetzt muss die EU-Kommission entscheiden ...


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