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Bienchen und Blümchen Die Zigarette danach und gerne einen Kaffee

Summend fliegen sie von Blüte zu Blüte, tauchen ihre Rüssel tief in die bunten Kelche und saugen gierig den Nektar auf. Aus dem Fleiß der Bienen wird später feiner Honig. Forscher haben allerdings entdeckt, dass Bienen dabei eine Vorliebe für Drogen im Nektar haben. Sind die Sammlerinnen süchtig?

Stand: 31.07.2013

Biene flätzt mit Zgarette und Kaffe auf einer Blüte | Bild: BR / Christian Sonnberger

Eine fleißige Honigbiene besucht rund 3.000 Blüten am Tag, gelockt von ihrem Duft und suchend nach dem süßen Nektar im Blütenkelch. Den produzieren die Blühpflanzen ganz gezielt, um die Insekten anzulocken. Denn wenn sich die Biene nach dem süßen Trank reckt, streift sie dabei die Pollen der Pflanzen und trägt sie mit sich von Blümchen zu Blümchen. Es ist ein einfacher Handel, den die Blüten anbieten: Befruchte mich und ich geb' dir dafür Kraft.

Bienen mögen's heiß

Energieaufwand

Biene sammelt Lavendel-Nektar.

Das Sammeln von Nektar ist anstrengend: Fliegen, Blüten auswählen, Nektar aufsaugen und beladen zum Bienenstock zurückkehren – all das kostet die Bienen viel Energie, vor allem, wenn es kühl ist. Diese Energie wird durch die Zuckerlösung des gesammelten Nektars gestillt. Bisher dachten Biologen, die Bienen würden deshalb vor allem vom Zuckergehalt und der Zusammensetzung des Nektars einer Blüte geleitet werden, wenn sie über eine üppige Blumenwiese fliegen. Doch Susan Nicolson von der südafrikanischen University of Pretoria hat in einer Studie mit zehn Freiland-Bienenvölkern unter kontrollierten Bedingungen herausgefunden, dass auch die Temperatur und die Viskosität des Nektars entscheidend sein können.

Energie sparen

Biene sammelt Nektar an einer Narzisse.

Um die benötigte Energie zu gewinnen, verbrennen Bienen Zucker des eingesaugten Nektars. Es gibt Pflanzen wie Narzissen, die ihren Nektar bis zu acht Grad wärmer halten können, als die Umgebungstemperatur ist. Schlürfen die Bienen diesen warmen Nektar, führt ihnen das mehr Energie zu. Je wärmer der Nektar ist, desto flüssiger ist er – je flüssiger er ist, desto leichter und schneller lässt er sich einsaugen. Das spart der Biene eine Menge Energie.

Wärme bevorzugt

Biene sammelt Honig an einer Distel.

Die Studie zeigt: Je wärmer die Zuckerlösung des Nektars war, desto mehr trank die Biene. Zudem entschieden sich die Bienen häufiger für die flüssigere Lösungen und tranken auch jeweils mehr davon. Offenbar, so das Fazit der Forscher, ist die höhere Flüssigkeit ein wichtiger Grund, der die Bienen den wärmeren Nektar favorisieren lässt. Der wärmere Nektar hilft den Bienen, die eigene Körpertemperatur vor allem an kühlen Tagen hochzuhalten, gleichzeitig lässt sich der Nektar schneller und mit weniger Energie aufsaugen.

Fitnessdrink im Blütenkelch

Lust auf Süßes

Der Blütennektar besteht vor allem aus Zucker. Er soll die fliegenden Bestäuber fit machen. Doch ein paar Blüten mischen dem Fitness-Getränk noch Drogen unter: Im Nektar mancher Pflanzen findet sich auch Nikotin oder Koffein - und diese "Drinks" sind unter Bienen offenbar besonders begehrt, wie eine Studie im Februar 2010 gezeigt hat.

Eine Filterlose und zwei Tassen Espresso für die Bienen

Koffein

Der Nektar der Strauchtabakblüte etwa enthält bis zu 2,5 Milligramm Nikotin pro Liter - das entspricht etwa der Menge im Rauch einer filterlosen Zigarette. Koffein findet sich vor allem in Zitruspflanzen: 11 bis 17,5 Milligramm pro Liter sind je nach Art im Nektar zu finden. Der Mokka unter den Pflanzen ist dabei der Grapefruitbaum: Jeder Liter seines Nektars enthält ganze 94,5 Milligramm Koffein - das entspricht etwa zwei Tassen Espresso. Allerdings muss eine Biene für einen Liter Nektar rund 100.000 Blüten aussaugen.

Biene beim Drogenkonsum erwischt

Wählerisch

Forscher des Instituts für Umwelt- und Evolutionsbiologie der israelischen Universität Haifa-Oranim haben entdeckt, dass Bienen eindeutig den Blütennektar bevorzugen, der Koffein oder Nikotin enthält: In einer Versuchsreihe boten sie Bienen eine ganze Auswahl verschiedener Nektararten an. Der Nektar war künstlich hergestellt und enthielt je nach Sorte unterschiedliche Mengen an Zucker sowie Nikotin oder Koffein. Auch drogenfreier Nektar war stets im Angebot. Doch der wurde von den Bienen verschmäht.

Maßvolle Genießer

Außer in einem Fall: Enthielt der mit Nikotin versetzte Kunstnektar zuviel des Giftstoffes, zeigten sich die Bienen enthaltsam und bevorzugten den reinen Zuckernektar. Die Pollensammlerinnen gönnten sich nur dann den Nikotin-Nektar, wenn er nicht mehr als 1 Milligramm der Droge pro Liter enthielt - entsprechend der Dosis, die üblicherweise in der Natur vorkommt.

Evolutionärer Drogendeal

Tief verborgene Blütengeheimnisse

Stellt sich die Frage, warum mancher Pflanzennektar überhaupt Gifte wie Koffein und Nikotin enthält. In stärkeren Dosen sind beide Stoffe für die bestäubenden Insekten äußerst schädlich. Warum produzieren die Pflanzen sie dann überhaupt? Die israelischen Wissenschaftler haben darauf eine einfache Antwort: Diese Pflanzen verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Vielleicht treiben sie die Bienen "absichtlich" in die Abhängigkeit, damit ihre Blüten öfter besucht und ihre Pollen besser verbreitet werden.

Koffein stärkt Langzeitgedächtnis der Bienen

Das natürliche Koffein bietet sowohl Vorteile für die Bienen als auch für die Pflanzen. Dies teilten britische Biologen von der Universität Newcastle Anfang März 2013 mit: Bei den Bienen verändert es die Gehirnstruktur und stärkt ihr Langzeitgedächtnis. Die Insekten erinnern sich länger an den Standort der Futterpflanzen und können so ihre Sammelleistungen steigern. Die Pflanzen wiederum erhalten treue Bestäuber.

Sucht oder Genuss?

Doch ob die Bienen wirklich drogensüchtig sind, können beide Studien nicht belegen, betonten die Forscherteams. Aus beiden Ergebnissen geht jedoch hervor, dass die Bienen die Stoffe nur in niedrigen Dosen mögen, eine zu starke Konzentration stößt sie ab. Weitere Studien sollen zeigen, ob die Bienen von Koffein und Nikotin abhängig werden.

Drogen im Honig?

Aus Blütennektar wird Honig

1 Liter Blütennektar ergibt zwischen 200 und 300 Gramm Honig. In einem 500-Gramm-Honigglas könnte sich also theoretisch so viel Nikotin befinden, wie Sie beim Rauchen von zwei filterlosen Zigaretten inhalieren würden. Vorausgesetzt, das Bienenvolk, von dem der Honig stammt, lebt inmitten einer Tabakplantage. Bislang wurde allerdings nicht untersucht, ob die Körper der Bienen die Drogen nicht selbst konsumieren. Honigliebhaber hierzulande sind kaum gefährdet: Tabak- und Zitruspflanzen sind eher eine Rarität auf dem Speiseplan von Bayerns Bienen.

  • "Wir in Bayern - Honigkunde": am 9.10.2012 um 15:30 Uhr, BR Fernsehen

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