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Landwirtschaftliche Tierhaltung Sauwohl: Wie tiergerechte Nutztierhaltung aussieht

Die Haltungsbedingungen von Schweinen, Rindern und Geflügel stehen immer wieder in der Kritik. Viele haben den Eindruck, die Tiere werden unseren Stallsystemen regelrecht angepasst. Ferkeln wird der Ringelschwanz gekürzt, oft werden auch die Zähne geschliffen, und die männlichen Ferkel werden zudem meist kastriert. Geht es auch anders?

Von: Tobias Chmura, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 28.09.2018

Wie kann man erkennen, was Nutztiere benötigen, ob sie krank sind? Wie kann der Bauer dann darauf reagieren? Mit diesen Fragen zur landwirtschaftlichen Viehhaltung hat sich eine agrarwissenschaftliche Tagung am Hans-Eisenmann-Forum in Freising beschäftigt.

Kritik an Schweineställen

Nur 0,7 Quadratmeter Platz hat ein 100-Kilo-Mastschwein. Enge und Langeweile führen zu aggressivem Verhalten. Schweine beißen sich zum Beispiel gegenseitig in die Schwänze. Deswegen werden die in der Regel schon frühzeitig abgeschnitten.

"... es gibt doch dann immer wieder Betriebe, wo große Mängel bestehen!"

Prof. Dr. Josef Troxler, Tiermediziner

Haltung auf Stroh

Es ginge auch anders. Ein Ansatz: Dem Bedürfnis des Schweins nach Schnuppern, Wühlen und Entdecken nachzukommen, ist es, Heu und Stroh bereitzustellen. Eine Studie hat gezeigt: Nur noch in fünf Prozent solcher Ställe gibt es Probleme mit dem Schwanzbeißen, während es bei den Standard-Ställen 25 Prozent sind.

Wie lassen sich Mängel beheben?

Einen Ansatz bietet die moderne Technik. Sensor-Ohrmarken am Schwein zum Beispiel. Die Sensoren zeichnen permanent auf, wie viel sich ein Tier bewegt. Liegt es deutlich mehr als sonst, schlägt der Computer Alarm, denn es könnte eine Lahmheit dahinterstecken - also eine Verletzung oder Erkrankung an Beinen oder Gelenken.

Früherkennungsmodelle machen den Landwirt, der auf seine Tiere schaut, nicht überflüssig

"Wir können den Menschen nicht ersetzen! Die Technik ist rein eine Unterstützung."

Prof. Dr. Joachim Krieter, Agrarwissenschaftler, Universität Kiel

Auch für Pferde gibt es schon Sensoren, die Werte wie Herzschlag oder Körpertemperatur messen. Das Messgerät befindet sich in einem Gurt, der den Pferden um die Brust gebunden wird. Sämtliche Daten lassen sich auf einer Internet-Plattform darstellen. Das heißt, Arzt oder Besitzer müssen nicht vor Ort sein. Selbst ein EKG kann gemacht werden, und zwar ohne dass erst Fell abrasiert und Elektroden angelegt werden müssen.

Nachteil der neuen Technik: sie kostet Geld

Wie bei allen neuen Entwicklungen gibt es einen Haken: Sie kosten Geld. Was sich Pferdebesitzer vielleicht noch leisten können, ist etwa für Schweinehalter unerschwinglich. Zu knapp muss dort kalkuliert werden. Doch Investitionen in tiergerechtere Ställe könnten eine sinnvolle Sache sein.

"Ich bin überzeugt, dass durch eine gute, tiergerechte, einfache Haltung, auch wenn ich etwas mehr Baukosten habe, nachher gesündere Tiere habe, besseren Erfolg habe in der Produktion und somit wieder Kosten reinhole!"

Prof. Dr. Josef Troxler, Tiermediziner


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