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Zu wenig Zeit und Unterstützung Rektoren an Grund- und Mittelschulen am Limit

Integration, Inklusion, Ganztagesbetreuung. Die Aufgaben eines Schulleiters sind vielfältig und haben in den letzten Jahren zugenommen. Die Rektoren an bayerischen Grund- und Mittelschulen klagen über zu wenig Zeit und zu wenig Unterstützung.

Von: Julia Zöller und Sebastian Grosser

Stand: 03.03.2018

Das Amt des Schulleiters sei unattraktiv geworden, kritisiert der Bayerische Schulleitungsverband. In den nächsten zehn Jahren könnte das zu einem schwerwiegenden Problem werden. Dann dürften von den derzeit 2.624 bayerischen Schulleitern etwa 1.200 in Pension gehen. Das entspricht um die 45 Prozent.

Der Job bringt viel Arbeit, aber kaum mehr Geld

"Ich denke, es wird schwierig, diese Stellen zu besetzen", sagt Helmut Schuster vom BSV. Denn trotz mehr Verantwortung: Ein Schulleiter an Grund- und Mittelschulen verdient nur geringfügig mehr als ein Lehrer. "Je nachdem, in welchen Steuersatz man ist, sind es vielleicht 100 Euro mehr netto im Monat", sagt Schuster. Das gleiche das Mehr an Aufgaben aber nicht aus:

"Vergiss die großen Ferien. Ein Schulleiter hat da drei Wochen in der Schule zu tun. Das ist keine Rechnung, die sich finanziell lohnt. Sondern das muss dann einer schon wirklich wollen."

Helmut Schuster (BSV)

Die, die in diesem Job bereits arbeiten, nehmen das in Kauf. Sie plagt eher, dass von Seiten des Kultusministeriums nur wenig Unterstützung kommt. Der Ärger ist groß, zumal es an weiterführenden Schulen besser läuft. So seien Gymnasien wesentlich besser ausgestattet, so der BSV. Ein Schulleiter an einem Gymnasium verfüge über mehr Verwaltungsangestellte und mehr Anrechnungsstunden, um seine Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Außerdem müssen der Rektor wie der Konrektor an Gymnasien weniger Unterricht halten. "Bei uns tut sich nichts. Wir sind da immer noch am kämpfen", sagt Schuster, der selbst eine Grund- und Mittelschule in der Oberpfalz leitet.

Kultusministerium kündigt neue Stellen an

In Neu-Ulm haben 40 Schulleiter in einem Brandbrief an das zuständige Kultusministerium nun auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Ein Antwort haben sie nicht erhalten, angeblich weil sie ihren Brief über den Post- und nicht über den Dienstweg eingeschickt haben sollen. Stattdessen teilt das Kultusministerium über eine Pressemitteilung Ende dieser Woche mit, dass im Zuge des Nachtragshaushalts demnächst 150 neue Verwaltungsstellen zur Verfügung gestellt werden. Allerdings: Nur die Hälfte davon gehen an die Grund- und Mittelschulen.

Laut Kultusministerium sollen die bayerischen Schulleiter 150 neue Stellen für mehr Leitungszeit erhalten.

"Die zusätzlichen Stellen für Leitungszeit und für Verwaltungsangestellte sind auch Ausdruck der Wertschätzung, die Schulleitungen und ihre engsten Mitarbeiterinnen verdienen. Wir knüpfen damit auch an vielfältige Maßnahmen an, die Situation der Schulleitungen zu verbessern"

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle in der Pressemitteilung

"Ich befürchte, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt BSV-Sprecher Schuster. Er vermisst den großen Wurf. Denn mit Inklusion, Integration, Ganztagesbetreuung, LehrplanPlus sind die Aufgaben in den letzten Jahren wesentlich mehr geworden.

"Was nötig wäre, ist die Erkenntnis, dass der Job des Schulleiters ein eigener Beruf ist und nicht von einer Lehrkraft im Nebenjob gemacht werden kann."

Helmut Schuster (BSV)

BSV warnt vor Rektorenmangel

Anders als in anderen Bundesländern ist die Anzahl der unbesetzten Schulleiterposten noch gering. In Bayern sind 19 Schulen ohne Führung. Allerdings warnt der BSV: Früher habe es auf eine vakante Schulleiterstelle zahlreiche Bewerber gegeben. Nun sind manche Stellen mehrfach ausgeschrieben. Ein Warnsignal. "Das ist eine ganz, ganz wichtige Stelle. Und die muss bestens besetzt werden. Die müssen wir hegen und pflegen und unterstützen", sagt Schuster. "Wenn es so ist, dass man sich als Ausputzer für alles vorkommt, und es wird alles auf die Schulleitung abgeschoben, ohne entsprechende Ausstattung zu bekommen, braucht man sich nicht wundern, dass sich immer mehr fernhalten davon."


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