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Glyphosat "Die haben nichts überprüft ..."

Das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, hat Vorwürfe zurückgewiesen, bei der Bewertung des Pestizids Glyphosat unsauber gearbeitet zu haben. Dies hatten zuvor mehrere Zeitungen berichtet und erklärt, das BfR habe zahlreiche Seiten eins zu eins aus dem Genehmigungsantrag der Glyphosat Task Force übernommen. Vor allem seien Studien, die Glyphosat kritisch beurteilen, als "nicht zuverlässig" bewertet worden.

Von: Johanna Stadler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 19.09.2017

Die Diskussion um die weitere Zulassung des Pestizids Glyphosat verschärft sich. Der Grund sind Berichte, wonach die Zulassungsbehörden bei ihrer Bewertung zum großen Teil auf die Vorgaben der Antragsteller, der sogenannten Glyphosat Task Force, zurückgegriffen haben, zu denen auch der Monsanto-Konzern gehört. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung war in dieser Sache federführend. An dessen Expertise orientiert sich auch Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die endgültige Entscheidung darüber, ob das Pestizid weiter eingesetzt werden kann, muss bis Ende Dezember fallen.

BfR in der Kritik

Ein Sprecher des Bundesinstituts sagte dem Bayerischen Rundfunk, seine Behörde habe sich immer an Recht und Gesetz gehalten und eigene Bewertungen angestellt. Genau das bestreitet Prof. Eberhard Greiser, Epidemiologe an der Universität Bremen, der seit langem mit dem Thema Glyphosat befasst ist. Er fährt schweres Geschütz auf.

Prof. Greiser im ARD-Mittagsmagazin am 19.05.2016

"Die haben nichts überprüft. Sondern sie haben schlicht die Fälschungen von Monsanto weitergereicht an die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit. (...) das Bundesinstitut für Risikobewertung hat ausschließlich die Geheimstudien der Chemieindustrie bewertet. Es hat überhaupt nichts zu den Falschbewertungen von den tierexperimentiellen Studien und den epidemiologischen Studien gesagt, sondern das, was da von Monsanto und Kollegen gefälscht worden war, weitergereicht. Das heißt, sie haben ihre Pflichten auf sträfliche Weise vernachlässigt."

Prof. Eberhard Greiser, BR-Interview 19.06.17

Als ein Beispiel für die seiner Meinung nach falsche Bewertung verweist der Wissenschaftler auf eine Studie mit Landarbeitern. Wenn sie zeigte, so Prof. Greiser, dass das Risiko für einen bösartigen Lymphdrüsenkrebs signifikant erhöht war, dann sei in der Bewertung gestanden, diese Studie sei nicht zuverlässig, weil nicht gefragt worden sei, ob die Menschen mit Glyphosat in Berührung gekommen seien, ob sie geraucht hätten und was es für Vorerkrankungen gegeben habe.

"Wenn Sie in die Studie selbst gucken, dann stimmt das alles nicht. Da ist im Detail erhoben worden, wie oft und wie viel Jahre Unkrautvernichtungsmittel und Glyphosat angewendet worden ist, [ist] im Detail gefragt worden, ob die Leute geraucht haben und auch was für Vorerkrankungen da waren. Da kann man nur sagen, dass ist eine komplette Fälschung der Studie."

Prof. Eberhard Greiser, BR-Interview 19.06.17

Keine Stellungnahme aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium

Das Bundesinstitut für Risikobewertung wurde 2002 gegründet, um den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu stärken. Das BfR gehört zum Geschäftsbereich des Landwirtschaftsministeriums, ist aber in seiner wissenschaftlichen Bewertung und Forschung unabhängig. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt ließ auf Anfrage erklären, er wolle zu den Vorwürfen derzeit keine Stellung nehmen.


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