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Zwischen Kiez und Kriminalität Der „Görlitzer Park“ ist das Labor der Berliner Politik

Dröhnende Musik, Grills und Verkaufsstände sind an diesem 1. Mai im „Görli“ verboten. Stattdessen heißt das Motto der Bezirksregierung Friedrichshain-Kreuzberg „Ein ganz normaler Tag im Park. Normal? Der Görlitzer-Park ist schließlich der größte Drogenumschlagsplatz Berlins.

Von: Ernst-Ludwig von Aster

Stand: 25.04.2019

"Es ist ein Labor“, sagt Cengiz Demirci und schaut nachdenklich über die großen Grünflächen, auf denen Hundebesitzer, Freizeitkicker, Roma-Familien zusammentreffen. Der stämmige 46jährige ist beim Bezirk angestellter Parkmanager und zuständig für ein möglichst friedliches und tolerantes Miteinander in dem ungewöhnlichen Berliner Park. Zu Demircis Klientel gehören auch die vielen Drogendealer.

Bis zu 250 Dealer im Sommer

Bis zu 250 Männer machen, wenn es warm wird, ihre Geschäfte mit Marihuana im „Görlitzer Park“. Die meisten stammen aus Schwarzafrika oder dem Maghreb. Angeblich halten sie sich mittlerweile an Vereinbarungen. Das behauptet jedenfalls Parkmanager Demirci: „Da haben wir mit denen mehr oder weniger einen Vertrag, mündlich. Es werden keine Kinder und Jugendliche angesprochen, Frauen sexistisch nicht angemacht.“

Anwohner wollen Spielregeln für den Park

Die Null-Toleranz-Politik des früheren Berliner Innensenators Frank Henkel von der CDU erwies sich als erfolglos. Trotz Razzien tauchten die Dealer immer wieder auf. 2017 wurde diese Politik aufgegeben. Die rot-rot-grüne Regierung drückt heute wieder beide Augen zu. Anwohner des Parks aber wollen Spielregeln, damit sich Frauen und Kinder sicherer fühlen können. Und auch damit weniger laute Partys stattfinden. Es gibt deshalb einen Parkrat, gewählt von 12. 000 Anwohnern, der sich alle zwei Wochen trifft. „Hier ist jeder Busch politisch“ lautet die Philosophie. 

Im Notfall wird die Polizei gerufen

Außerdem sind zwischen den Liegewiesen und Bolzplätzen „Parkläufer“ unterwegs, die in ihren grünen Polo-Shirts mit Aufdrucken als solche erkennbar sind. Wie zum Beispiel „Solo“ aus Guinea, der praktischerweise mehrere Sprachen Westafrikas spricht. Auf seinen Touren versorgt er betrunkene Jugendliche, zeigt die fürs Grillen reservierte Bereiche, schickt die Dealer von den Eingängen fort, damit sie dort nicht Spalier stehen, weiter ins Innere des Parks. Im Notfall holen die „Parkläufer“ auch die Polizei. Im vergangenen Winter passierte allerdings trotzdem eine Messestecherei, bei der zwei Menschen schwer verletzt worden. Der „Görli“ bleibt weiter ein gesellschaftspolitisches Labor, in dem es brodelt.


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