B5 aktuell - Aus Wissenschaft und Technik


21

Bienenforscher Tautz Bienen ins Dunkel ihres Bienenstocks folgen

Bienenforscher Jürgen Tautz von der Universität Würzburg beobachtet das Leben der Bienen in einem natürlichen Bienenstock. Dazu arbeitet er mit Wärme- und Infrarotkamera sowie Roboter.

Stand: 03.01.2018

Bienenforschung: Untersuchungen an einem natürlichen Bienenstock | Bild:  Foto: Helga R. Heilmann/Hobos - picture-alliance/dpa

Bienen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, war bisher kaum möglich. Der Würzburger Bienenexperte Jürgen Tautz versucht dies seit 2015 als weltweit erster Forscher. Normalerweise leben Bienen in hohlen Baumstämmen, doch bisher konnte man die Tiere in der Dunkelheit nicht beobachten, ohne sie dabei zu stören oder in ihr Leben einzugreifen.

"Wir werden die Tiere zum ersten Mal von Beginn an unter ungestörten Bedingungen und im Dunkeln erforschen."

Jürgen Tautz, Universität Würzburg

Bienen sich selbst überlassen

Bienen fliegen zu einem natürlichen Bienenstock

Um dieses Projekt umzusetzen, hat er auf dem Werksgelände des Autoherstellers Audi in Münchmünster nahe Ingolstadt eine völlig neue Bienenforschungsstation aufgebaut: In einer Art fensterlosen Gartenhütte können die Bienen ein- und ausfliegen und ihr Bienennest im Dauerdunkel frei von der Decke herab bauen. Niemand greift in ihren Bienenstock ein, füttert zu oder behandelt die Tiere in irgendeiner Form. Es gibt weitere Forschungsstationen in Würzburg und Bad Schwartau.

Roboter als stiller Beobachter

Smart HOBOS auf dem Audi Werksgelände Münchmünster

Neben einer Raumbeobachtungskamera zeichnet Roboter Kuka mit Infrarot-, Wärmebild- und 3D-Erfassungssystem alle Daten der Bienen und des Raums auf: Bewegungen, Geräusche, Temperaturen sowie Veränderungen im Bienenstock. Auch Sensoren im Inneren der "Laube" übermitteln Daten. Das alles ist bei Tag und Nacht möglich, ohne dass ein Mensch die Tiere im Bienenhaus stören würde.

Neuer Versuchsaufbau

Imker bei der Arbeit

Darin liegt der Unterschied zu bisherigen sogenannten Beobachtungsstöcken, wie sie auch in Würzburg und Bad Schwartau genutzt werden. Untersucht werden die Bienenvölker hier, indem zwei Bienenwaben senkrecht übereinander angeordnet wurden und die Bienen durch eine Glasscheibe im hellen Licht zu sehen waren.

Dabei sind die Bienenvölker in Zargen und auf Wabenrähmchen untergebracht, wie sie auch Imker zur Bienenhaltung einsetzen. So haben Jürgen Tautz und seine Kollegen viel über die Vorgänge im Bienenvolk unter diesen Haltungsbedingungen gelernt. Aber: Diese Bienenhaltung unterscheidet sich eben doch von den natürlichen Zuständen, wie Tautz erklärt.

"An einem solchen Aufbau wurde unter anderem der allergrößte Teil der bisherigen Arbeiten zur Tanzkommunikation der Bienen durchgeführt. Dieser Zugang beinhaltet aber die Problematik, dass prinzipiell nicht beurteilt werden kann, ob und welcher Verhaltensanteil der Honigbienen durch die Art der Beobachtung mehr oder weniger stark beeinflusst ist."

Jürgen Tautz, Universität Würzburg

Das Projekt wird drei Jahre lang mit 500.000 Euro von der Audi-Stiftung für Umwelt finanziert. Dabei werden Unmengen von Daten gesammelt werden. Und diese sollen nicht nur den Forschern zur Verfügung stehen, sondern für jedermann zugänglich sein. Bienenforscher Tautz will mit seinem Honigbienen-Onlinestudien, HoneyBee Online Studies, kurz "HOBOS", jedem die Beobachtung der Tiere ermöglichen.

Bienenforscher animiert zum Mitforschen

Verhaltensforscher, Soziologe und Bienenexperte Jürgen Tautz

Schon seit Jahren sind deshalb auch Schulklassen in unterschiedlichen Ländern in die Projekte eingebunden. Im Onlineangebot von HOBOS finden Fachleute wie Imker und Biologen, Lehrer und Schüler, aber auch einfach Interessierte alle Informationen über Bienen, die Bienenhaltung und die Forschungsprojekte von Tautz, sowie Messdaten und Livebilder aus den Forschungs-Bienenstöcken.

Für den 1949 geborenen Verhaltensforscher und Bienenexperten liefert das Experiment wichtige Grundlagen über das – nach Rind und Schwein – drittwichtigste Nutztier des Menschen. "Alles, was wir dank dieses Projektes sehen werden, wird für uns neu sein."

  • "Bienenkundler Peter Rosenkranz - Das Bienensterben und seine Folgen": am 18.08.2017 um 06.05 Uhr, radioWelt, Bayern 2

21