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Terrorkrieg im Internet Die mörderische Strategie des IS

Der Westen steht im Fadenkreuz der Gotteskrieger des selbsternannten Islamischen Staates (IS). Dabei dient das Internet als Waffe, die der IS unterschiedlich einsetzt. Zum einen werden brutale Gräueltaten mit der Kamera festgehalten, zu hochprofessionellen Videos verarbeitet und weltweit verbreitet. Diese Bilder dienen als Abschreckung und Propaganda zugleich. Doch auch Rekrutierung von Kämpfern aus dem Westen sowie die Generierung von Finanzmitteln geschehen mit Hilfe des Internets.

Von: Sabina Wolf, Ahmet Senyurt und Joseph Röhmel

Stand: 17.07.2015 | Archiv

Cyber-Dschihad | Bild: Reuters (RNSP)

Unterstützer radikal islamischer Gruppen, die bereit sind Cyber Jihad zu begehen, leben überall in Westeuropa, heißt es aus Sicherheitskreisen. Einen mutmaßlichen Cyber-Jihadisten aus Ostbayern, gegen den die Generalbundesanwaltschaft wegen versuchter Bildung einer Terroristischen Vereinigung ermittelt, berichtet gegenüber dem ARD Politmagazin report MÜNCHEN exklusiv, was Cyber Jihad für ihn bedeutet:

"Cyber Jihad, das kann ja sehr viele Sachen bedeuten: Das kann einerseits im Hinblick auf dieses Interview Propaganda über das Internet bedeuten. Es kann auch bedeuten, dass man israelische Bankkonten hackt und das Geld transferiert. Jede Aktion, die den Jihad weiterbringt, für die man das Internet verwendet, könnte man dem Cyber-Jihad zuordnen."

Mutmaßlicher Cyber-Jihadist aus Ostbayern

"Zur Hölle ihr Charlie-Hebdo Schweine"

Eine Analyse der blutigen Anschläge vom vergangenen Januar, unter anderem auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" und einen koscheren Supermarkt in Paris Januar, bei denen 17 Menschen ermordet wurden, zeigt, wie der IS seine Kriegsführung organisiert.

Noch während die Anschläge stattfinden, greifen behördenbekannte islamistische Gruppen aus Nordafrika 19.000 französische Webseiten an, führen sogenannte Webseiten "Defacements" durch. Sie ersetzen die eigentliche Webseite unter anderem von Rathäusern und Unternehmen mit zynischen Botschaften wie: "Zur Hölle ihr Charlie-Hebdo Schweine".

Hass-Propaganda nach Anschlag

Ein weiterer Beleg für die den Terrorakt begleitenden Internetaktivitäten des IS: Der gleiche Satz "Je suis Charlie", "Ich bin Charlie", eigentlich ein Satz der weltweit die Solidarität mit den Terroropfern von Paris ausdrückt, erscheint kurz nach den Terroranschlägen auf dem Titelblatt des offiziellen Sprachorgans, ein Hochglanz-Online Magazin des IS. Darin wird auch ein vorproduziertes Interview mit Amedy Coulibaly, einem der Pariser Massenmörder, veröffentlicht - eine infame und wohl überlegte Hass-Propaganda.

Für Thomas Flichy de La Neuville, Professor an der Universität von Paris IV – Sorbonne, der zum IS forscht, liegt das Kriegsziel des IS klar auf der Hand:

"Ziel des islamischen Staates ist es, den Westen zu erobern. Über dieses Kriegsziel sollten wir uns im Klaren sein!"

Thomas Flichy de La Neuville, Professor an der Universität von Paris IV

"Globaler Jihad ein Produkt des Internets"

Cyber Jihad zu begehen, ist durch verschiedene Fatwahs ausdrücklich erlaubt. Alles, was den Westen zerstöre, sei ein Kriegsmittel, das es anzuwenden gelte, heißt es auf islamistischen Webseiten. Hacking sei ein legitimer und heiliger Akt.

"Ich ermuntere junge Leute nachdrücklich dazu elektronischen JIHAD durchzuführen."

Tareq Al-Suwaidan, Islamistischer Prediger der Muslim-Bruderschaft

Der IS längst könnte nicht eine so rasant wachsende Anhängerschar in aller Welt gewinnen, wenn es eine Kontrolle des Internets gäbe, mahnt Yigal Carmon, Präsident des Middle East Media Research Institute (MEMRI):

"Man kann die Entwicklung des globalen Jihads nicht ohne das Internet betrachten. Eigentlich ist er ein Produkt des Internets! Der Westen hat das nicht verstanden und keine Maßnahmen getroffen, um sich zu schützen."

Yigal Carmon, MEMRI-Präsident

Die Inhalte, die der IS über seine Cyber Jihadisten über die so genannten sozialen Medien wie Twitter oder Facebook in die ganze Welt schickt, sind oftmals klar illegal, etwa dann, wenn sie dazu aufrufen "Ungläubige zu töten". Dass es nicht verboten ist, solche Inhalte über soziale Medien zu verbreiten, hält Yigal Carmon für skandalös.

Frankreich hat Anit-Terror Gesetz verabschiedet

Auf Anfrage des ARD Politmagazins ARD report MÜNCHEN, warum illegale Botschaften des IS verbreitet werden können, teilt das innerhalb der Bundesregierung zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit, das einschlägige Telemediengesetz folge den Vorgaben des europäischen Rechts (RL 2000/31/EG), das nun allerdings überprüft werden solle.

Die Bundesregierung unterstütze nachdrücklich das Ziel der Europäischen Kommission, "die Zurverfügungstellung und Weiterverbreitung illegaler Inhalte im Internet zu unterbinden". Allerdings, so das Ministerium, sei "unter anderem der Datenschutz, insbesondere das Fernmeldegeheimnis, und das Recht auf freie Meinungsäußerung zu beachten".

Frankreich wollte nicht so lange warten. Das Land hat im Februar ein Anti-Terror Gesetz verabschiedet, das es der Regierung künftig ermöglicht, Webseiten mit terroristischem Inhalt innerhalb kürzester Zeit durch Provider sperren zu lassen. 

Für Thomas Flichy de La Neuville, Professor an der Universität von Paris IV – Sorbonne, könne der IS allein durch technologische Antworten nicht bekämpft werden.

"In der Realität kann die einzige Antwort nur darin bestehen, diesen kriminellen und brutalen Destabilisierungsversuchen, die wir hier im Westen erleben, eine kulturelle Identität entgegen zu setzen, eine starke humanistische Identität!"

Professor Thomas Flichy de La Neuville


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